Wenn es neben Henri Verneuil („Angst über der Stadt“) jemand verstand Jean-Paul Belmondo gemäß seines Talents zu besetzen, dann war es Georges Lautner („Der Profi“). Nach dem eher ernsteren „Der Windhund“ war „Der Puppenspieler“ die zweite fruchtbare Zusammenarbeit des Duos und auch wenn dieser Film nicht an Bebels Glanzvorstellungen heranreicht, bleibt er für seine Fans (wie mich) ein Heidenspaß.
Alexandre Dupré (Jean-Paul Belmondo) ist Meisterdieb und Hochstapler. Jede Frau fällt seinem Charme zum Opfer und kein Gemälde ist vor ihm sicher. Bebel präsentiert sich hier in bewährter Manier und frotzelt mit seinem vorlauten, frechen Mundwerk alle an die Wand. Das deutsche Brandt-Synchronstudio hat, genau wie bei den damaligen Spencer/Hill-Produktionen, auch hier wieder erstklassige Arbeit geleistet. Unmengen zitatreifer Wortspiele sind damit garantiert.
Dupré ist ein sorgloser Lebemann und Lügenbold, der zunächst mit reuigem Dackelblick aus dem Gefängnis entlassen wird, um gleich wieder an die Arbeit zu gehen und sich als Maharadscha (!!) zu verkleiden. Leider ist seine neuste Eroberung, eine angebliche Prinzessin, genauso betrügerisch wie er, so dass eine Zweckgemeinschaft gegründet wird, um reiche, alleinstehende Franzosen auszunehmen. Das soll zu einem weiteren Identitätswechsel Duprés führen.
Obwohl der Plot um eine geheimnisvolle Benzinformel, die Alexandre versehentlich in die Finger bekommt, recht banaler Natur ist und eher eine Bühne für den vor sich hin kalauernden Belmondo ist, kann „Der Puppenspieler“ sein Niveau halten, was natürlich dem Humor und den entsprechend ausgearbeiteten Dialogen (Wortspiele, etc) zugute geschrieben werden muss. Wer den Franzosen nicht mag, kann hiermit sowieso nichts anfangen.
Für Belmondo war es in vielen Produktionen unüblich selbst in das ein oder andere Fettnäpfchen zu treten. Meist ist er Herr der Lage, während auf Kosten anderer gelacht wird. „Der Puppenspieler“ ist einer der wenigen Filme, in denen auch er mal Lachern ausgesetzt wird. Sein vorgetäuschter, missglückter Suizidversuch mit der anschließend sehr heiseren Stimme ist diesbezüglich eine kleine Krönung – wilde Gestiken inklusive.
Action wird hier weniger geboten. Der Film ist fast eine reinrassige Komödie, die leider hin und wieder etwas zu albern wird. Einmal mehr ließ er sich es nicht nehmen die Stunts selbst zu performen. Was er mit stolzen 46 Jahren noch fabriziert, ist einmal mehr beeindruckend. Körperlich scheinbar gar nicht gealtert, hängt er sich an einen Hubschrauber, um mal eben über Venedig zu fliegen (natürlich ungedoubelt!) und klettert von einem Schiff, um sich an einer Brücke hoch zu hangeln. Kraftakte, die wohl die wenigsten Mitte Zwanziger hinbekommen würden. Dazu gesellen sich noch ein paar seiner Brachialauftritte, wie zum Beispiel seine Fahrt in die Hotel-Rezeption (direkt mit dem Boot durch die Tür ins Hotel).
Bei all diesen Scherzen lassen nur die vielen Tote etwas unsanft aufstoßen, denn während Alexandre die beiden Parteien um die Formel bieten lässt, gibt es doch ein paar Opfer, die bei so einer leichtfüßige Komödie schnellstens unter den Teppich gekehrt werden müssen. Natürlich hat Belmondo auch hier wieder seinen schlitzohrigen, finalen Auftritt, bei dem er dann zu allen Ehren kommt, was er hinten und vorn nicht verdient hat.
Fazit:
„Der Puppenspieler“ ist eine lockere, oberflächliche Komödie, in der Jean-Paul Belmondo, wie üblich, unvergessliche Sprüche und beeindruckende Stunts zum Besten gibt. Zwar ist der etwas wirr erzählte Plot nur eine Gagfolie und hin und wieder schleichen sich ein paar Anschlussfehler ein, doch insgesamt kann man mit dem Resultat zufrieden sein. Bebel hat sicher bessere Filme gemacht, aber seine Fans können hier vorbehaltlos einschalten.