Lucie (Jessie Pham) flüchtet aus einem heruntergekommenen Gebäude. Ihr Körper ist übersäht mit Verletzungen, die von jahrelanger Misshandlung herrühren. Sie kommt in ein Waisenhaus, wo keiner Zugang zu ihr findet, außer Anna (Erika Scott). 15 Jahre später: Die beiden sind mittlerweile Erwachsen und Lucie (Mylène Jampanoi) hat ihre Peiniger in einer Zeitung gesehen und will Rache nehmen.
Mehr soll an dieser Stelle nicht von der Story verraten werden, denn es gibt einige Überraschungen und Wendungen. Bereits in der ersten Szene mit dem entstellten und misshandelten Kind, wird klar, dass der Film eine kompromisslose Richtung einschlägt. Diese behält er bis zum Ende bei. Dabei setzt er weniger auf graphische, als mehr auf psychologische Gewalt und lässt den Zuschauer nicht selten fassungslos und angewidert zurück. Dazu kommen mit den beiden Hauptdarstellerinnen Mylène Jampanoi und Morjana Alaoui zwei Frauen, die kaum besser in die Rollen gepasst hätten. Jampanoi verkörpert die geschundene Lucie streckenweise so intensiv, dass man als Zuschauer nur noch die Hoffnung hegt, dass sie endlich Erlösung erfährt und zur Ruhe kommt. Aber auch Alaoui als ihre Freundin spielt sehr überzeugend, was vor allem in der zweiten Hälfte des Filmes zum tragen kommt. Leider ghelingt es dem Film nur bedingt, Sympathien für seine Protagonisten aufzubauen. Dafür sind Einführungen und Hintergründe zu kurz, was leider dazu führt, dass man zwar mitleidet, dies aber noch witaus intensiver hätte tun können. Hier wurde leider Potential verschenkt. Auch der Score ist sehr gut eingesetzt und unterstützt die spannenden Szenen hervorragend. Schnitt und Kameraarbeit sind ebenso über jeden Zweifel erhaben und schüren die terrorartige Grundstimmung immer weiter. Auch die Story kannn sich im Grunde sehen lassen und scxhafft es immer wieder zu überraschen, auch wenn manche Überraschungen dann doch leicht vorhersehbar sind. Auch das Ende fand ich persönlich etwas zu einfach gestrickt und kam mir vor, als müssen man das zuvor gezeigte unbedingt einem tieferen Sinn zuführen. Dadurch büßt der Film leider einiges ein, was er zuvor mühsam aufgebaut hat. Die ersten fünfzigMinuten des Films sind ganz stark und gehören mit zum besten, was das Genere bis heute hervor gebracht hat, doch danach wird leider eine leicht andere Richtung eingeschlagen, und ein bisschen von der Stimmung geht dabei verloren. Was vorher eher spannend und nicht allzu graphisch inszeniert wurde, schlägt nun leider leicht ins Gegenteil um. Hier hätte man wohl eher weiterhin auf Stimmung setzen sollen. Dennoch handelt es sich hier um einen guten Genrefilm, den ichleider nicht für das Überwerk halte, das viele andere in ihm sehen. Gut aber nicht perfekt.
Als Fazit lässt sich somit festhalten, dass wir hier einen sehr guten Genrebeitrag haben, der leider durch ein paar kleinere Schönheitsfehler Punkte einbüßt.
7/10