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Vergesst Dunwich, Plainfield, alle anderen fiktiven oder realen Spielstätten des Horrors: Das wahre Tor zur Hölle verbirgt sich zwischen den prall gefüllten Backen des Arsches der Hamburger Heide. Dort sollte 1989 ein junger Andreas Schnaas mit gerade mal 5000 DM in der Sparbüchse einen Film drehen, der es zu internationalem und vor allem unverdienten Ruf bringen sollte. 14 Jahre später erzählte mir ein Schulfreund (der Klassenassi) übermäßig begeistert von dieser Produktion, die er bei seinem schmierigen, zehn Jahre älteren Nachbarn gesehen hat. Seine lebhaften Beschreibungen hallten über Jahre nach, bis ich meiner Neugier nachgab. Zum Glück auf Umwegen, die es mir ermöglichten, den Film zu sehen, ohne auch nur einen Cent dafür in den Abfluss werfen zu müssen. Für das gesparte Geld versuche ich derzeit, einen besseren Film zu drehen oder wahlweise auch mit ein paar Sechserpacks Bier den Streifen zu vergessen. Ich teile die Meinung meines Kumpels also nicht.

Den kümmerlichen Vierseiter von einem Skript hat Schnaas mutmaßlich verdreht und verraucht, als ihm beim Kippendrehen die Blättchen ausgingen, anders ist das Handlungsvakuum dieses Films kaum zu erklären, geschweige denn zu entschuldigen. Die überlebenden Storyfragmente des schnaas'schen Kettenrauchmassakers berichten unterdessen von einem rotzigen Knaben, dessen Mutter eine glühende Vertreterin der in "Michel aus Lönneberga" gezeigten Pädagogik ist. So begegnet dem Karl genannten Hosenmatz beim Hausarrest im heimischen Kartoffelkeller der Teufel in Person (Schnaas im Lordi - Cosplay für Arme),der ihn mit einem handlichen kleinen Hackebeil auf die eigene Mutti hetzt. Zwanzig Jahre später ist nicht nur Karl, sondern auch sein nunmehr aus Silberpappe bestehendes Beil auf eine stattliche Größe herangewachsen und wird gerade von der Polizei gen Klapse verschifft, als sich ihn die Fluchtchance bietet.

Den Teil des Publikums, der glaubt, dass ein Irrer mit Pappbeil ziemlich ungefährlich ist zeigt Schnaas fortan, was so ein richtig fieser Papierschnit ausrichten kann. Was folgt wirkt wie das Worst of zwanzig verschiedener Filme, in dessen verlauf potenzielle Opfer im Minutentakt vor die Kamera geschubst und beinahe auf der Stelle verhackepetert werden. Selbst unserem Herrn und Erlöser lässt Karlchen keine Gnade zukommen. Tja, und das war's auch schon fast, sieht man von Kalles Tod und Blitzschwangerschaft (!) mal ab.

Im Grunde genommen kann man sich über die Dialog - und Handlungsarmut schon fast freuen: das bischen Dialog, dass sich Schnaas aus dem Arsch gezogen hat ist erstens nicht sonderlich einfallsreich und zweitens zu verrauscht und scheppernd, um auch nur irgendwas zu verstehen. Und dann auch noch total zusammenhangslos, sodass man hier kaum von Handlung reden kann: Karls umnachtete Streifzüge durch das Hamburger Umland könnte man mit wenigen Schnitten zu einer Kurzserie ummodeln, in der der verpeilteste Killer diesseits der Elbe pro Episode einen neuen Pappschädel um selbigen erleichtert. Vor allem die beiden versoffenen Waldarbeiter und die beiden alten Herren auf zotiger Sauffahrt sind amüsante Highlights in dieser trostlosen dünnen roten Grütze. Definitiv einen Lacher Wert: Schnaas' Cameo als Teufel in Perchtengestalt! Der Arschkrampus wirkt Verfremdungseffekten sei Dank sogar halbwegs gruselig, was die meterlange Schlabberzunge, die durch's Bild wirbelt aber im nächsten Moment direkt wieder versaut. Ein herrlicher Comedymoment, dem die stockende Kamera nur leider den Schwung nimmt.

Das Schnaasloch hat hier scheinbar die Formel gefunden, Scheiße zu vergolden: auf einmal brach der Horrorvirus aus Hamburg über die Videotheken dieser Welt hinein, so dass der Elblandlenzi nun auch in Japan und den USA zuhause war. Dass am Ende des Tages die Kasse stimmte ist gemeinhin bekannt und Schnaas daher auch 2025 noch aktiv im Geschäft. Mag sein, dass neuere Produktionen aus dem Reel Gore - Umfeld besser ausfallen als diese Beleidigung der Zuschauerintelligenz, sonderlich Lust darauf, dies herauszufinden, macht dieser Film jedoch nicht. Ich bleibe da lieber im Arthouse - Lager der Buttgereitfraktionisten und plane dort meine gelegentlichen Ausflüge in ittenbach'sches Jadgterritorium. Da weiß man wenigstens, was man hat: einen Regisseur, der sich Mühe gibt zum Beispiel.





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