Hab den Film gestern in Stuttgart auf dem 22.FFF gesehen und ich muss gestehen, dass er mich schon bewegt hat.
Er hat ganz ruhig begonnen mit einem verliebten jungen Pärchen, welches ein paar ruhige Tage draussen auf dem Land an einem See verbringen möchte. Auf dem Weg dorthin begegnen sie Bewohnern im nahegelegenen Dorf, die ihnen nicht gerade wohlgesinnt sind. Weit weg von der Großstadt herrschen hier andere Sitten. Man unterhält sich lauthals mit den Bekannten, wird auch schon mal ausfällig und beschimpft seine Frau. Und wenn die Kids nicht spuren gibts auch schon mal was auf die Backen.
Am See angelangt kommt es zu ersten Konfrontationen zwischen den Ruhe suchenden Großstädtern und ein paar minderjährigen Tunichtsguten aus dem Dorf. Laute Musik, und Machogehabe stoßen dem Pärchen sauer auf.
Vor allem der Älteste der Gang fällt besonders negativ auf. Er pöbelt seine Kumpels an, spricht seine Freundin mit Hure an und scheint auch gewaltbereit zu sein.
Da sie sich von dem Mann provoziert fühlen eskaliert die Situation aufgrund von pubertären Leichtsinn.
Als es dann zu einem blutigen Unfall kommt ist die Wut und der Zorn der Kids nicht mehr aufzuhalten.
Es geht ganz klar um Gewalt unter Jugendlichen, um Eltern, die schlechte Vorbilder sind und um soziale Vorurteile. Wobei der Schwerpunkt zum bitteren Ende hin klar auf den erruptiven Gewaltausbrüchen liegt. Es ist zum Glück nicht in Horror ausgeartet, da hab ich nämlich so meine Zweifel gehabt, weil der Film mit High Tension verglichen wird. Wobei der Vergleich nicht ganz so passt.
Auf jeden Fall fand ich den Film passend, denn in den letzten Monaten und Jahren sind brutale Überfälle, feige Morde und Gewalt in England und auch in Deutschland mittlerweile an der Tagesordnung. Ständig gibt es neue Schreckensmeldungen von Ausschreitungen in U-Bahnstationen, Discos und irgendwelchen Strassenfesten. Das Erschreckende ist, zu was so scheinbar kindliche und unschuldige junge Menschen fähig sind, wie schnell sie in eine Spirale der Gewalt geraten und zu unberechenbaren Bestien mutieren. Die Gründe sind meistens genauso unedel wie die Ausführung dieser Taten: Langeweile, Perspektivlosigkeit, Mißmut, Frustration, Gewalt im Elternhaus usw. Gewalt erzeugt Gegengewalt, davor ist auch die Protagonistin nicht gefeiht.
Denn Schluss fand ich dabei richtig gewählt, weil er so zu Diskussionen und zum Nachdenken anregt. Eine Glorifizierung findet nicht statt, es gibt zwar ein Happy-End, aber keines, welches man erwartet hat.
Auf jeden Fall sehr empfehlenswert.
7/10.