Unsubdued Furies bietet das Bild einer steten Verwüstung, wobei in Verbindung dramatischer Vorbilder Vergehen und Sühnen und Erleiden und Rächen als intensive Form politischer Propaganda benutzt und die tour de force der Agitation durch die episodenhafte, fast chaosartige Zerissenheit der Handlung noch verstärkt wird. Typisch für Zeit und Genre befinden sich wieder Japaner und Chinesen gegeneinander auf Kriegsfuß, I Am a Chinese als der Alternativtitel, auf dessen Erklärung der Protagonist bereits zu Beginn die erste Attacke ab- und sich so seiner Nationalität bewähren muss.
Gehalten in der traditionellen Rhetorik mitsamt dem frühen, noch naiv unausgereiften Dramenstil, sinnlich konkreter Gestalt und unmittelbarer Emotion. Und versehen mit eindeutiger Charakterzeichnung, gefestigter Motivation und handelsüblichem Rhythmus entwickelt sich die Kunst in Hau Changs ersten von vier 1973er Arbeiten vor allem über die zunehmend komplexe Handlungsstruktur, die mit mehreren wortschwellenden Rückblenden ausgehebelt und den dort folgenden Erklärungen nicht gleich erweitert, aber zumindest als Ergebnis langfristiger Prozesse der Bewusstseinsbildung angereichert wird. Klassische Erzählführung wird trotz dem biographischen Nebengefecht beibehalten, aber mit achronologischen Erklärungen differenziert und durch Auslegungen nuanciert; ausserdem wird der edle Gehalt des Stückes einer prekären Exemplifikation sowie vergröbertem "Realismus" und eindeutiger Exploitation angeglichen.
In der ungeachtet vom Mangel an Stilwillen und Konsequenz in sich stimmigen Geschlossenheit der Argumentation vom "kung Fu action mode fighting evil Japanese" beruft man sich zwar nicht primär auf die Bruce Lee / Lo Wei Kollaboration Fist of Fury, kann dessen damalig aktuellen und bis heute anhaltendem übermächtigen Einfluss aber, ob gewollt oder nicht auch schlecht aus dem Wege gehen und muss sich nicht nur wegen der subjektiv-gedanklichen Orientierung den indirekten Vergleich zumindest ansatzweise gefallen lassen. Besonders bestätigt findet man die Verstärkung der dumpfen Vorurteile über die damals beliebten Feindbilder, die die dramatische Relevanz nicht in einer künstlerischen Zielsetzung, sondern lieber in funktional zugeordneter Provokation und Polemik fern der sachlichen Angemessenheit anlegt. Der hiesige Mann aus dem Land der aufgehenden Sonne als das personifizierte Böse vergewaltigt gern, bevorzugt nach einem ergötzenden Blick in das Leichenschauhaus, benutzt die Peitsche bei Menschen wie sonst nicht einmal bei Vieh und setzt auch gerne die Militärstiefel als schlagenden Beweis ein. Außerdem wird in wunderbarer Selbstverständlichkeit der Sake in Litern gebechert, nur im Verbund und niemals allein agiert und in Momenten plötzlicher Gefahr lieber das Weite gesucht. Der I am Chinese Held ist in willkürlicher Grenzziehung dann schon von anderen Kaliber, stellt er doch selbst die große Liebe für sein Vaterland einschließlich der demütigen Genossen zurück:
Als Siao Wah [ Alan Tang ] nach einem längeren Besuch in Japan desillusioniert in seine Heimatstadt zurückkommt, findet er nur noch verwahrlostes Elend einer Geisterstadt vor. Seine Eltern sind gestorben, der Vater wurde von den Japanern in eine vermeintliche Goldmine gelockt, die sich als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Wolfram-Förderung und damit Zulieferant für die Waffentechnologie entpuppt. Als Siao Wah das streng unter Kontrolle von Chung Ts'un - san [ Yasuaki Kurata ] befindliche Straflager entdeckt, schleust er sich dort ein und wiegelt die Arbeiter zum bewaffneten Aufstand auf. Doch leider wird das geplante Attentat vorzeitig entdeckt, Chung Ts'un - san wegen Führungsschwierigkeiten auch gegen den noch härter vorgehenden Tsing Pan [ Han Ying-chieh ] ausgetauscht und Siao Wah festgenommen. Jetzt kann ihn nur noch seine ehemalige Freundin Yun Tzu [ Tong Bo-Wan ] sowie die Krankenschwester Shao Ying [ Yee Hung ] aus der mißligen Lage helfen.
