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Früher, ja da waren sie eine richtig starke Truppe, die sechs Freunde der Berliner Hausbesetzerszene. Bomben bauen war ihre Spezialität um dem Establishment den Kampf anzusagen. Niemand konnte ihnen was anhaben. Doch heute sieht die Welt ganz anders aus. Man hat sich aus den Augen verloren, den einen gehts besser, den anderen schlechter. Der eine hat eine Karriere im einst verhaßten Besserverdiener-Milieu gemacht, der andere lebt immer noch in primitivsten Verhältnissen und kommt kaum zurecht.

Eines Tages explodiert eine Villa. Grund: Ein Sprengsatz, hergestellt von eben besagter Truppe. Längst in Vergessenheit geraten holt die Vergangenheit die Freunde nun wieder ein. Nach einigen Hinweisen und einer darauf folgenden Hausdurchsuchung werden belastende Materialien beschlagnahmt und verschwinden auf dem Bereitschaftspolizei-Gelände in der Aservatenkammer. Grund genug für die sechs Freunde sich zusammen zu schließen und zu überlegen, was man tun kann.

Eine neue Bombe bauen. Bei der Polizei einbrechen, diese deponieren, Bombe geht hoch, Beweise kaputt, Welt in Ordnung, alle sind glücklich. Naja - wenn's so einfach wäre. Gregor Schnitzler hat sich hierzu vier passable Schauspieler an Land gezogen, Nadja Uhl, Klaus Löwitsch, Til Schweiger und Hilmi Sözer - und natürlich zusätzlich ein paar Lückenbüßer, denen man anmerkt daß sie zu recht lange auf akzeptable Rollen warten mußten. Doch auch Schweiger & Co. machen einen gelangweilten Eindruck, entweder hatten sie wirklich keinen Bock auf das träge Drehbuch oder die Gage war zu niedrig.

Jedenfalls springt die Freude am Schauspielern nicht gerade als Funke auf den Rezipienten über. Entschädigen könnte hier ein gelungenes und attraktives Drehbuch, doch Pustekuchen, auch der Plot ist - abgesehen von der guten Grundidee - eher langweilig, vorhersehbar und klischeebehaftet. Für erheiternde Abwechslung sorgt für die Dauer von wenigen Sekunden Hilmi Sözer als Immobilienhai. Insbesondere Löwitsch als ermittelnder Kommissar enttäuscht auf ganzer Linie.

Gerade beim Höhepunkt des Films, als die Freunde das trojanische Pferd mit der Bombe befüllt in die Aservatenkammer befördern und später ihren Freund aus den Fängen des Kommissars befreien müssen strotzt es nur so von Logikfehlern, fehlenden Ideen und am Reißbrett entworfenen 08/15-Szenen. Witzlos, fad und unrealistisch bis zum Abwinken spitzt sich das Machwerk auf die Rettungsaktion zu, selbst die als angenehme Abwechslung geplante Wasserwerfer-Aktion gerät zur Farce, der Fluchtversuch mit dem Lieferwagen zur Lachplatte (achtet mal auf den "qualmenden Motor" als er vor dem U-Bahn-Schacht zum Stehen kommt).

Man kann sich nur ans Hirn fassen, welch Schwachsinn hier zusammengeschustert wurde und dem Publikum zugemutet wird. Als besonders ärgerlich, nein falsch - viel schlimmer: besonders wütend macht mich wieder einmal die Tatsache, daß der Stoff wirklich tauglich für eine prima Story ist. Hier hätte man mit Mut und Elan eine Menge Filmspaß herausholen können, interessante Dialoge, interessante Wendungen, Verstrickungen, Charakterausarbeitungen - bei gleichzeitigem Verzicht auf Klischees und geradlinige Vorhersehbarkeiten. Und das ist wirklich schlimm, wenn man nicht nur einen schlechten Film auf die Beine stellt, sondern eine gute Idee durch schlechte Umsetzung ruiniert.

Trotzdem, gesehen sollte man ihn haben.

(4/10)

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