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David Kross spielt den 14-jährigen Waisenjungen Krabat, der während des Dreißigjährigen Krieges durch die Lausitz irrt und schließlich eine mysteriöse Mühle findet. Dort wird er vom Müller, gespielt von Christian Redl, der ihn und die anderen Gesellen enorm hart arbeiten lässt, aufgenommen, bis er schließlich feststellt, dass es sich bei der Mühle um eine Art Zauberschule handelt und die Lehrlinge Zauberschüler sind. Doch schon am Anfang seiner Ausbildung muss er von einem der Gesellen, gespielt von Daniel Brühl, erfahren, worauf er sich wirklich eingelassen hat.

Nach wie vor haben Genrefilme der Fantasy-Welle wie "Harry Potter", "Narnia" oder zuletzt "Twilight", deren Weg zur Jahrtausendwende von Peter Jacksons "Herr der Ringe"-Trilogie geebnet wurde, Hochkonjunktur und nun wollten auch die deutschen Filmemacher einen Teil vom großen Kuchen haben. Das Resultat ist diese Adaption des gleichnamigen Romans von Otfried Preußler, die, wie so viele größere deutsche Produktionen, vollkommen zu Unrecht mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, denn die Mühle ist nicht Hogwarts, die Lausitz ist nicht Mittelerde, Regisseur Marco Kreuzpaintner ist nicht Guillermo del Toro und "Krabat" ist ein mittelmäßiger Genrefilm, der in der Menge gnadenlos untergeht.

So werden bereits bei der Story viele Möglichkeiten verspielt. Die Konstruktion Krabats bleibt nämlich eher flach und undurchsichtig. Darüber hinaus ist auch das ausdruckslose Spiel von David Kross, der in "Knallhart" noch eine ordentliche Leistung auf die Leinwand brachte, ein zentraler Makel des Films, denn so ist die Hauptfigur, der eigentliche Held des Films nicht einmal halb so präsent, wie die zum Teil herausragenden Nebendarsteller. Und fehlt der Bezug zur Hauptfigur, ist der Spannungsbogen nicht allzu mitreißend, zumal Kross in emotionalen wie dramaturgischen Höhepunkten derart kläglich versagt, dass sie größtenteils verschenkt werden.

Langweilig ist das Geschehen jedoch auch nicht. So leistet Regisseur Marco Kreuzpaintner narrativ durchaus versiert Arbeit und treibt den Plot von Anfang an stringent voran, sodass kaum Längen entstehen. Das einzige, was "Krabat" dabei durchaus temporär ausbremst, ist der Subplot um die Liebesgeschichte, die hier dermaßen klischeehaft serviert wird, dass sie im Gesamtzusammenhang kaum aufgesetzter wirken könnte. Die Zeit, die der Liebesgeschichte zugestanden wird, hätte man wohl besser genutzt, um, wie in der Vorlage durchaus vorhanden, die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges zu enthüllen, die angesichts der düsteren Machart auch besser ins Gesamtkonzept gepasst hätten.

Getragen wird der Film dabei vor allem durch seine düstere Atmosphäre. Die dunklen Bilder der bedrohlich wirkenden Mühle, umgeben von kargen Niemandsland lassen durchaus ein dunkles, bedrohliches Flair zustande kommen, das den gesamten Film durchzieht, zumal Christian Redl mit seiner beängstigend starken Vorstellung und seinem praktisch omnipräsenten, Furcht erregenden Charisma in der Rolle des Meisters seinen Teil dazu beiträgt, während auch die akustische Komponente durchaus stimmig zur düsteren Machart passt.

Genutzt wird die Atmosphäre jedoch kaum, weder für Schockmomente, noch für echte Höhepunkte. Stattdessen wird sie an die aufgesetzte Love-Story verschenkt und immer mal wieder durch unpassende Szenen, etwa die Material-Arts-Einlage in der Mitte des Films, praktisch ad absurdum geführt. Außerdem nervt der, im Grunde überflüssige Erzähler, der wohl einen epischen Atem erzeugen soll, der aber nicht vorhanden ist, oder lediglich Verwendung fand, damit im Kino auch der Letzte irgendwann merkt, dass er eine Literaturverfilmung sieht. Immerhin werden keine unpassenden Effekt-Gewitter vom Stapel gelassen, aber die hätte das Budget wohl ohnehin nicht zugelassen, sodass der düstere Grundeindruck trotz allem gewahrt wird, auch wenn der Fantasy-Film so zu keinem Zeitpunkt ein magisches Flair entfaltet. Bezeichnend, für die zahlreichen Fehler, die gemacht werden, ist das Finale, bei dem Krabats Geliebte schließlich einen der Raben wählen muss, das eigentlich spannend sein sollte, aber im Endeffekt doch emotionslos verpufft, woraufhin der Abspann folgt, nach dem der unauffällige Film auch schon wieder halb vergessen ist.

Wäre noch zu erwähnen, das neben dem enttäuschenden Hauptdarsteller und dem enorm präsenten Christian Redl auch die restlichen Nebendarsteller durchaus zu überzeugen wissen, so ist Daniel Brühl, der wohl trotz seines Alters besser die Hauptrolle übernommen hätte, gewohnt überzeugend, genauso, wie die übrigen Gesellen und Paula Kalenberg, die aus ihrer unglücklichen Nebenfiguren noch das Beste herausholt.

Fazit:
Aufgrund der dichten Atmosphäre und der bedrückend düsteren Darstellung von Christian Redl unterhält "Krabat" durchaus auf mittelmäßigem Niveau, wobei alle weiteren Ambitionen an der aufgesetzten Liebesgeschichte, dem viel zu zurückhaltend agierenden David Kross und dem mangelnden Gespür für Schockmomente und Höhepunkte scheitern.

52%

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