Die Polizei, dein Freund und Helfer
Tokyo, irgendwann in der Zukunft: Die Polizei wurde privatisiert, um effektiver und brutaler gegen Verbrecher vorgehen zu können. Da wird nicht lange gefackelt und die Kriminellen schon mal in Großaufnahme für Werbespots erschossen, um die Zivilbevölkerung von der Arbeit zu überzeugen und ggf. neue Rekruten zu gewinnen.
Neben normalen Gangstern sind es aber die sog. Engineers - mutierte Untote, die abgetrennte Gliedmaßen durch entsprechende Waffen ersetzen können - die der Polizei am meisten Kopfzerbrechen bereiten. Spezialistin für die Jagd auf Engineers ist Ruka, die als Teenie mit ansehen musste, wie ihr Vater erschossen wurde. An diesem Tag schwor sie Rache und säubert die Stadt vom Verbrechen.
Alter Schwede, was für ein - ich muss es einfach in dieser Deutlichkeit sagen - kranker Scheiß! Wenn es um abgedrehte Filme geht, kann den Japanern niemand das Wasser reichen. Es ist schon recht lange her, dass ich eine dermaßen übertriebene Gewaltorgie gesehen habe. Der letzte Film dieser Art dürfte wohl Izo gewesen sein, aber Tokyo Gore Police toppt den zeitreisenden Samurai doch noch mal locker.
Wie viel Hektoliter Kunstblut oder rot gefärbtes Wasser hier verbraucht wurden möchte ich gar nicht wissen. Der Spaß beginnt schon nach nicht mal 2 Minuten mit einem völlig unrealistisch platzendem Kopf und das war erst ein harmloser Auftakt. Bereits der erste Kampf zwischen Ruka und einem Kettensägen schwingenden Engineer (erinnert ein klein wenig an Leatherface) ist zum Schreien komisch oder wahlweise auch zum Fremdschämen dämlich.
Der Film hält über die gesamte Spieldauer sein hohes Tempo, nur einige wenige ruhige, melancholisch anmutende Szenen unterbrechen die Splatterorgie. Im Gegensatz zu Izo hat man es hier allerdings verstanden, die Ruhepunkte ordentlich zu integrieren ohne dass Langeweile aufkommt. Eine gute Idee - wenn auch vielleicht ein wenig zu penetrant - sind die Werbespots der Polizei und für Selbstmordgegenstände. Herrlich, wie der Sarkasmus mitschwingt.
Einziger Kritikpunkt für mich sind gegen Ende des Films einige Szenen, in denen die durchdrehenden Polizisten wahllos Jagd auf unschuldige Zivilisten machen. Diese wirken deplaziert, da sie nicht zum ansonsten fröhlichen Grundton des Films passen. Die angedachte Systemkritik in allen Ehren, aber dann hätte man den Film doch anders aufziehen müssen. Der Showdown entschädigt dann aber wieder für den kleinen Aussetzer.
Insgesamt betrachtet ist der Film durch und durch typisch Japanisch, so dass man kaum normale Bewertungsmaßstäbe ansetzen kann. Gnadenloses Overacting, schrille und überdrehte Charaktere, wirre Szenarien etc.
Am besten genießt man einfach das Gebotene und versucht gar nicht erst viel darüber nachzudenken.
Ärgerlicherweise ist der Film in Deutschland nur geschnitten erhältlich, so dass man als Splatterfan zwangsweise auf die österreichische Fassung oder - falls man die recht brauchbare deutsche Synchro nicht braucht - die englische Version (japanisch mit englischen Untertiteln) zurückgreifen sollte. Das ist schade, aber man sollte in solchen Fällen nicht vor der FSK kapitulieren, sondern aus dem Ausland bestellen.
Tokyo Gore Police macht seinem Namen alle Ehre und bietet knapp 2 Stunden Splatterspaß ohne Sinn und Verstand. Wer Braindead mag kommt auch bei diesem Film auf seine Kosten.