Review

Was hörte und las man nicht alles im voraus über MARTYRS. Nichts könne einen auf die Perversionen vorbereiten die einen in 90 Minuten erwarten; innovative Story; so hart, dass er dem Zuschauer (selbst dem viel gewohnten Allesseher) ganz schwer im Magen liegt und so weiter und so weiter...

Nunja, für mich trifft keiner der genannten Punkte zu. Vielleicht waren meine Erwartungen einfach zu hoch.
Was vielen nach der Sichtung von MARTYRS wohl einen ganz bösen Schlag in die Magengrube gibt, ist die ca 15 Minuten andauernde Folterszene der Hauptprotagonistin Anna. In diesen 15 Minuten wird die junge Dame festgekettet, geschlagen, gefüttert, geschlagen, getreten, gefüttert, die Haare werden ihr abgeschnitten, sie wird geschlagen, gefüttert, getreten. Ziemlich genau diese Reihenfolge wird 15 Minuten eingehalten bis sie schlussendlich nur noch eine Phase durchstehen muss.

Der Film wollte bei mir nicht so richtig zünden, speziell konnte ich mich mit den Figuren nicht identifizieren oder anfreunden, weswegen mich die genannte Folterszene kalt lies. Wobei "kalt lies" der falsche Ausdruck ist, angeödet trifft es eher. Die Auflösung des ganzen war für mich auch extrem unbefriedigend. Weder innovativ, noch besonders schockierend oder überraschend. Wer da dem Regisseur/Drehbuchautor philosphische Absichten unterstellt, bitte sehr... für mich war es nichts weiteres als ein Mittel zum Zweck.

Neben der öden, selbstzweckhaften und völlig überzogenen zweiten Hälfte des Films muss man allerdings die sehr starke erste Hälfte nennen. Diese ist der WIRKLICHE Schlag in die Magengrube.
Nach einer kurzen Einführung der gepeinigten und an Verfolgungswahn leidenden Lucie geht MARTYRS direkt in die Vollen: Eine glückliche Familie sitzt am sonntäglichen Frühstückstisch und die Türklingel ertönt. Nichtsahnend öffnet der Vater die Tür und bevor er auch nur ein Wort sagen kann hört man einen Schuss und der Vater fliegt getroffen durch den Flur. Darauf folgen Mutter, Sohn und Tochter. Täter ist die mittlerweile erwachsene Lucie die Rache an ihren Peinigern nimmt...

Verdammt, hätte daraus ein guter Film werden können. So sieht Psycho-/Terrorkino aus. Warum hat man diesen Teil nicht noch weiter ausgebaut? Im Gegensatz zu Anna fiebert man mit der Psychisch extrem geschädigten Lucie mit. Man hat den gleichen Wunsch wie Lucie, dass ihre Paranoia nach der Ermordung ihrer Peiniger endlich verschwinden... man will, dass Lucie endlich erlöst wird und sie die Qualen nicht mehr ertragen muss. Zum Bedauern des Zuschauern ist dieser Part des Film jedoch viel zu schnell vorbei und es kommt zu dem abstrusen und ermüdenden zweiten Teil des Films. Schade, hier wäre definitiv mehr drin gewesen.

Zum Abschluss möchte ich noch von rotwang.blog.de zitieren, da dies meines Erachtens nach zu 100% zutrifft:
Die gezeigten Martyrien sollen jetzt nicht herunter gespielt werden, aber vor solchen Ereignissen wie dem Fall Fritzl in Österreich gewinnt der Film zwar an Aktualität und Relevanz, büßt aber zeitgleich auch einiges an erster Schockwirkung ein: Die Realität hat hier die Fiktion eingeholt.

Fazit: Der zweite Teil von MARTYRS ist wirklich extrem schwach und unbefriedigend, was jedoch der starke erste Teil nicht mehr gut machen kann, da die "Episode" mit Anna omnipräsent ist und den Film zerstört. Innovativ ist wenig bis nichts und der viel gewohnte Allesseher wird auch keine Perversionen, Gewalttätigkeiten oder sonstwas entdecken was sonderlich schockierend wirkt. Da sind mir andere Filme viel mehr an die Nieren gegangen...

2/10

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