Die leichte Verständlichkeit der Aufführung beruht auf der vergrößernd verfremdenden Illusionskunst, der begrenzten Variationsmöglichkeit und der Nachbildung medialer Vorlagen, speziell auch der zugrunde liegenden Werte und Konzepte des Italowesterns. Die lebensfeindliche Umgebung, die Nicht-Existenz einer intakten Allgemeinheit, die vorherrschende Unterdrückung, Ausbeutung, Nihilismus und Verneinung und der Versuch der Überwindung von Lähmung und Apathie in der Bevölkerung sind ebenso vorrätig wie die später aufbrechende Opposition von Gut und Böse, die durch das Hinzukommen von Tsing Pan den bisher als eindeutig niederträchtig identifizierten Chung Ts'un - san in ein ganz anderes Licht setzt. Der theatralischen Mittel bewusst wird geradezu eine erschreckend schöne Poesie der Tyrannei formuliert, die Gestalten bewegen sich in zunehmend unwirscher Landschaft, die von den windschiefen Friedhof der einstmals blühenden Stadt tief in die Minenanlage und die angrenzende Steinwüste reicht, und seinen Höhepunkt der nunmehrigen Zivilisation in dem Leichenbad eines gutsituierten Hospitals findet. Vor dem Hintergrund einer theoretisch blühenden, aber dunklen Vergangenheit wird durch die Einbettung der Frau als zentrale Rolle und den folgerichtigen Dreiecksverhältnissen der Spielverlauf perspektivisch gebrochen:
Yun Tzu ist Chung Ts'un - san Schwester, der Siao Wah wegen seiner Herkunft gebeten hat, der Liebe Adieu zu sagen. Und Chung Ts'un - san gerät erst mit Tsing Pan aneinander, als dieser seinen Machtbezirk auch auf Yun Tzu, nötigenfalls gegen ihren Willen ausweiten möchte.
Hinzu kommt Matrone Shao Ying, die als Yun Tzus Freundin ihren verfolgten Geliebten Siao Wah mehrmals das Leben rettet und dennoch schnell einsehen muss, dass diese Selbstlosigkeit keine Chance auf Zukunft hat.
Zwischen privaten Problemen und Öffentlichkeitsarbeit, zwischen Lärm und konzentrierter Stille und zwischen der Weite der verrotteten Raubbau-Natur und der klaustrophobischen Enge von Mausoleum und Stollen wird das antiillusionistische Geschehen mit zuweilen befremdlicher Geduld, expressiver Gefühlsausbrüche und dem zartkonfusen Reiz des Laienschauspiels, dann aber wieder mit überraschend marktschreierischer Unverschämtheit inszeniert, die spektakuläre und patriotische Qualitäten erweist. Die zu erwartenden Vergeltungsaktionen, bevorzugt im zerschrotenen Martial Arts sind leider ein wenig mühselig choreographiert und offenbaren gerade in Zeitlupen ihre Schwäche der Ungenauigkeit und Nichtkönnerschaft: Student prince Alan Tang weiß offensichtlich nicht, was er da tut und kultiviert diese Trainingslücke mit heftig rudernden Armbewegungen. Nahezu durchweg unsaubere Techniken multiplizieren sich mit schmutzigen Staubexplosionen und steiniger Hügelkraxelei zu einem weitgehend vernachlässigbaren Rebellen-Showdown, der für die Zuschauer wahrscheinlich genauso kraftraubend ist wie für die Beteiligten.