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Maine: Ein Taucher der Forstverwaltung wird in einem eigentlich lauschigen Kleinstadt-Nest während der Kontrolle der örtlichen Biber-Population im Black Lake von einem unbekannten Tier angegriffen und in zwei Hälften zerrissen. Ein in der Leiche gefundener Zahn ruft die Paläontologin Kelly Scott auf den Plan, die von ihrem Boss und Ex-Lover Kevin in das Kaff entsandt wird, um der merkwürdigen Geschichte vor Ort auf den Grund zu gehen. Gemeinsam mit dem örtlichen Sheriff Keough und dem Wildhüter Jack Wells kommt Kelly schließlich dahinter, dass es ein neun Meter langes, asiatisches Krokodil für den ganzen Trubel verantwortlich ist, das es irgendwie in die Wälder von Maine verschlagen hat und welches von der am Black Lake ansässigen Witwe Delores Bickermann seit Jahren quasi als "Haustier" gehalten und bislang mit Kühen gefüttert wurde. Über das weitere Vorgehen herrscht nun jedoch Uneinigkeit, denn während Sheriff Keough das Riesen-Reptil am liebsten mit seinem Granatwerfer in die Luft jagen würde, plädiert der Millionär Hector Cyr, der sich auf eigene Faust zur Truppe gesellt hat, als großer Krokodil-Fan dafür, das Tier lebend einzufangen... Wer einen reinen Tierhorror-Streifen erwartet hat, der dürfte sich bei "Lake Placid" (so heißt der See gar nicht!) einigermaßen enttäuscht sehen: Dank Drehbuchautor David E. Kelley nimmt sich die Angelegenheit aufgrund der Figurenzeichnung und des Dialog-Witzes nämlich eher aus wie eine überlange Episode seiner Erfolgsserie "Ally McBeal", in die sich halt nur zufällig ein gefräßiges Riesen-Krokodil verirrt hat. Okay, Genre-Veteran Steven Miner, der im Jahr zuvor mit "Halloween H20: 20 Jahre später" ja wieder einen ziemlichen Hit landen und sich dadurch ein wenig aus der Versenkung holen konnte, bewegt sich inszenatorisch zwar einigermaßen solide auf bekanntem Terrain, hat sich seit seinen beiden "Freitag der 13."-Fortsetzungen aber auch keine neuen Tricks mehr draufgepackt. Die üblichen Creature-Feature-Standards nach dem Vorbild von "Der Weiße Hai" oder - noch passender - "Der Horror-Alligator" zu bedienen stand zudem merklich nicht besonders weit oben auf der Prioritäten-Liste, denn es ist schon ziemlich auffällig, wie hier ledigleich mit ein paar oberflächlichen Schocks kokettiert wird, anstatt sie auch wirklich gewinnbringend auszuspielen. Stattdessen wird hier in Sachen Horror-Comedy der Komödien-Part ziemlich weit in den Vordergrund gerückt, wenn da die mehr oder weniger skurrilen Charaktere (Highlight: "Golden Girl"-Betty White als ordinäre Oma!) munter durch den Wald stolpern und ihre schnippigen Dialoge im typischen David E. Kelley-Stil absondern... womit aber auch nur nochmal mit Nachdruck unterstrichen wird, dass wirklich nicht jeder Streifen die Gratwanderung zwischen Humor und Grusel so gekonnt meistert wie einst noch ein "American Werewolf". Was "Lake Placid" allerdings wirklich über die Runden hilft, sind zum einen die sehenswerten Creature-F/X aus den Stan Winston Studios, mit denen das Krokodil erstaunlich realistisch zum Leben erweckt wird, und zum anderen die überschaubare Laufzeit von weniger als 80 Minuten inklusive Abspann, die verhindert, dass da wirklich Langeweile aufkommt oder die (dünne) Handlung durchhängen würde. Gerade in Hinsicht auf die damals nicht wirklich berauschende Konkurrenz aus der Krokodil-Sparte rund um die Jahrtausendwende (sprich: Tobe Hoopers "Crocodile" und der depperte "Blood Surf - Sonne, Strand... Blut!") ist "Lake Placid" also schon irgendwie okay, auch wenn er doch eher was für Gelegenheitsgucker ist statt für die harte Horror-Crowd.

6/10

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