Review

Die Coen Brüder sind allgemein bekannt für ihre unkonventionelle Kost und beehren uns dieses Jahr mit ihrem neusten Werk „Burn after Reading“. Nach einigen positiven Eindrücken aus dem Bekanntenkreis und diversen Zeitschriftenempfehlungen sollte der Film alle Coen typischen Eigenschaften aufweisen und einen unterhaltenden Kinoabend versprechen.
Zugegeben, der Film ist wahrlich ein Papiertiger wenn man alleine schon einen Blick auf die Darstellerliste wirft. Hier sind etwa Größen wie George Clooney, Brad Pitt, Tilda Swinton, Frances McDormand, Richard Jenkins und zu guter letzt John Malkovich vertreten. Das gleicht schon fast einer unendlichen Geschichte der Sternchenaufzählung. Ich möchte auch dazusagen, dass alle Beteiligten darstellerisch einen guten Job abliefern und so nimmt man George Clooney perfekt den Frauenverschleißer ab, der nach jeder Nummer schon fast Zwangshaft obligatorisch Joggen geht. Brad Pitt übernimmt die Rolle eines geistigen Tiefliegers oder sagen wir besser eines Fitnesstrainers der sich förmlich autistisch durch die Kulissen bewegt, man könnte sagen, nur echt mit Knopf im Ohr. Tilda Swinton mimt die verbitterte Gattin von Ozzie Cox und gibt dabei mit ihrem ständigen Kalkül ein sehr bösartiges Bild ab. Ein wirklich durchtriebenes Frauenzimmer eben. Frances McDormand steht als Linda Litzke für ein Sinnbild moderner Ideale und streut somit ein wenig Gesellschaftskritik ein. Ihr Charakter lässt überdeutlich den fast schon selbstversklavenden Drang zu einer glücklichen Beziehung und einem knackigen Hinterteil durchscheinen. Richard Jenkins hat einen deutlich untergeordneten Anteil in dieser Zufallsverkettungsgeschichte. Eigentlich ist er nur auf Linda scharf, mausert sich aber zum besten Freund und Berater. Letztendlich haben wir John Malkovich, unseren Hauptprotagonisten in dieser Geschichte. Als abgehalfterter CIA-Veteran wird er von seinem Arbeitgeber mir nichts dir nichts an die Luft gesetzt und beschließt somit alle seine Erlebnisse als Memoiren festzuhalten, nach dem später alle hinterher sein werden, ohne wirklich zu wissen worum es sich eigentlich handelt. Hiermit nimmt die tragisch endend wollende Handlung ihren Verlauf.
Eines muss man den Coen Brüder wieder lassen, sie verstehen es wirklich interessante Charaktere aufzufahren und diese durch böse Zufälle zur falschen Zeit am falschen Ort zu platzieren.
Allerdings fehlt es dem Film dringend an Drive, denn bis die Geschichte interessant wird vergeht eine gefühlte Ewigkeit. Zu sehr wird auf unwichtige Kleinigkeiten eingegangen und viele Szenen wirken sehr aufdringlich frequentiert. Andere wirken sogar deplatziert, wie die Wippstuhlkonstruktion mit autonom aufblitzenden, künstlichem Glied. Natürlich kann man auch solche Szenen als Groteske für die moderne Gesellschaft sehen, allerdings kommt so etwas doch eine Spur zu Selbstzweckhaft daher.
Doch eines der größten Mankos dieser Komödie ist, dass man als Zuschauer kaum die Gelegenheit bekommt, wirklich zu lachen. Viele Dinge wirken einfach viel zu ernst und könnten selbst unter satirischen Aspekten kaum als lustig empfunden werden. Somit gehen die meisten Lacher konsequent auf die Rechnung von Brad Pitt. Mit seiner schon fast dümmlichen Unbeholfenheit und dem fehlenden Verständnis sich ordentlich auszudrücken wirkt er immer wieder urkomisch und hat den Humor stets auf seiner Seite. Echt klasse.
Aber das reicht leider nicht aus um den Film aus der Durchschnittlichkeit zu hieven. Denn ein weiterer Schwachpunkt ist ein unglaubwürdiges Zusammenspiel von Zufällen wie sie nicht besser von Oma Friedchen gestrickt werden könnten. Somit wirkt der Film an manchen Stellen arg konstruiert. Auch die späteren Vorgehensweisen der Charaktere sind ernsthaft zu hinterfragen. So wirken auch die Plottwists weit hergeholt und unglaubwürdig. Also bleibt der Film eine herbe Enttäuschung, der meinen hohen Erwartungen leider nicht gerecht werden konnte. Es wurde leider zu viel Potenzial verschenkt, denn etwas mehr Tempo hätte der Geschichte durchaus gut gestanden.

Fazit: Leider können die Coen Brüder nicht an alte Werke anknüpfen. Bei der Inszenierung wurde zu sehr auf unnötige Kleinigkeiten geachtet, die einem flüssigen Handlungsverlauf sehr abträglich waren. Somit wirkten relativ kompakte 96 Minuten wie gefühlte zwei Stunden. Unterm Strich wird uns also eine verzwickte Geschichte mit einem Hauch Gesellschaftskritik serviert, die mit einer verschwindend kleinen Prise dezenten Humor garniert wurde. Also verköstigen sie uns bald wieder, aber bitte mit einer etwas temporeicheren Geschmackskomposition.

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