"Elf Raben saßen auf Stangen und blickten ihn an. Ein Platz war noch frei."
Regisseur Marco Kreuzpaintner versucht sich mit der Realverfilmung des Romans Krabat von Otfried Preußler, mit aufwendiger Unterstützung namhafter, deutscher Produktionsstudios.
Im 17. Jahrhundert verschlägt es den 14-jährigen Waisenjungen Krabat (David Kross), während der Zeit des 30-jährigen Krieges zu einer Mühle. Der dortige Lehrmeister (Christian Redl) bietet ihm einen Platz als Lehrling an. Für alle Künste die er ihm beibringen kann. Zu Beginn der harten Ausbildungszeit steht ihm nur Tonda (Daniel Brühl), einer von elf anderen Gesellen, zur Seite, der ihm schnell ein guter Freund wird. Mit der Zeit erkennt Krabat, dass es sich bei den gelehrten Künsten nicht nur um Handwerkskunst sondern auch der Anwendung schwarzer Magie handelt. Dies soll aber nicht das einzige Geheimnis der Mühle und des Meisters bleiben, denn einmal im Jahr stirbt einer der Gesellen auf unnatürliche Weise.
Nach dem Neustart opulenter Fantasygeschichten durch die "Herr der Ringe"-Saga und nunmehr zahlreicher Verfilmungen von Romanvorlagen, trennt sich mittlerweile die Spreu vom Weizen. Nachdem "Die Chroniken von Narnia" noch unterhaltsame Kost bot, bereitete "Eragon" sowie "Der goldene Kompass" zwar eine ansehliche Welt, gleichfalls aber eine unausgegorene Umsetzung vom Buch zum Film. Weniger beworbene, durchaus gelungene Filme wie "Der Sternwanderer" gingen in der Masse unter.
"Krabat" gesellt sich nun ebenso zu den neuzeitlichen Fantasyumsetzungen und schließt sich durch eine aufwendige Werbekampagne und epische Aufmachung seinen Konkurrenten an. Im Gegensatz zu diesen ist "Krabat" eine Produktion aus deutschen Landen.
Aufwendig ist definitiv ein Wort, dass zu allen genannten Fantasyfilmen passt. Und auch "Krabat" macht da keine Ausnahme. Sei es die Bildgewalt der Bauten und Landschaften, der epische Beginn der Geschichte oder die üppige Ausstattung. Durch die gelungen eingefangenen Bilder und die detailreichen Kostüme und Utensilien kommt eine sehr dichte Atmosphäre auf.
Ebenso hilfreich dabei ist der durchgehend düstere, gräuliche Farbton der Bilder, die engen Räumlichkeiten der Mühle sowie der stimmungsvolle Soundtrack. Dadurch kommen die schäbigen Lebensumstände dieser Zeit voll zum Ausdruck.
Im Gegensatz zu anderen Fantasyfilmen wird in "Krabat" nicht mit Funken oder anderen Lichtspielereien gezaubert. Der magische Faktor erfolgt unaufdringlich ohne ein großes Feuerwerk abzufeuern, trotzdem sehen die Effekte in Form von Verwandlungen überragend aus, sind aber nur spärlich vorzufinden.
Bis hierhin mag der Film in sich noch geschlossen und funktional sein. Fakt aber ist, dass "Krabat" einige Schwächen in der Handlung und Figurenzeichnung besitzt.
Marco Kreuzpaintner schafft es leider nicht, nach dem packenden Beginn auch weiterhin genügend Interesse zu erwecken. Es mangelt an magischen und beklemmenden Momenten. Zu oft springt die Geschichte hin und her, greift Nebenhandlungen auf und lässt sie dann für viel zu lange Zeit vollkommen unberücksichtigt. Manche Elemente der Handlung finden wiederum keine Erklärung und werden einfach offen gelassen.
Die Geschichte plätschert belanglos ohne Höhen und Tiefen vor sich her, nutzt seine Möglichkeiten nicht aus, wirkt unspannend, seicht, lückenhaft und verliert dabei jegliche Aussagekraft.
Die Figuren werden zu Beginn nur knapp eingeführt. Manch eine verliert ihre Bedeutungskraft durch lose Randerscheinung, wodurch die Bindung zu handlungsträchtigen Charakteren nicht ausreichend aufgebaut wird.
Es gibt eine nennenswerte Auseinandersetzung zwischen den dunklen Magiern und einer Kavallerie die durch extremes Kameragewackel unnötig unübersichtlich und nervig montiert wurde.
Die Jungschauspieler überzeugen nicht auf ganzer Linie. Paula Kalenberg ("Die Wolke") und David Kross ("Der Vorleser") wirken zu modern und können ihre Rollen nicht ernsthaft genug an ihre Person angleichen. Daniel Brühl ("Good Bye, Lenin!", "Die Fetten Jahre sind vorbei") und Anna Thalbach ("Der Baader Meinhof Komplex") haben nicht die nötige Zeit ihre Figur heraus zu heben. Aus der Reihe fällt Christian Redl ("Der Untergang", "Tatort") der einen sehr markanten und erinnerungswürdigen dunklen Zauberer auf der Leinwand präsentiert. Gleichfalls ist dieser ein Highlight des Films.
Letztlich ist es das Schicksal von "Krabat", als eine uninspirierte und inhaltlich lückenhafte Jugendmär zu dienen, die sich als düsterer Erwachsenenfantasyfilm verkleidet. Die Mischung daraus ist weder Fisch noch Fleisch, wandert dabei in beiden Welten und kann dennoch keiner gerecht werden. Sicher kommt die realistische Aufmachung ohne Lichtblitze und pompösen Bildern vielen entgegen, ob der sinnfreie Tiefgang, eine am Rande laufende Billigschnulze und das seichte Tempo aber bei einem Massenpublikum ankommt ist eher fraglich.
4 / 10