Review
von Alex Kiensch
Kulturcrash auf Französisch: Als der Beamte Philippe (Kad Merad) vom sonnigen Süden in den hohen Norden Frankreichs strafversetzt wird, befürchten er und seine Familie das Schlimmste - schließlich hört man im Süden nur die schrecklichsten Geschichten über den Norden und seine tumben Bewohner. Doch nachdem Philippe den Sprachschock und einige lokale Gewohnheiten besser kennen gelernt hat, merkt er ganz schnell, dass es ihm hier gefallen könnte. Zu dumm, dass seine im Süden ausharrende Frau kein Wort glaubt und davon ausgeht, er wolle sie nur vor der schrecklichen Wahrheit schützen...
Die französische Komödie von und mit Dany Boon war ein echter Hit und Vorläufer für so große Welterfolge wie „Ziemlich beste Freunde" oder „Monsieur Claude und seine Töchter". Neben dem sympathischen Cast und der Wohlfühl-Atmosphäre teilt er mit diesen aber auch die schlechten Seiten: eine seichte Handlung, deren Konfliktlösungen größtenteils vorhersehbar sind und die zu keinem Zeitpunkt echte Probleme thematisieren, sowie eine ziemlich offensichtliche Ausrichtung an dem, was auch immer die Mainstream-Produzenten als „Publikumsgeschmack" definieren. Dass das finanziell funktioniert, macht es künstlerisch nicht besser.
Was aber nicht heißen soll, dass „Willkommen bei den Schtis" nicht unterhaltsam wäre: Wie gesagt sind die Charaktere durch die Bank sympathisch und gerade durch ihre individuellen Macken liebenswert - etwa der Briefträger Antoine, der auf seinem Weg durch den Ort zu keiner Einladung auf ein Gläschen nein sagen kann und deshalb regelmäßig sturzbetrunken auf die Poststelle zurückkehrt. Oder sein neuer Chef Philippe, dessen Antipathie gegen die Sprechgewohnheiten des Nordens mithilfe von Pommes und gemütlichen Feierrunden schnell überwunden wird. Auch die zahlreichen Nebenfiguren erfüllen die Erwartungen, die man an Komödien-Sidekicks stellen kann, voll und ganz. Egal, ob Frankreich oder Deutschland - wer auf dem Land aufgewachsen ist, dürfte hier einige liebevoll persiflierte und übertriebene Klischees wiederfinden.
Trotzdem bleibt der Film zu bieder inszeniert und zu vorhersehbar erzählt. Es gibt eine schwierige Liebesgeschichte, die mithilfe einer romantisch-überwältigenden Idee zu einem glücklichen Ende geführt wird, einige Missverständnisse und Probleme in Philippes Ehe (die vor allem auf seinen Lügen beruhen, welche ihm am Ende großzügig verziehen werden) und allerhand kleine Hürden, die stets im Filmminutentakt überwunden werden. Kamera und Score erfüllen die Ansprüche, die man an eine A-Liga-Produktion stellen kann, ohne jemals eine originelle Perspektive oder einen hervorstechenden Sound zu erzeugen. Und auch wenn es eine ganze Reihe echter Brüller gibt, bleiben die meisten Gags doch so flach und harmlos, dass man den Großteil des Films eher schmunzelt als wirklich lacht.
„Willkommen bei den Schtis" ist eine typische seichte Komödie, die echte Probleme gekonnt umschifft (der Sohn etwa hat keinerlei Problem damit, weit weg zu ziehen - scheinbar hat er keine Freunde, die er vermissen könnte; und unkontrollierter Alkoholkonsum ist höchstens Quelle für amüsante Anekdoten) und ihre locker-leichte Wohlfühl-Atmosphäre durch einen weitestgehenden Verzicht auf Anerkennung realer Sorgen erkauft. Natürlich kann so ein flacher Eskapismus hin und wieder auch nötig und wohltuend sein, und wer die beiden oben erwähnten Publikumskracher mag, wird auch hier zweifelsfrei seine Freude haben. Kurzweilige Unterhaltung ohne Tiefgang, dafür mit ein wenig Kitsch ist hier also garantiert.