Review

"Martyrs", der neue Stern am französischen Horrorhimmel nach gefeierten Bluorgien wie "High Tension", "Inside" und "Frontieres"? In jedem Fall schlug Pascal Laugiers Werk mächtig Wellen, als es im Sommer 2008 auf einschlägigen Filmfesten präsentiert wurde. Niemals würde "Martyrs" die Chance auf eine Freigabe in Deutschland haben hörte man da vielfach.

Doch einige Monate später nun steht der Film in sämtlichen deutschen Videotheken, zwar mit einer "schweren JK" versehen, dafür jedoch vollkommen ungekürzt.
Alles also nur halb so wild? Dieser Meinung würde ich mich jedenfalls nach Sichtung anschließen, auch wenn "Martyrs" zweifellos ein besonderes, sehr gewaltfokussiertes Stück Film ist und demnach definitiv nicht in Kinderhände gehört.

"Martyrs" präsentiert sich als ein professionell inszenierter (Horror)-Thriller, der zwei recht verschiedene Filmhälften beinhaltet. Erinnert die erste, mir persönlich mehr zusagende Hälfte entfernt an einen kreativen Mix aus "Funny Games" und "The Grudge", so fährt die zweite Hälfte eher eine etwas an den Haaren herbeigezogen wirkende "Hostel light meets Sektenthematik"-Schiene. Zusammenhänge werden ohnehin erst nach und nach deutlich. Das hat zweifellos den Vorteil, dass das vor allem aufgrund seiner tollen Kulissen atmosphärisch recht dichte, menschenverachtende Treiben bis zum seltsamen Schluss einigermaßen spannend bleibt.

Doch so wirklich schmecken will der bisweilen ziemlich blutige Cocktail dann doch nicht: Zu verschieden gestalten sich für meinen Geschmack die besagten Filmhälften, zu wenig sympathisch erscheint die Hauptfigur der Anna trotz handwerklich sehr solider Leistung und zu rar machen sich mit zunehmendem Verlauf letztlich auch die klassischen Horror- und Goreelemente. Mit letztgenannten weckt "Martyrs" zu Beginn schlicht Erwartungshaltungen, die im zweiten, eher auf psychologische Gewalt und "Stillstand" setzenden Teil nicht erfüllt werden. Beides für sich genommen ist sicherlich gekonnt in Szene gesetzt (wenn auch dem zweiten Teil etwas das Tempo abgeht und Logik ohnehin keine allzu große Rolle spielt), aber im Hinblick auf einen einheitlich zu bewertenden Film? Mich konnte Regisseur Pascal Laugier mit seinem kleinen Experiment jedenfalls nicht vollends überzeugen.

Fazit: Technisch gesehen ein sehr ansprechend umgesetzter, keinem Genre wirklich zuzuordnender Filmbeitrag aus dem neuen Horrormekka Frankreich. Wirklich ausgegoren wirkt das 90-minütige Martyrium trotz aller Kompromisslosigkeit leider nicht und auch eingefleischte Gorehounds werden zweifellos blutigere, härtere und noch selbstzweckhaftere (Mach)Werke finden.
Ich werde "Martyrs" aufgrund seiner Unkonventionalität aber wohl noch eine zweite Chance geben.

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