Wer auf eigenartige und -willige Filme steht, ist hiermit vielleicht gar nicht mal schlecht bedient. Auf jeden Fall spielt der Sex nicht so eine große Rolle, wie man vielleicht zunächst annehmen könnte. Zumindest vordergründig gehts nicht immer darum.
Für die Tatsache, dass es sich bei "Zwischen deinen Beinen" (vielleicht ein passender, aber umso beschissener deutscher Filmtitel) um einen recht unbekannten Film handelt, ist er ganz schön komplex und kompliziert. Der Zuschauer sollte auf jeden Fall vollste Konzentration aufbringen, denn in der ersten Hälfte wird in den verschiedensten Erzählzeiten wild hin- und hergesprungen. Den Überblick kann man jedenfalls ziemlich schnell verlieren. Als Langeweiler würde ich "Zwischen deinen Beinen" aber unter keinen Umständen bezeichnen, denn eben der Fakt der verschiedenen Erzählperspektiven macht den Film eher kurzweilig, interessant und packend.
Es geht um Javier, einen Drehbuchautor, und Miranda, eine Familienmutter. Beide treffen sich bei den anonymen Sexsüchtigen. Und wie es der Zufall (?) so will, haben sie natürlich ein Auge auf den anderen geworfen und daher wollen sie ihre Last, die Sexsucht, gemeinsam bekämpfen, indem sie eine Beziehung anfangen und ihre Sucht zusammen angehen. Als sie eines Abends in einem abgestellten, runtergekommenen Auto über sich herfallen, beginnt die Geschichte eigentlich erst so richtig, denn kurze Zeit später wird im Kofferraum dieses Autos eine Leiche entdeckt. Nur zu blöd, dass sich auf dem Rücksitz Schamhaare und Spermaspuren befinden...
Hm, wie gesagt, ein komischer Film. Die erste Hälfte deutet auf einen verschachtelten, komplexen Film hin, doch wie eben erwähnt, der zweite Teil wird schon fast zum Krimi. Kurzum: die beiden Hälften passen nicht unbedingt zusammen, was die einen als Nachteil, die anderen als Vorteil sehen könnten. Denn mag ja sein, dass die eher geordnete und chronologisch sauber erzählte zweite Hälfte für das Leben der beiden, Javier und Miranda, steht, dass eben einfach alles Geordneter und Geregelter ist, sie beide langsam aber sicher gegen ihre Sexsucht ankommen.
Die erste Hälfte hingegen könnte für die innere Verwirrtheit stehen, für die Gedanken, süchtig nach Sex zu sein, für die Unzufrieden- und Unausgeglichenheit. Wäre natürlich ein guter Ansatzpunkt des Regisseurs, doch das bleibt für immer sein Geheimnis, ob die verschiedenen Hälften so gewollt waren oder nicht. Ich jedoch nehme die Haltung ein, es wäre beabsichtigt, denn mir hat der Film eigentlich ganz gut gefallen.
Und nachdem wir heutzutage ja mittlerweile gar kein "normales" Ende mehr zu sehen bekommen, wartet natürlich auch "Zwischen deinen Beinen", der im TV übrigens unter dem Titel "Die Last mit der Lust" lief, mit einem Schluss auf, den man sicher interpretieren kann. Aber umso besser ist er.
Die Schauspieler bleiben eher im Hintergrund, also keiner sticht irgendwie hervor. Ok, Javier hat es da schon leichter, ihm wurde immerhin die Synchron-Stimme von Jean-Claude van Damme gegeben, er ist dem Filmfan also irgendwie von Anfang an vertraut, weil man die Stimme kennt. Sympathien hat man aber für niemanden so richtig, aber "Zwischen deinen Beinen" ist auch gar kein Film, der irgendwie eine Identifikationsfigur möchte, vielmehr will er anhand der Story ein Problem beschreiben, das auch im wahren Leben für viele Menschen sicher eines ist. Die Sucht nach Sex. Somit kann die Handlung als Identifaktionspunkt angesehen werden, die Protagonisten füllen die Story irgendwie nur aus.
Ja, sicher kein 08/15-Film fürs nebenbei Ansehen, sondern schon mit einer gewissen Portion Anspruch, auch wenn der Tiefgang fehlt. Dennoch aber kein denkwürdiger Film, der zwar sicher eine gewisse Zeit im Gedächtnis bleibt, weil er so eigenartig (ist nicht negativ gemeint) erscheint. Aber das gewisse Etwas fehlt einfach und eine Lauflänge von fast 2 Stunden ist auch eindeutig zu lang, auch wenn der Film keine langweiligen Szenen zu bieten hat. Nicht schlecht, das Ganze. 7,5/10 Punkte