Review

Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen DVD-Fassung mit SPIO/JK-Kennzeichnung!

"So vehement düster und abgebrüht hat ein Film selten aktuelle soziale Missstände in eine Geschichte verpackt."

Programmheft Fantasy Filmfest 2008

Dabei erreicht der Film von James Watkins eine ungeheuer beklemmende und vor allem realistische Atmosphäre, denn die Gefahr und die Gewalt gehen in diesem Survival-Schocker nicht von degenerierten Hinterwäldlern ("Beim Sterben ist jeder der Erste", "Storm Warning"), atomar verseuchten Mutanten ("The Hills Have Eyes") oder Serienkillern mit Hockeymasken ("Freitag, der 13.") aus - sondern von Jugendlichen, aufgewachsen in den sozialen Brennpunkten ihrer Stadt, in einem verrohten und von Gewalt geprägten Elternhaus und ohne eine Zukunftsperspektive. Sie haben keinerlei Respekt vor anderen Erwachsenen, nur vor dem eigenen Vater, der sich mit brachialer Gewalt Respekt verschafft. Sie finden es cool andere zu schikanieren, missachten die Gesetze und nehmen sich, was sie wollen.

In ihrer Welt herrschen nicht die üblichen Regeln von Recht und Ordnung, sondern lediglich das Recht des Stärkeren. Wer sich mit Gewalt durchsetzt, erreicht auch etwas. Anscheinend die Lebensmaxime einer asozialen Gesellschaft, die sich vom Systhem missverstanden oder ungerecht behandelt fühlt.

Und so scharrt der psychotische Reece, der Anführer einer Jugendbande, seine Untergebenen um sich und zwingt sie das zu tun, was er von ihnen verlangt. Wer sich weigert wird durch Schläge und Beschimpfungen klein gemacht und bricht spätestens dann ein, sobald Reece seine Fäuste ballt.

Die Eskalation aufgestauter Gewalt und Frustation in einem dieser sozialen Brennpunkte bekommt das junge Paar Jenny und Steve am eigenen Leib zu spüren, als der Kampfhund des Anführers bei einem Handgemenge versehentlich von Steve getötet wird. Von jetzt an machen die Kids in den Wäldern unerbittlich Jagd auf die Erwachsenen und lassen auch die letzten Grenzen zwischen Leben und Tod hinter sich. Aus anfänglicher Provokation wird ein Albtraum, aus dem es genauso wenig ein Entrinnen zu geben scheint wie aus dem Wald, in dem sich die Handlung abspielt.

Die Jugendlichen steigern sich in einen wahren Blutrausch und nehmen ihre Taten mit der Handykamera auf. Sie schrecken vor nichts zurück, um den Tod des Hundes angemessen zu rächen. Auge um Auge, Zahn um Zahn - nicht nach der Bibel handeln sie, sondern nach ihren eigenen Vorstellungen von Gesetz und Ordnung. Denn wer sich in ihre Welt verirrt, muss sich auch ihren Regeln unterordnen.

"Eden Lake" ist ein düsterer, schonungsloser und krasser Thriller, der die Gewaltexzesse auf die Spitze treibt. Immer weiter eskaliert die Gewalt ohne jegliche Achtung vor dem Wert des Lebens. Anfangs, um diesen "Stadtheinis" eine Lektion zu erteilen. Doch die endet tödlich. Nun heißt es alle Spuren und die letzte Zeugin - Jenny - zu beseitigen.

Sie wird von der Meute wie ein Stück Vieh durch den undurchdringlichen Wald gehetzt, doch sie gibt nicht auf und schlägt zurück. Doch dafür muss sie einen hohen Preis bezahlen.

Aus Medienberichten wissen wir nur zu gut, daß es sich hierbei nicht nur um die übertriebene Phantasie eines Drehbuchautoren handelt, sondern dass solche Gewalttaten Jugendlicher längst zum traurigen Alltag gehören. Und das ist es, was diesen Film so ungeheuer intensiv und authentisch erscheinen lässt.

Was hier Jenny und Steve am "Eden Lake" passiert, kann tagtäglich bei uns nebenan passieren. Aus unscheinbaren Jugendlichen, die gerne mal einen Streich aushecken, werden eiskalte Killer, die aus Langeweile oder anderen niederen Motiven ihren Frust auf die Gesellschaft in einem Gewaltakt an unschuldigen Menschen auslassen.

Regisseur und Autor James Watkins ist ein verstörender Film gelungen. Er schildert eine Situation, in die somit jeder von uns geraten kann (und wahrscheinlich auch schon geraten ist, ohne natürlich mit solchen Auswirkungen) und bietet dem Zuschauer mit den Protagonisten Jenny und Steve zwei glaubwürdige Identifikationsfiguren, mit denen man von Anfang an bis zum bitteren und schonungslosen Ende mitleidet und zittert.

Schauspielerisch auf einem sehr hohen Niveau angesiedelt, überzeugt Watkins Werk durch ein hohes Maß an Tempo und Spannung und einem einfachen, aber wirkungsvollen Soundtrack.

Ein Film, der auch zum Nachdenken anregt.

8 von 10 Punkte!

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