Eden Lake (O-Ton; 2008)
Eigentlich habe ich mir unter "Eden Lake" ja sowas wie einen platten Backwood Slasher mit ordentlich Blut-spritz-Knochen-knack vorgestellt und habe mich mit dieser falschen Vorstellung (und recht niedriger Erwartungshaltung) und Kartoffelchips vor die Glotze gehockt um mich von stupider Splatterei berieseln zu lassen. Auch das DVD-Cover des deutschen Uncut-Releases lies mich unweigerlich an Ajas "Haute Tension" erinnern. Doch binnen 50 Minuten wurde mir dann langsam klar, dass wir es hier mit einer ganz anderen Art von Film zu tun haben....
Zur Story möchte ich hier nichts erwähnen, da man das ja getrost in der Inhaltsangabe nachlesen kann. Was mich an "Eden Lake" stark fasziniert ist, wie sich im Plot aus einer Nichtigkeit heraus ein Strudel der Gewalt bildet. Hier werden Ursache und Wirkung so fein seziert, dass nur noch ein paar Schliffe von Nöten gewesen wären, dass ich das Ganze für eine auf Tatsachen basierende Geschichte gehalten hätte. Heutzutage wird "Bullying" von Jugendlichen per Handy aufgezeichnet und als Prestige-Gut gehandelt; von daher finde ich das im Film beschriebene Szenario durchaus authentisch. Der Regisseur James Watkins vermied auch deutlich die Selbstzweckhaftigkeit expliziter Gewaltdarstellungen als Vorsichtsmaßnahme den Film nicht fehlzuinterpretieren. Hier geht es darum aufzuführen warum Gewalt etwas Schreckliches ist und meistens auch die Unschuldigen die Leidtragenden sind. Um so lustiger spielt der Film mit den Gefühlen des Zuschauers.....entwickelt man doch im Laufe des Films einen strengen Hass auf die Kids und schreit innerlich nach Vergeltung umso mehr sieht man sich in dem überraschend schockierenden Ende einer Fassungslosigkeit ausgesetzt, die mir persönliche eine Abwehrreaktion in Form eines debilen Grinsens entlockte.
Fast völlig unverständlich ist mir, dass der Film in ungeschnittener Form hierzulande einer Indizierung unterliegt; stehen doch zuhauf gewaltverherrlichendere Filme mit FSK-Freigabe in deutschen Supermarktsregalen. In der von der FSK freigegebenen um ca. 2 Minuten geschnittenen Variante wurden zudem nicht mal unbedingt die Gewaltspitzen entfernt, sondern eher die Szenen in denen gezeigt wird wie die Jugendlichen ihre Schandtaten mit der Handy-Kamera dokumentieren. Für Manche mag das schlüssig sein, da sich Jugendliche davon eventuell inspiriert fühlen könnten, aber ich bin da definitiv vom Gegenteil überzeugt; das ist eher ein abschreckendes Beispiel!
Kameratechnisch und schauspielerisch ist "Eden Lake" sicherlich keine Offenbarung, kommt aber solide und ohne merkenswerte Patzer aus. Das Einzige was mich davon abhält dem Film die volle Punktzahl zu geben, ist die Tatsache, dass im Handlungsverlauf doch öfter auf für Thriller übliche "Run & Hide"-Szenarien zurückgegriffen wird, was dem Film ein wenig seine Authentizität raubt und ihn diesbezüglich auch ein wenig berechenbarer daherkommen lässt.
Trotzdem 9/10 Punkten!