Vom leicht schwarzhumorigen Thriller zur schwarzen Komödie: Mit „Burn after Reading“ orientierten sich die Coens nach dem düsteren „No Country for Old Men“ wieder gen humoristisches Spektrum.
Es geht hier vor allem um Figuren. Der leicht zerstreute Ex-CIA-Analytiker Osbourne Cox (John Malkovich), der nach der Entlassung seine Memoiren schreiben will. Seine dominante Frau Katie (Tilda Swinton), die eine Affäre mit dem Personenbeschützer Harry Pfarrer (George Clooney) hat. Der wiederum ist auf dem Gebiet Frauen eh sehr aktiv und datet sich auch mit der Fitnessstudioangestellten Linda Litzke (Frances McDormand), die in dem Studio mit ihrem simpel gestrickten Kollegen Chad Feldheimer (Brad Pitt) arbeitet.
Die Verstrickungen ebenjener Figuren verkomplizieren sich, als Osbourne eine CD mit seinen Memoiren drauf im Fitnessstudio verliert, die von Linda und Chad für geheimes Material gehalten wird, was wiederum die Geheimdienste auf den Plan ruft…
Dieses Nichts von einem Anlass gibt also den Startschuss für „Burn after Reading“ und tatsächlich feiern die Coens die Tatsache, dass sie quasi kaum Plot haben, noch wirklich ab, thematisieren die Nicht-Existenz der großen Verschwörung gleich mehrfach. Auch sonst bricht man immer wieder gern Konventionen, z.B. beim antiklimaktischen Ende, das noch abrupter als bei „No Country for Old Men“ kommt, oder den überraschenden Toden von Sympathiefiguren
Das Problem von „Burn after Reading“ ist dann allerdings, dass das Fehlen eines Spannungsbogens allein durch die Interaktion der schrägen Charaktere ersetzt werden soll – was durchaus funktionieren kann (man denke an diverse Kevin Smith Filme), hier aber nur begrenzt funktioniert. Irgendwie wiederholen sich all die Marotten und Eigenheiten der Figuren, verkommen irgendwann zur bloßen Routine, sodass sich in der zweiten Hälfte der Spionagegroteske der Wunsch nach etwas Abwechslung einstellt. Was nicht bedeuten soll, dass „Burn after Reading“ nicht witzig wäre: Chad mit seiner gelackten Art ist eine wunderbare Parodie auf die all die hohlen Sunnyboys und die Gespräche der CIA-Vorgesetzten (J.K. Simmons, David Rasche) sind wahrscheinlich die Highlights des Films.
Doch mehr als nett ist „Burn after Reading“ unterm Strich dann nicht, auch die Versuche der Groteske einen Hauch von Tiefgang zu verpassen, sind teilweise leicht deplatziert. So mag der Wutausbruch Harrys als sein geordnetes Leben zu zerfallen droht, durchaus gut gedacht sein, besonderes Mitgefühl baut man zu seiner Figur dann aber auch nicht auch. „Burn after Reading“ funktioniert eben als kurzer Einblick in einen Mikrokosmos ohne Vor- und Nachgeschichte, was vor allem durch das Reinzoomen durch die Optik eines Spionagesatelliten zu Beginn bzw. das Rauszoomen am Ende deutlich wird.
Die Besetzung ist nicht nur prominent, sondern auch durchweg gut aufgelegt, weshalb „Burn after Reading“ trotz seiner dramaturgischen Schwächen ganz ordentlich über die Runden kommt. George Clooney parodiert sein Charmeur-Image, Brad Pitt als Doofi ist noch besser, persifliert er doch das Schönlingsklischee so wunderbar. Frances McDormand ist mal wieder mehr für die leisen Töne zuständig und John Malkovich und Tilda Swinton als neurotisches Paar sind Edelsupport. J.K. Simmons ist wie immer Gold wert, David Rasche gut, doch auch Richard Jenkins in seiner wichtigen Nebenrolle sollte gewürdigt werden, auch wenn sein Name nicht so groß wie der seiner Mitstreiter ist.
„Burn after Reading“ macht Spaß, ist einfallsreich inszeniert – und ist trotzdem nicht mehr als ein Häppchen zwischendurch. Irgendwann holen sich die Gags und der Storyverzicht steht dem Film nicht immer gut, da hilft auch keine Top-Besetzung.