Irgendwo muss der Wurm stecken, denn alle Werke Charles Spencer Chaplins nach seinem grandiosen Werk "Der große Diktator" werden nur mit wenig Sorgfalt hierzulande behandelt. Die schwarze Komödie "Monsieur Verdoux" ist in Deutschland immer noch nicht auf VHS, geschweige denn DVD erschienen, "Ein König In New York" kommt vielleicht mal alle Jubeljahre im Fernsehen und "Die Gräfin von Hong Kong" wird obgleich seiner Qualitäten als kreativer Flop angesehen und auch so behandelt. Zwischendurch gab es da noch "Rampenlicht", Chaplins wohl persönlichstes Werk.
Es geht um den gealterten Clown Calvero, der die Glanzzeiten seiner Karriere schon lange hinter sich gelassen hat. Vorbei ist die Zeit, in der Leute über ihn lachten, und nun plagen ihn Alpträume, wie er sein Programm vor leerem Haus spielen muss. Hoffnung findet der fast dem Alkohol erlegene Calvero in der jungen Thereza, die sich das Leben nehmen wollte. Behutsam päppelt er sie auf und erfährt von ihr, dass sie dem Ballett angehöre, diesen Job aber nicht mehr ausfüllen könne, da ihre Beine gelähmt seien. Schnell kommt Calvero dahinter, dass sich Thereza diese Geschichte aus Angst nur einbildet. Fortan ist er auch ihr seelisches Standbein. Währendessen neigt sich seine persönliche Karriere immer weiter dem Ende, bis es zu einem letzten, großen Auftritt kommt, den der Star aber nicht überlebt.
"Rampenlicht" wird mitunter gerne als Chaplins letzter großer Film vermarktet, und auch Chaplin selbst sah dieses Werk damals als seine letzte und zugleich beste Arbeit. Tatsächlich sollte man hier aber keine Komödie erwarten, wie man sich vom Tramp gewohnt ist. Der Diktator und Verdoux schlugen schon deutlich finstere Töne an, und nun scheint Chaplin eine gewisse Weisheit eingeholt zu haben. "Rampenlicht" ist ein tief bewegender, melanchonischer Rückblick auf die Zeit, als Komiker kamen und wieder gingen. Die wenigen lustigen Momente, die "Rampenlicht" vorweisen kann, liefert er in den Szenen mit Calveros Bühnencharaktere (der im übrigen sehr viel Ähnlichkeit mit dem Tramp aufweist, inklusive Spazierstöckchen). Mal singt er über den Frühling, ein anderes mal erwischt er die Stars seines Flohzirkus' bei unartigen Sachen.
Doch wie gesagt, diese lustigen Elemente sind eher selten, viel mehr wird Calveros nahes Schicksal in den Vordergrund geschoben. Er genießt den Erfolg, den Thereza nun wieder hat und erfreut sich an seinem letzten Auftritt mit seinem Partner (herrlich gespielt von Buster Keaton). Doch Calvero zieht sich eine Verletzung zu und hat (fern vom Publikum, abgeschminkt und in seiner Garderobe) Schmerzen durch einen Herzanfall. Abschließend wird er mit einem Tuch bedeckt, während ihm Thereza den letzten Wunsch erfüllt. Sie führt ein Ballettstück vor, dass er noch gerne sehen wollte.
Es erscheint, als ob Chaplin seine Karriere mit diesem Film ausklingen lassen wollte, er selbst bezeichnet das Werk sogar mit dem Namen "Testament". Durch Calveros Bühnenfigur bringt er gleichzeitig nochmal den Tramp ins Licht. Chaplins Talent für Filme hat sich in den Jahren gesteigert, und nun liefert er ein einwandfreies, tieftrauriges Drama ab. Viele nörgeln nun, der Film sei humorlos, dialoglastig und langweilig. Denen sei gesagt, das man einen Künstler auch mit anderen Augen betrachten muss, wenn man seine ganze Arbeit verstehen will.
Fazit
Bewegendes Drama um einen gealterten Clown, den keiner mehr sehen will. Charlie Chaplin vereint tiefe Tragik mit einigen humurvollen Szenen. Ein absolut sehenswertes Meisterwerk, dass Chaplins Vorgängerfilmen in nichts nachsteht.
10/10