Manchmal muß man sich seinen Ängsten stellen, auch wenn das bedeutet, zwei Steven-Seagal-Filme zu keinem Preis vom selben Regisseur hintereinander wegzuschlucken.
"Kill Switch", eine 2008er-Spätlese, des arg angefetteten Nullmimikers scheitert dann auch geradezu spektakulär an allen Ecken und Enden.
Bitte nicht falsch verstehen, ich bin durchaus gewillt, einem Schlägerfilm oder Ballerstreifen seine verdienten Direct-to-DVD-Pünktchen rektal einzuführen, solange das Auf-die-Fresse stimmt, aber hier ist gar nichts takko, der Film ist definitiv eine einzige Katastrophe.
Worum es geht?
Um eine Menge: zunächst einmal starten wir mit einer Rückblende, wo auf einem erlesenen Kindergeburtstag beim Versteckspiel einem Jungen ein unfreiwilliger Kehlenschnitt verpaßt wird. Sein Brüderle ist darüber arg vergrätzt, denn es ist Steven vor dem Sprießen der Hormone und was er da gesehen hat, das wird uns noch in vielen Rückblenden stückweise offenbart.
Was das mit dem Film zu tun hat? Gar nichts, denn weder kommt dabei was Brauchbares raus, noch wird der Fall geklärt oder der Mörder gefaßt. Einfach nur so als präpubertäre Motivationsübung.
Im eigentlichen Film (der Schriftzug "Nu Image" hätte mich vorwarnen sollen) gehts dann um den King (so heißt unser Stevie in diesem Reißer) der Mordkommission, der gleich mal einen Psychopathen aufmischt, weil der eine bestrapste Dame mit einer Brustbombe verdrahtet hat. Der Mann nimmt das Gesetz in die eigene Hand, richtet Wohnungseinrichtungen en groß hin und hat auch sonst immer einen vernuschelten heiseren Röchler auf der Lippe.
Eigentlich gibts aber Probleme mit dem sogenannten Drifter, denn es soll ja hier um Serienkillerjagd gehen und der "Drifter" ist nu mal hier der Täter, der diverse Leutchen meuchelt und ihnen astrologische Symbole einritzt. Knorke. Aus diesen Symbolen hat sich Onkel Seagal in Heimarbeit einen Code gebastelt bzw. er bastelt noch, weswegen es daheim auch aussieht, als würde er Silbenrätsel machen.
Dabei rührt er in wirren Prophezeiungen rum, von denen wir nicht wissen, wie er da rangekommen ist, was aber egal ist, weil der Täter so dermaßen einen an der Waffel hat, daß man aus seinen Absichten nun gar nicht mehr schlau wird. Ihn zu identifizieren ist dann auch nicht schwer (man brauche einen Text, eine Gothic-Bibliotheksangestellte und einen Gang zu einer astrologisch motivierten Billigrockband und schon hat man mit dem Texter den Mörder). Nur verhaften will unser Hero den Bösen wohl nicht. Stattdessen ballert er sich einen schwächstens ab, kloppt sich endlos rum und läßt ihn dann stiften gehen. Zwar kriegt er darüber Brieftasche und Adresse, kümmert sich jedoch erst irgendwann morgen drum, so daß noch ein paar Leute dran glauben müssen.
Derweil ist aber auch der Spielverderber vom Anfang wegen unerträglicher Festnahmegewalt oder so freigelassen worden (einmal mit dem Kopf durch die Ikea-Palette und dann aus dem Fenster, lächerlich....) und meuchelt gleich mal seinen Anwalt und die Chauffeure (wieso???) und macht sich dann auf die Revenge-Fährte.
Am Ende kriegt Onkel Steven dann beide, den ersten kloppt er mit einem Hammer brüchig und den Zweiten schnetzelt er dann in der Wohnung klein, prosit und cheerio.
Was aber macht diesen Double act so besonders dilletantisch?
Da wäre ein geradezu imbeziles Drehbuch, daß neben dem Kindheitsmotiv die seltsamsten und unwichtigsten Dinge zusammenrührt: da haben wir den farbigen Partner, einen Typen, der tatsächlich noch langsamer und unmotivierter (und unnützer) ist als Seagal selbst.
