Jedes Land steuert mittlerweile zur derzeitigen Horrorwelle bei. Größtenteils halten sich die Vertreter nur im durchschnittlichen bereich auf, der britische Horrorthriller "Eden Lake" schafft es bis ganz an die Spitze. Und er stammt nicht von Neil Marshall, sondern von James Watkins, der hier sein starkes Regiedebüt gibt. Das Drehbuch schrieb er auch gleich. Mittlerweile dürften so gut wie alle Ideen geschröpft sein. Von Kannibalen, Hinterwäldlern bis hin zum irren Schlitzer mit der Maske. Hier sind es einfache Jugendliche. Es war schon immer ein Tabu in Filmen, Kinder auf grausame Art und Weise sterben zu lassen, oder sie als Gegenpart auftreten zu lassen. Man nehme nur mal die spanische Perle "Ein Kind zu töten", oder Stephen Kings "Kinder des Zorns", der noch heute auf dem Index steht. Es ist ein heikles Thema, aber auch ein Bereich, aus dem man noch schöpfen kann. Eindrucksvoll und zugleich beängstigend real hat Watkins dies getan.
Bervor der "Eden Lake" in einen Freizeitpark verwandelt wird, wollen Jenny (Kelly Reilly) und Steve (Michael Fassbender) dort ein Wochenende verbringen. Doch die Idylle ist schnell verflogen, als sich Steve mit einer Gruppe Jugendlicher anlegt. Bei einem Handgemenge stirbt der Hund des Anführers Brett (Jack O´Connell). Von nun an müssen Jenny und Steve um ihr Leben laufen, denn die Kids entpuppen sich als kompromisslose Psychopaten. Jenny muss bald mit ansehen wie Steve hingerichtet wird und steht nun völlig allein in den dunklen Wäldern.
Es wirkt alles so real und aus einer Kleinigkeit entbrennt diese blutige Jagd. Die Jugendlichen zeigen vor Jenny und Steve nicht den Hauch von Respekt. Es beginnt mit Beschimpfungen, es folgt ein aufgeschlitzter Reifen. Steve steigert sich immer mehr in die Sache rein, genauso würde sich jeder Mensch verhalten. Der Zuschauer hat von Anfang an einen Zorn auf die Gruppe von Jugendlichen, die keine Rücksicht kennen. Steves Auto wird gestohlen und man sitzt im Wald fest. Selbstverständlich versucht Steve die Gruppe zu stellen, die Situation eskaliert.
Eigentlich schon als man die Kids zum ersten Mal sieht, ist die Bedrohung schon spürbar, doch in den Wälder wird sie intensiv. Jenny und Steve haben keine Ortskenntnisse, auch fällt Steve bald in die Hände der kleinen Sadisten. Jenny kann vorerst flüchten, kennt aber nicht den Weg ins Dorf und ich habe schon lange nicht mehr einen Charakter so leiden gesehen. Mit blutigen Szenen hält sich Watkins etwas zurück, viel Gewalt geschieht auch im Off, doch gerade dadurch wirkt es zum Teil viel grausamer. Besonders die Verstümmelung von Steve hat es in sich. Jeder aus der Gruppe darf Steve mit dem Messer bearbeiten. Die Kinder denken sich die grausamsten Sachen aus und verbrennen sogar die Ihren bei lebendigem Leib. Man ahnt schon, dass es für Steve und Jenny kein Happy End geben wird, aber man wünscht sich doch so sehr, dass die Kids auch ihr Fett weg kriegen. Wie ein Tier wird Jenny durch den Wald gehetzt, auch wird sie gezwungenermaßen bald zur Kindesmörderin. Alle Klischees kann auch Watkins nicht umgehen, zum Beispiel landet Jenny immer bei den falschen Personen, oder rennt den Kindern immer in die Arme. Aber das sind nur Kleinigkeiten, die diesen hochspannende Horrorthriller nichts anhaben können. Der idyllische Wald verwandelt sich in ein dunkles Labyrinth und die Musik trönt förmlich. Das Ende hätte man garstiger kaum gestalten können, das vergisst man nicht so schnell, garantiert. Die Zeit der Happy Ends ist gegessen.
Für einen glaubwürdigen Horror braucht man auch gute Darsteller und die hat "Eden Lake" durchgängig zu bieten. Wenn man Kelly Reilly beim Leiden zusieht, leidet man mit ihr. Ein großartiges Schauspiel, Michael Fassbender kann da nicht ganz mithalten. Ein dickes Lob auch an die junge Fraktion. Besonders Jack O´Connell agiert mit einer derartigen Kompromisslosigkeit, dass einem bang wird.
"Aber das sind doch nur Kinder". Dagegen ist "Kinder des Zorns" ein Picknick. "Eden Lake" ist absolut gnadenloser und hochspannender Horror, der sehr real daher kommt und toll besetzt ist. Atmosphäre und Score sind absolut stimmig, Watkins schockt mit den unberechenbaren Verhalten der Jugendlichen. Dieser Film hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack und bleibt im Gedächtnis.