kurz angerissen*
Die Sch'tis auf Deutsch zu sehen, ist natürlich nur die halbe Wahrheit. Feine Nuancen gehen im Geknödel von umgedrehten "S" und "Sch" unter (der König unter den Frikativ-Drehern: "Schisser"). Allenfalls eine Ahnung kann davon vermittelt werden, was sich alteingesessene Franzosen unter den Grabenkämpfen zwischen den Regionen wirklich vorstellen und welche Dialektik sich dahinter verbirgt.
Doch Dany Boons Kulturkomödie ist ja nicht zum Erfolg geworden, weil sie sich gegenüber Nichteingeweihten versperren und nach außen hin naserümpfend vermitteln würde, dass unsereins ohnehin nichts von alldem verstehen würde. Im Gegenteil, es ist der angestrebte Ertrag, Vorurteile gegenüber dem Nichtheimischen zu überwinden. Am Ende steht ein kleiner nationaler Erfolg in der Verbrüderung des Südens mit dem Norden, ein Schritt auf dem Weg zu internationalem Freundschaftsdenken.
Denn natürlich kennt auch der Deutsche Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Nord und Süd oder Ost und West; die Italiener haben gar ein Remake gedreht und es völlig für den eigenen Kulturkreis und dessen Klischees assimiliert (ein Motorroller ziert das Kinoplakat zu "Willkommen im Süden"). Boon erschafft hier eine Blaupause, die er später mit der Grenzzollkomödie "Nichts zu verzollen" wieder aufgreifen würde. Er lässt in ihr Vorurteile aufleben und beschwört eine Polarisierung, die sich nach regionaler Grenzziehung richtet, um sie anschließend mit Herzlichkeit (gleichwohl begleitet von uriger Kauzigkeit) zu widerlegen.
Das funktioniert eben mindestens europaweit. Natürlich nur, weil Kad Merad und Dany Boon ein Doppel ergeben, das zwischen vergrämtem Aneinandervorbeispielen und lustvollem Aufeinandereingehen eine wunderbare Dynamik zeugt, die schrittweise belegt, wie sich der knorrige Südfranzose im hohen Norden plötzlich wohlzufühlen beginnt. Auf allerhöchstem intellektuellen Niveau sind die meist an öffentlichen Plätzen wie Restaurants oder Marktplätzen stattfindenden Schlagabtausche natürlich nicht, für reines Blödelkino wiederum ist die Situationskomik dann doch zu feinsinnig. Und natürlich ist da im Hintergrund ein Hohelied auf Freundschaft und Zusammenhalt zu vernehmen, in das man vielleicht nicht unbedingt in voller Lautstärke einstimmen muss; Pathos hält sich aber trotz mancher Liebesszene und Abschiednahme so weit in Grenzen, dass man die die Kauzigkeit der Sch'tis wie auch der Franzosen im Gesamten als liebenswert in Erinnerung behält.
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