Review

Trotz der prominenten Besetzung und der Tatsache, dass die damals eher unbekannte Melanie Griffith eine eher untypische Rolle spielte, besitzt „Cherry 2000“ nur einen geringen Bekanntheitsgrad.
Die Zukunft von „Cherry 2000“ sieht allerdings aus, als wäre sie den 50ern entsprungen, egal ob Frisuren, Klamotten, Häuser oder Autos – alles könnte aus den TV-Werbungen dieser Ära stammen, die das Ideal der amerikanischen Vorstadtfamilie propagierten. Auch Sam Treadwell (David Andrews) lebt mit seiner Cherry 2000 (Pamela Gidley) in solch einem Heim – allerdings ist Cherry ein Roboter. Und bekommt zu allem Überfluss noch einen Kurzschluss, womit die Idylle natürlich im Arsch ist.
Da dieses Modell nicht mehr hergestellt wird und Sam Cherrys Gedankenchip in keinen anderen Roboter einbauen will, folgt er zwei Arbeitskollegen bei der Jagd nach realen Frauen. Doch dies ist in der Zukunft bürokratisch geredet, der Verlauf eines One Night Stand wird per Anwalt geklärt und da kratzt Sam die Kurve. In der entsprechenden Disco-Szene zeigt „Cherry 2000“ auch einige Ironie (und einen Gastauftritt von Laurence Fishburne).

Von da an will Sam in der Wüste in der geschlossenen Fabrik nach einem übrig gebliebenen Cherry 2000 Modell gucken. Als Führerin in der gesetzlosen Zone soll ihm die smarte Edith Johnson (Melanie Griffith) dienen…
Geschlechterkrieg meets Endzeitszenario, das ist eine nicht allzu gewöhnliche Mischung, aber wie der ähnlich gelagerte „Hell comes to Frogtown“ krankt „Cherry 2000“ an der Unentschlossenheit zwischen komödiantischen Parts und harter Endzeitaction. Für ersteres sind die Gags zu dünn gesät, für letzteres rauben die Humorparts zu oft den Drive. So hangelt sich „Cherry 2000“ von Episode zu Episode, zuerst muss Sam erstmal eine Frau als Führerin akzeptieren, bei der Suche zofft man sich mal mit Outlaws, Sam gerät auch mal in Gefangenschaft usw. Eine klare Linie fehlt dem Treiben leider, sodass einige Passagen etwas langweilig daherkommen. Zudem kann „Cherry 2000“ nicht alle Ideen glaubwürdig vermitteln; Sam und Edith verlieben sich zwar genregemäß, aber warum kann der Film nicht rüberbringen.
Pluspunkte kann das abgefahrene Styling verbuchen. Obwohl der Hauptteil des Films in der Wüste spielt, behält er auch hier das 50ies Styling bei, denn die Sippschaft von Bösewicht Lester (Tim Thomerson) lebt in der gleichen Idylle, die sich nur durch Gewaltakte von den anderen abhebt. Dabei ist „Cherry 2000“ teilweise schwarzhumorig (z.B. die Szene mit der Tüte auf dem Kopf) und die Gags sitzen, jedoch sind sie insgesamt zu dünn gesät.

Auch die Actionszenen sind nicht von übermäßiger Zahl, aber nett gemacht. Mit Waffen und ganz selten auch Vehikeln wird sich in „Mad Max“-Manier gezofft, nicht sonderlich hart (die FSK 18 Freigabe ist unverständlich), aber doch ganz nett in Szene gesetzt. Die Szene mit dem Kran, in der Edith und Sam mit einem unfangreichen Arsenal rumholzen und die Pyrotechniker ordentlich was zu tun bekommen, ist schick, jedoch neben dem Showdown die einzige längere Konfrontation. Das Finale überzeugt auch, ist vielleicht ein wenig kurz, aber schließt den Film würdig ab.
Melanie Griffith spielt ihre burschikose Rolle ziemlich gut und ihren Partner, die graue Maus David Andrews, an die Wand. Dies liegt aber auch daran, dass dieser total farblos ist, doch für B-Verhältnisse kann man an den Darstellern nicht motzen. Vor allem Tim Thomerson als durchgeknallter Bad Guy ist klasse, Brion James, Laurence Fishburne und Robert Z’Dar in Minirollen leider vergeudet, aber auch überzeugend.

„Cherry 2000“ ist ganz nett und besitzt ein cooles Styling, doch der Mix aus Satire und Endzeitaction bietet auf beiden Gebieten etwas zu wenig und hat auch nicht den nötigen Drive. Passabel, aber ohne Highlights.

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