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Ende der 90er Jahre feierte der Monster- und Tierhorror eine kleine aber feine Wiederauferstehung. Zwischen peinlichem Edeltrash wie Anaconda (1997) und gewitzteren Vertretern wie The Relic (1997) gesellte sich neben weiteren anderen 1999 Lake Placid hinzu. Die Storyelemente glichen sich stets und auch Lake Placid fügt kaum wirklich innovatives hinzu.
Nach einem tödlichen Angriff auf einen Taucher im See Lake Placid findet sich eine Gruppe von Menschen zusammen, die diese bisher noch unklaren Umstände erforschen möchten. Darunter die im Beziehungsstress stehende Paläontologin Kelly (Bridget Fonda), der Wildhüter Jack (Bill Pullman), Sheriff Hank (Brendan Gleeson) und der ego- wie exzentrische Milliardär Hector (Oliver Platt), der auf der Suche nach einem sensationellen Fund ist. Recht schnell klärt sich, das was dem Zuschauer schon beim Betrachten den Kinoplakats offenkundig war, dass es sich bei diesem Unding um ein 20 Meter großes Krokodil handelt. Zwischen den Beteiligten kommt es darauf zum Streit, ob man es töten oder nicht doch lieber lebendig einfangen sollte.

Das wirklich besondere an Lake Placid stellt die ungewöhnliche Mischung zweier verschiedener Genres dar. Regisseur Steve Miner verquickte diese den Genreregeln entsprechende Horrorstory mit den Zutaten der Screwball Comedy. In den Dialogen wird sich ohne Unterlass gezankt, Eifersüchteleien und dümmliche Hahnenkämpfe mischen sich mit gigantomanischen Monstereffekten und einigen Ekelbildern. Das Ganze geht bisweilen so weit, dass sich bald selbst der Film nur noch sekundär für seinen Horror zu interessieren scheint. Und er tut gut daran. Mit der Story um ein Riesenkrokodil war kein Blumentopf mehr zu gewinnen, das schienen wohl auch Steve Miner und Drehbuchautor David Kelly gewusst zu haben. Lake Placid wurde in seiner knapp bemessenen Laufzeit (79 min.) weniger ein spannender oder gar düsterer Horrorfilm, als mehr eine kurzweilige Komödie um ein Vierergespann, das dem Schein nach eher zufällig einem Riesenkrokodil auf der Spur ist. 

So genussvoll man diese Abwechslung im Horrorgenre auch entgegen nimmt, es bleibt ein leicht gedämpfter Eindruck zurück. So irrwitzig die Figuren auch sein mögen (vor allem Oliver Platt und Brendan Gleeson), die Emotionen und Reaktionen der Beteiligten wollen sich dem Betrachter nicht so recht erschließen. So hackt und ätzt die Figur um Oliver Platt ohne wirklichen Grund ständig auf dem Sheriff herum, der wiederum kaum eine Gelegenheit verpasst, mal mehr, mal weniger gelungene Retourkutschen zu formulieren. Diese Wortgefechte wollen aber oft nicht zünden, wenn die Begründungen dafür einfach ausgelassen werden. Ähnliches zeigt sich bei der von Bridget Fonda gespielten Figur wider. Großstädtisches Gezicke, das seinen Widerpart in dem Naturburschenhaften Auftreten von Pill Pullman finden soll. Fast Unnötig zu erwähnen, dass Bill Pullmans Figur (wieder einmal) die mit Abstand farbloseste und austauschbarste ist. Diese beiden Grundverschiedenen Charaktere sollen ganz nach den Regeln der Romantic Comedy zu einander finden, doch bleiben ihr Gestus und ihre völlig eindimensionale Figurenzeichnung in unnötigen Klischees stecken und vermittelt kaum echte Empathie, von Romantik gar nicht zu reden. So verpuffen die noch so aufgeheizten Wortgefechte, da einem ein wirklicher Zugang zu den Figuren schlicht verwehrt wird. 

Lake Placid ist dennoch ein flotter, kurzweiliger und unbeschwerter Genrevertreter. Ein wenig mehr Gespür für die Figurenzeichnung, hätte eventuell ein kleines Wunder aus dem Film machen können. So bleibt zwar immer noch die Absicht, einen Horrorfilm mit Screwball-Elementen anzureichern, erkennbar und wirkt auch in dieser Unkonventionalität erfrischend, aber für ein richtiges Gelingen fehlte dem Film einfach ein rundes und pointiertes Drehbuch.

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