Marquis de Sade, seines Zeichens Pussymagneto, strammer Rulebreaker und
Dauergast in diversen französischen Gefängnissen, dürfte einigen hier ein Begriff sein, verfasste er doch solch ästhetisch und ethisch hochwertige Weltliteratur wie "Die 120 Tage von Sodom", "Justine" oder "Die Philosophie im Boudoir" (Hammerbuch übrigens), welche seit Jahrzehnten die Bücherregale von Feministinnen, Jugendschützern und Otto Normalbürgern bereichern.
Dieser Film befasst sich (mehr oder weniger akkurat) mit dem Leben des dekadenten Adligen. Der Marquis schnappt sich die Tochter einer reichen Aristokratin, hurt und säuft durch das Frankreich des 18 Jahrhunderts, bekommt deshalb stramm Beef mit der Schwiegermutter (die böse Schwiegermutter ist übrigens eine sehr einfallsreiche Facette der Geschichte, die es so noch nie gegeben hat), schreibt ein Buch über seine Ansichten (die 120 Tage von Sodom), und wird deshalb zum Tode durch die Guillotine verurteilt. Eine junge Frau spührt den Marquis auf, denn man munkelt, dass er ihre Schwester erdrosselt haben soll. Dies ist jedoch nicht so, und der Marquis weiht die hübsche junge Frau in sein bisheriges Leben ein, ohne zu ahnen, dass sie daran Gefallen findet...
Der Film ist nicht wirklich Sexploitation, obwohl es einige S/M und Sexszenen (kein Hardcore) gibt, er behandelt primär den Charakter "Marquis de Sade" und seine Gedankenwelt. Obwohl dieser Film von vielen Leuten als "VOX Porno" abgestempelt wurde, finde ich, dass er seinen Zweck sehr gut erfüllt, mich zumindest hat er sehr gut unterhalten, nicht zuletzt wegen dem genialen Hauptdarsteller. Natürlich hat man einiges dazu erfunden, um die Dramaturgie anzukurbeln, doch man kann schon von einer relativ realitätsnahen Verfilmung und Hommage an den allseits beliebten Schmutzfink sprechen.
Das Problem, dass der Film hat, ist, dass er irgendwie zielgruppenlos erscheint. Für einen normalen, anspruchsvollen Film ist zuviel dreckiger Humor und Schweinerei drin, für einen typischen Sexploitation Sleazer ist er a) nicht pervers und b) nicht belanglos genug. Also dümpelt der Film irgendwo in einer Grauzone herum, doch das ist in meinen Augen das Interessante.
Fazit: Chronisch unterschätzter Film, den man als Marquis Fan durchaus mal gesehen haben sollte. Man darf aber nicht allzu viel Perversion erwarten, wenn man mit den Richtigen Erwartungen ran geht, kann man mit dem Film echt seinen Spaß haben.