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Postmodern ist, auch wenn es anachronistisch anmutet, ein moderner Begriff. Er ist keiner neueren Prägung, wird aber in den letzten Jahren immer häufiger verwendet und findet sich in allen Arten von Künsten, ob Literatur, Musik oder Architektur. Auch für den Film ist er zentral geworden und beschreibt einen Umstand, der eine eigenwillig, neuartige Linie in den Kunstwerken vermissen lässt, zu Gunsten eines Zitierens der klassischen, bekannten Werke. Die Postmoderne soll für eine Epoche nach der Moderne stehen, was aber bei vielen Theoretikern umstritten ist, für die die Postmoderne vielmehr eine Strömung charakterisiert, die das Zeitalter der (noch?) andauernden Moderne versucht zu interpretieren. 

Sollte die Postmoderne aber eine Daseinsberechtigung haben, dann würde dieser Begriff in der Filmkunst neben Quentin Tarantino am ehesten auf die Coen-Brüder passen. Seitdem ihre außerordentliche Independent-Fim-Karriere in den 90er Jahren steil nach oben stieg, mit Filmen wie Barton Fink, Fargo oder The Big Lebowski, waren sie bekannt für ihre exakte Wiederspiegelung zeitgeschichtlicher Tendenzen und einem unterschwelligen Grad an Eklektizismus für filmhistorische Konventionen. Umberto Eco entwickelte für diese Filmform den Begriff der Doppelten Codierung. Für den einfachen Zuschauer ist so ein Film auf der ersten Ebene pure Unterhaltung oder Langeweile, für den intellektuellen Zuschauer hingegen wird auf der zweiten Ebene der Film, aufgrund seiner Verweise auf andere Werke oder Strömungen, interessant.
Die Coen-Filme sind symptomatisch dafür, auch ihr aktuellstes Werk Burn after Reading. Der Spionagethriller findet hier seine ironische, ja sogar zynische Wiedergeburt in einer angespannten, misstrauischen Zeit.  

Der CIA-Agent Osborne Cox (John Malkovich) wird unter fadenscheinigen Gründen vom Dienst suspendiert. Sehr komisch ist hier das Gespräch im Zimmer des Vorgesetzten mit einem dritten Kollegen, der Cox des Alkoholismus bezichtigt. Cox‘ Antwort darauf: „Sie sind Mormone. Neben Ihnen sehen wir alle aus wie Alkoholiker.“ In der nun gewonnenen Freizeit beginnt er an seinen Memoiren zu schreiben und speichert diesen „hochbrisanten“ Stoff auf einer CD ab, die auf Umwegen in dem Fitnesscenter Hardbodies landet. Der leicht unterbelichtete Mitarbeiter Chad Feldheimer (Brad Pitt, sehr schräg und jedes zweite Wort ein „Shit“) und seine Kollegin Linda Litzke (Frances McDormand) finden sie und wollen mit ihr gegen viel Geld den ahnungslosen Ex-Agenten erpressen. Eine sehr gelungene Reminisenz an das Genre Agentenfilm ist hier Brad Pitts überzeichnetes Minenspiel als er Cox bei der geplanten Geldübergabe gegenübersitzt. Angestrengt versucht er seine Augen für einen ernsthaften Blick zusammenzukneifen. Auch seine tiefergelegte, langsam sprechende Stimme am Telefon, als er den Übergabeort aushandelt, ist einfach köstlich. Doch Osborne Cox ist doppelt gestraft, da seine Frau Katie (Tilda Swinton) ein Verhältnis mit dem Regierungsbeamten und Playboy Harry Pfarrer (George Clooney) hat und die Scheidung schon im Gange ist. Als dann noch eine Leiche auftaucht und die CIA und die russische Botschaft in das Geschehen hineingeraten, ist das Chaos perfekt.  

Es entspinnt sich auf verschlungenen und grotesken Wegen eine Geschichte, in der niemand sicher sein kann, welche Position er gerade einnimmt und wer was von wem eigentlich will. Nicht umsonst steht als Frage auf dem Filmplakat: „Wer verbrennt sich hier die Finger?“ Für die Coens sind ihre Figuren ganz gewollt „Schwachköpfe“. Sie stecken alle in einer Lebenskrise, ob sie nun privater, beruflicher oder sexueller Natur ist. Und diese Krisen werden vermeintlicher Weise als Gefährdung der nationalen Sicherheit interpretiert. So bekommt Burn after Reading einen sehr schizophrenen Drall, der aber an vielen Stellen äußerst amüsant wirkt, auch wenn die Akteure manchmal zum Overacting neigen. Die Spuren klassischer Spionagefilmmomente sind zahlreich und der Verfolgungswahn sowie der Verfolgungszwang einiger Akteure sind eine augenzwinkernde Anspielung an eine Nation in höchster (eingebildeter?) Erregung.

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