William Lustigs berühmtes Mörder-Psychogramm gehört mit Sicherheit zu den lohnenswertesten und intensivsten Splatterklassikern überhaupt und das haptsächlich aufgrund zweier Faktoren: Erstens die überragende Performance von Joe Spinell in der Hauptrolle und zweitens die genialen Effekte von Altmeister Tom Savini. Wer „Maniac“ allerdings auf die drastischen Gore-Szenen reduzieren will liegt eindeutig falsch denn diese werden hier lediglich als geschicktes Stilmittel eingesetzt. Denn das etwas flache Drehbuch hätte wohl ohne die schockierende Gewalt nicht so viel Zugkraft gehabt wie es letztendlich der Fall ist. Und ehrlich gesagt müssen auch einige Abzüge gemacht werden:
Das die Nebendarsteller nicht wirklich überzeugen und bestenfalls als Mittelmaß durchgehen ist nur ein kleineres Problem, da ausschließlich Joe Spinell wirkliche Präsenz aufweist. Seine überzeugende Darstellung des Wahnsinnigen kann über so manchen unbedarften Darsteller hinweg täuschen. In kleinen Cameos sind William Lustig und Tom Savini zu sehen.Eklatante Schwächen weist die Dramaturgie auf, denn es kommt besonders im Mittelteil zu einigen überflüssigen Szenen. Das Tempo wird mit der Zeit geradezu erdrückend langsam; dies unterstützt zwar gut die depressive Atmosphäre, jegliche Spannung geht aber verloren. In dieser Hinsicht kann man den Film gut vergleichen mit dem später entstandenem „Henry-Portrait of a Serial Killer“.
Insgesamt überwiegen die Stärken haushoch und es ist nicht übertrieben zu sagen, dass mit den vorhandenen Bedingungen beinahe das Maximum aus dem Stoff herausgeholt wurde. Denn die hervorragende erste halbe Stunde und das geniale Ende sind es schon wert goutiert zu werden. Darüber hinaus bietet Tom Savini einige der besten Kreationen seiner langen und erfolgreichen Karriere. Ein Blutbad wird nicht unbedingt veranstaltet, einige Morde wurden jedoch mit einer selten gesehenen Drastizität inszeniert. Das der Film auch unter reinen Gorehounds große Beliebtheit genießt dürfte daher nicht überraschen, selbst ein Fulci sieht gegen die plakative Gewalt in „Maniac“ blass aus.
Ein großer Regisseur war Lustig nie, doch mit „Maniac“ hat er seinen besten Film geschaffen und seinen Namen (zumindest in Fankreisen) unsterblich gemacht. Mittlerweile arbeitet er ja recht erfolgreich als DVD-Producer und hat sich vom Filme machen distanziert. Seine Karriere begann beim Pornofilm und nach zwei eigenen Werken kratzte der junge Lustig Geld zusammen für seinen ersten „richtigen“ Film. Ein Underground-Klassiker wurde geboren, mitproduziert durch Joe Spinell. Dieser war gut befreundet mit dem Regisseur und machte das Projekt erst möglich, denn Spinell war zu dieser Zeit schon ein angesehener Schauspieler, schließlich hatte er bereits Rollen gespielt in Klassikern wie „Der Pate 1 & 2“, „Rocky“ oder auch „Cruising“.
In Deutschland gehört „Maniac“, gemeinsam mit Filmen wie „Muttertag“ zu den ersten Werken die beschlagnahmt wurden und bis heute gern als Paradebeispiel für Gewalt verherrlichenden Splatter herangezogen wird. Die offensichtlichen filmischen Qualitäten werden leider viel zu selten respektiert, wie so oft in diesem Genre.
Fazit: Wichtiger Klassiker des Serienkiller-Subgenres und Pflichtprogramm für alle Fans klassischer Video Nastys. Aufgeschlossene Cineasten dürfen einen Blick riskieren, für Mainstreamer bleibt „Maniac“ ungeeignet
8,5 / 10