Deutschland, nach dem Zweiten Weltkrieg, in einem Lager für Kriegsflüchtlinge: Dr. Neumeister wird Nowak, ein neuer Assistent, zugeteilt. Wie es der Zufall will, kennen die beiden sich von früher, als sie für die Regierung arbeiteten (weswegen sie sich auch aus Angst vor der Verfolgung durch die Alliierten neue Identitäten zugelegt haben): Neumeister, zu jener Zeit noch Rothe, leitet medizinische Forschungen, Nowak, mit richtigem Namen Hösch, assistiert ihm schon damals. Eines Tages kriegt Rothe von Major Winkler auseinandergesetzt, dass seine Verlobte eine Spionin der Alliierten ist. Herausgefunden hat dies Hösch, heimlich Mitarbeiter der Gestapo, indem er sie verführte.
Zuhause konfrontiert Rothe seine spionierende und ihn betrügende Ehefrau mit diesen Erkenntnissen; als sie es zugibt, bringt er sie um. Hösch lässt den Mord mit Winklers Erlaubnis vertuschen, da Rothe für das Reich noch von Nutzen ist. Der Doktor entkommt so zwar der Strafverfolgung, gerät aber völlig aus den Fugen: Nach dem Mord an einer weiteren Frau beschliesst er, Selbstmord zu begehen – nachdem er all seine Unterlagen vernichtet und Hösch sowie Winkler erschossen hat. Als er bei zweiterem auftaucht, stellt er aber fest, dass dieser Mitglied einer Widerstandstruppe ist, und lässt ihn daher leben – doch hat er ihn gleichzeitig unwissentlich Hösch ausgeliefert. Als er nun im Flüchtlingslager wieder auf den ehemaligen Gestapo-Mann trifft, bekommt er dadurch die Chance, sich endlich an diesem für alles zu rächen…
DER VERLORENE hat über weite Strecken etwas von einem Kammerspielfilm und Regisseur Lorre gibt den Darstellern jede Menge Raum zur Entfaltung – insbesondere dem Schauspieler Lorre. Die Dialoge sind nicht gut genug, um zu verhindern, dass der Film so manchmal zu einer etwas zähen Sache wird (darüber helfen Lorre als gebrochener Mann mit seinem melancholischen, wienerischem Akzent und Karl John als arroganter Gegenpart hinweg), und es ist eine Erleichterung, wenn die Geschichte mit dem Zirkel der Widerständler an Spannung, Action (mit einer Verfolgungsjagd und so) und Tempo gewinnt. Das kompromisslos düstere Ende ist dann ein ziemlich happiger Rausschmeisser und es wundert einen nicht (wie überhaupt bei der grimmigen Stimmung des Filmes), dass DER VERLORENE in Deutschland ein Fiasko war, woraufhin Lorre, eigentlich eigens dafür nach Deutschland zurückgekehrt, wieder nach Hollywood ging. Vergeben und Vergessen ist jedenfalls nicht die Sache dieses Streifens, nur Bitterkeit und Rache.
Politisch bleibt der Film etwas vage (Nazideutschland wird als solches nur angedeutet, wir könnten es hier mit irgendeinem totalitären Staat zu tun haben) und die Story ist nicht immer ganz glaubwürdig; so überlegt man sich beispielsweise, weshalb Inge, Rothes Verlobte, nicht einfach verhaftet wird (naja, der Herr Doktor kümmert sich ja selbst um die Sache) und die Chose mit Rothe als latenten Frauenmörder kommt doch ziemlich aus dem Nichts (auch wenn das wohl ein schönes Symbol für den verbrecherischen Staat, unter dem Mord und Todschlag gedeihen, sein soll).
Hingegen gibt es wenig zu beanstanden, was Musik oder Kameraarbeit angeht. Formal erinnert der Film durchaus an das Weimarer Kino (M – EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER kommt einen ab und zu in den Sinn), ist aber wenig experimentierfreudig.
Fazit: Ein durchwachsener Film, der von seinen Darstellern profitiert, insbesondere im letzten Drittel auch spannungstechnisch überzeugt und sich technisch keine Blösse gibt, jedoch oft an einem unplausiblen Plot sowie einigen Anlaufschwierigkeiten krankt.