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"I told you not to go out tonight"

Der Serienmörder Frank Zito (Joe Spinell) zieht in den Straßen von New York umher und tötet bevorzugt junge Frauen. Diese skalpiert und entkleidet er um seine Schaufensterpuppen damit zu dekorieren. Die Puppen dienen ihm als Mutterersatz und Hasssymbole.
Eines Tages wird er auf die Fotografin Anna D'Antoni (Caroline Munro) aufmerksam. Er macht ihre Adresse ausfindig und besucht sie mit dem Vorwand selbst Künstler zu sein. Anstatt sie aber zu ermorden beginnt er sich in sie zu verlieben.

Die 1980er-Jahre gelten zu den goldenen der Slasher-Filme, einer Unterkategorie des Horrors, in der für gewöhnlich eine Gruppe von Jugendlichen von einem Serienkiller gejagt und getötet wird. Auch "Maniac" schwamm auf dieser Erfolgswelle mit, machte jedoch den psychopathischen Killer zur Hauptperson. Durch die kompromisslose Visualisierung der Morde war der Film lange Zeit verrufenen und galt erst nach Jahren als Klassiker mit Blick in die Psyche eines irren Mörders.

Durch die Nähe zum im Fokus stehenden Killer verfolgt der Zuschauer nicht nur die zahlreichen Morde. Schizophrene Selbstgespräche geben nach und nach die Vergangenheit des Protagonisten preis und machen ihn trotz seiner menschfeindlichen Tätigkeit nachvollziehbar. Es fehlen jedoch Details wie das Nachgehen eines Berufes oder dem Umgang mit anderen Menschen. Erst nach knapp einer Stunde erweitert sich der Blick auf den Hauptcharakter durch eine zurückhaltende Romanze, die in ein surreales Finale mündet.

Erzählerisch kann "Maniac" nicht sonderlich viel. Für gewöhnlich präsentiert der Film eine Standardsituation nach der anderen und zelebriert diese ausführlich und unangenehm lange. Die Intensität ist dafür enorm. Nicht selten wechselt die Kameraführung und zeigt das Geschehen aus dem Blickwinkel des Mörders. Das dabei zu hörende keuchen und grunzen des Protagonisten macht die Atmosphäre ähnlich dicht wie der unheilsschwangere Synthesizer-Score.

Die schmutzige Kulisse und die abgründige Darstellung des Protagonisten wird nur von der Gewalt gebrochen. "Maniac" ist klassisches Bahnhofskino. In voller Sicht sticht der Killer auf seine Opfer ein und skalpiert sie. Ein zwischenzeitlicher Höhepunkt ist ein Kopfschuss mit einer Schrotflinte. Das Finale wartet selbstverständlich mit einer Steigerung des Ganzen auf.  Die Effekte sind gut, jedoch sieht das Blut ein wenig künstlich aus.

Während die Nebendarsteller meist nur optischer Natur sind und hölzern spielen, präsentiert sich Joe Spinell ("Rocky"-Reihe) als wäre er ganz in seinem Element. Weit aufgerissene Augen werden umrahmt von seinem unheimlichen grinsen und verzerrten Gesichtszügen. Spinell liefert eine wahrhaft beängstigende Performance, wodurch der Film so gut funktioniert.

"Maniac" ist mittlerweile sicherlich in die Jahre gekommen. Blut-Effekte und Handlung bieten genausowenig wie die sehr schlichten Figuren. Und dennoch verbreitet der Slasher auch heute noch ein sehr intensives, unangenehmes Gefühl, da man als Zuschauer direkt an den Taten und den Gedankengängen des Killers teilnimmt. Gewaltspitzen und eine gruselige, impulsive Musikuntermalung sorgen für eine stimmige Atmosphäre, die die beeindruckende Spielweise von Spinell unterstützen.

7 / 10

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