Dann kommt eine FBI-Beamtin zur Untersuchung ins Spiel, die aber über die komplette Filmlänge nur von Seagal und Kollege verarscht und gedemütigt wird und gar nichts untersucht - am Ende jedoch aufgrund des Drecks unter den Fingernägeln (vom Täter platziert) auch noch schlußfolgert, daß Seagal selbst der Täter sein muß - diese Theorie wird aber auch nicht dramaturgisch verwendet, denn als das Thema aufkommt, hat Seagal schon beide Täter im Sack.
Ferner hüpft in Seagals Wohnung ständig noch ne hübsche Polizistin im Bademantel rum, die von ihm aber so was von ignoriert wird, daß er glatt emotional wird, als sie den Löffel abgibt: er verzieht den Mund und drückt ihr die Augen zu.
Zwischendurch veranstaltet Isaac Hayes als Pathologe (wer besetzt diesen Film?) noch einen sinnfreien Murmelwettbewerb mit dem Hauptdarsteller und Seagal kündet alle drei Sekunden "Lord have mercy" und meint vermutlich den Film.
Der wiederum ist ein Musterbeispiel für illegale Streckungsmethoden, um den unlogischen Scheiß auf 90 Minuten zu bringen. Seagal hatte nämlich wohl wenig Zeit und noch weniger Motivation, dafür aber zuviel Gewicht für alle seine Szenen. Also weiten wir die Actionsequenzen doch einfach mal auf 5-10 Minuten aus, vor allem die, die früher etwa 15 Sekunden gedauert haben.
Das fängt schon bei dem Bombenbastler an, der jedes Stück Mobiliar in seiner Hütte mit der Stirn zersplittert. Dauert schon mal.
Dann mischt unser Held drei Pimps in einer Bar auf, eine klasse Angelegenheit, die etwa sieben Minuten dauert und sogar Abwechlung bringt. Zwischen dem üblichen Zerschlagen von Mobiliar, haut man sich ordentlich auf die Fresse - allerdings ohne jegliche Wirkung, egal womit. Kampfkunst fällt übrigens aus, denn 97 Prozent des Kampfes hat ein nicht sehr ähnlich aussehender Stuntman gedreht und der konnte nun mal keinen Sport, war aber wohl mal Wrestler (Wirf den Gegner!!!). Die restlichen 3 Prozent bestehen aus (sapperlot) einer Naheinstellung von Seagals gelangweiltem Gesicht, die tatsächlich achtmal hintereinander in die Kampfszene hineingeschnitten wird. Rausgeschnitten hat man dafür immer einige Frames, so daß das alles wie eine infantile Jumpcut-Olympiade aussieht.
Die Verfolgung des Serienkillers hatten wir ja schon, besonders hervorzuheben noch die Schußsicherheit aller Beteiligten: 250 Schüsse, kein Treffer. Später gibts noch mehr von der Instantkloppe, aber da hat man schon komplett abgeschaltet, denn zwischendurch labern alle Figuren blödes Tralala oder machen irgendwie irritierende Sachen, die mit Plot und Tempo aber nichts gemein haben.
Ein besonderes Schmankerl dann noch der Epilog, denn der Beamte vom Dienst haut ab vom Tatort (in seiner Wohnung liegt übrigens noch die Leiche von der (scheinbar, da Seagal null Interesse zeigt) noch ungefickten Kollegin) und fährt in ein Landhaus, knutscht dort plötzlich nie erwähnte Kinder, lächelt und folgt einer schnieken Blondine nach oben (offenbar seine Gattin, allerdings maximal halb so alt), die als Dank an alle, die solange durchgehalten haben, blank zieht und sich nie rote Schleife um den Hals hängt. Happy-Ends müssen ja nicht unbedingt Sinn machen.
Hier ist wirklich alles unterirdisch, das Skript, die Figuren (entweder unfähig oder komplett unsympathisches Vollärsche, Seagal eingeschlossen), die Story, das Tempo, die Logik, die Fights, die Stunts. Hier lügt man sich offenbar einen Film aus der Tasche, der halb aus Archivmaterial mit Nahaufnahmen vollgepackt wurde (auch bei der Schießerei guckt Seagal sechsmal um die selbe Ecke), damit man nicht ganz einpennt. Allesamt schundig, amateurhaft, billig und inkompetent gemacht. Höchststrafe für alle, die zusehen. (1/10)