Review

Guckt mal, es geht doch.
In gut strukturierten 85 Minuten kann der Horrorfilmfan anscheinend doch noch inclusive eines unheimlich-übernatürlichen Killers unterhalten werden, ohne daß brutalblöde Pappmache-Figuren und selbstzweckhafte Gewalt dem guten Eindruck den Garaus machen.

„No Man’s Land – The Rise of Reeker“ ist die Quasi-Fortsetzung zu dem bereits gut aufgenommenen „Reeker“, erzählt jedoch auch im Prolog die Vorgeschichte des mordenden Todesgeists, der mit allerlei technischen Mordwerkzeugen und Gasmaske die Lebenden heimsucht.

Natürlich ist auch das hier kein ernsthaftes Oscarmaterial, bedient sich aber höchst effizient einem bei der „Twilight Zone“ und ähnlichen TV-Serien abgeschauten Plot, nämlich der Gruppe von Menschen, die sich plötzlich von der übrigen Welt abgeschnitten sehen und offenbar in einer Art Zwischenwelt gefangen sind, in der die Gesetze des Reekers gelten.
Dabei kommen die Macher mit einer einzigen Location, einem kleinen Wüstenmotel cum Tankstelle cum Restaurant aus, an dem ein alternder Sheriff samt Sohn, drei Geldräuber, eine Ärztin, ein Indianer und eine blonde Angestellte nach einer Tankstellenexplosion im Irgendwo stranden und baldigst feststellen, daß eine unsichtbare Barriere sie von der Realität trennt.

Dave Payne und sein Team halten sich gar nicht lange mit der Vorrede auf, sondern liefern stattdessen Veränderungen und kleine Überraschungen im Drei-Minuten-Takt, würzen das mit etwas Gore und streuen darüber ein wenig Splatterhumor, wenn die Eingeschlossenen auch nach schweren Unfällen und Verbrennungen munter durch die Szenerie geistern und die Vorgänge kommentieren.
Überall werden mysteriöse Hinweise und Erscheinungen gestreut und selbst wenn man den Braten nach etwa der Hälfte schon riecht, bleibt das alles abwechslungsreich und streckenweise in der Abgeschiedenheit der Wüste etwas unheimlich.

Was ein Gematsche hätte werden können, glänzt mit nicht tiefgründigen, aber unterhaltsamen Charakteren und eine abwechslungsreichen Storyline, die nur am Schluß etwas darunter leidet, die Backgroundstory noch nachliefern zu müssen und das tatsächliche Geschehen in der Realität zu rekapitulieren, wobei der eigentliche Schwachpunkt der relativ überschaubare Kampf gegen den Reeker ist, den man recht „menschlich“ ausschalten kann. Hier mangelt es dann doch an der finalen großen Überraschung.

Dennoch ein kleiner, feiner DVD-Abendsnack, über den man mal nicht nölen muß, außer man will permanent Eingeweide fliegen sehen. (6/10)

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