Was tun wenn’s brennt?
Filmstoffe, die in ihrer Ausstattung Realismus suggerieren, durch ihre offensichtlichen Überzeichnungen einen märchenhaften Charakter annehmen, müssen nicht zwangläufig einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. „Was tun, wenn’s brennt“ tut aber genau das. Klischeebeladene Charaktere wuseln durch eine unglaubwürdige Story. War das gewollt?
Durch einen Knalleffekt wird eine ehemaliger Hausbesetzerkommune nach Jahren der Entfremdung wieder zusammengebracht. Eine antikapitalistische Bombe, die das Sechsergespann damals bastelte, detoniert 13 Jahre zu spät und zerstört ein Gebäude. Dummerweise lagert belastendes Filmmaterial in der Asservatenkammer der Polizei. Mit vereinten Kräften wollen sie die Beweise vernichten.
Aus den Punks von damals sind Wohlstandsbürger von heute geworden. Nur Tim (Til Schweiger) und Hotte (Martin Feifel) klammern sich noch an die Ideale von einst. Dabei darf Til Schweiger allerdings nicht viel mehr tun, als ein paar Standardparolen grölen und Mercedessterne abbrechen. Auch die anderen Charaktere sind dermaßen übertrieben (das karrieregeile Yuppiearschloch, der biedere Anwalt, die graue Hausfrau, die Socieytlady und der rebellische Punk, der besessene Polizist), dass man dem Regisseur wohlmeinend fast Methode bei der Figurenauswahl unterstellen möchte. Vor diesem Hintergrund wirkt es allerdings sehr inkonsequent, dass er seine Protagonisten einigermaßen ernste Konflikte austragen lässt. Angesicht der comichaften Überzeichnungen muten sie dabei eher lächerlich, denn tragisch an. Ein besseren Eindruck hinterlassen dagegen die komischen Elemente des Films, etwa wenn sich das ungleiche Gespann zu ersten Mal getarnt als Fernsehteam in das Hauptquartier der Polizei einschleicht und einem (wiederum übertrieben) kameraverliebten Kommissar sämtliche Geheimnisse über die Kaserne entlockt. Neben einigen solcher pfiffigen Drehbuchideen, einem mitreißenden Soundtrack, schicken Bildern, witzigen Cameos, flotten Actionszenen und gut aufgelegten Hauptdarstellern hat der Film aber gerade gegen Ende zahlreiche Ärgernisse zu bieten. Irgendwann nervt es einfach, dass die Sechs nach Gutdünken in die Polizeikaserne ein- und ausbrechen können und dort schalten und walten wie es ihnen gefällt. Neben der Idee mit dem „trojanischen Pferd“ wirkt vor allem der „Ausbruch“ nach einigen Sekunden doch arg lächerlich und einfach ein Spur zu unrealistisch. Man hätte aus dem Stoff besser eine Comicverfilmung, zumindest aber eine waschechte Komödie drehen sollen. Doch Regisseur Georg Schnitzler unterlief ein Fehler, an dem die meisten deutschen Filme kranken. Er will die volle Breite der menschlichen Gefühle bedienen und nebenbei noch einen Film über Freundschaft und das Erwachsenwerden erzählen. Diese Drama - Elemente wirken angesichts der abgehobenen Charaktere und Story doch reichlich deplaziert. Unterhaltsam ist „Was tun, wenn’s brennt“ sicherlich, der fade Eindruck „Hier wurde eindeutig Potential verschenkt“ überwiegt am Ende.
Daran werde ich ich noch lange erinnern:
Das T-Shirt: „I love Bill Gates“