Review

1.1: the Sacrifice - 6/10

Die erste Episode von „NBC´s“ neuer „Horror Anthology“-Serie „Fear Itself“ basiert auf einer Skript-Vorlage aus der Feder des „Creators“ der Show, Mick Garris, mit der jener die Del Howison Kurzgeschichte „the Lost Herd“ Format-gerecht adaptierte. Nun den Titel „the Sacrifice“ tragend, entstand die Verfilmung unter der Regie Breck Eisners („Sahara“) und eröffnet in Gestalt vier junger Männer, die nach einem offensichtlich misslungenen Deal in ihrem Pick-Up auf einer abgeschiedenen Landstraße im verschneiten kanadischen Hinterland unterwegs sind – bis ihnen eine im Fahrbahnboden steckende Metallstange entgeht und diese ihr Fahrzeug derart stark beschädigt, dass sie sich daraufhin dazu gezwungen sehen, ihre Flucht zu Fuß fortzusetzen. Als ihnen im Zuge dessen Rauch am Horizont gewahr wird, schlagen sie umgehend jene Richtung ein, denn sie benötigen sowohl eine Unterkunft für die bereits anbrechende Nacht als auch eine (zumindest notdürftige) medizinische Versorgung, da einer aus ihrer Mitte (Reamonn Joshee) eine fiese Schusswunde in der Brust aufweist und entsprechend zunehmend an Blut und Besinnung verliert. Schließlich am Ursprungsort angekommen, stellt sich dieser als ein tief im Wald gelegenes altes Fort heraus: Vorwiegend aus Holz errichtet, mit hohen Mauern und diversen Gräbern im Innenhof – aber einem verlockend riechenden Topf Suppe auf dem Feuer…

Wenig später treffen sie innerhalb des abgegrenzten sowie auf den ersten Blick menschenleer anmutenden Grundstücks dann auf drei blasse, blonde und sehr attraktive rumänische Schwestern (Rachel Miner, Mircea Monroe, Michelle Molineux), die dort zusammen mit ihrem bettlägerigen Vater, einem Reverend (Bill Baksa), leben. Sie sind die letzten Verbliebenen einer Amish-ähnlichen Gemeinschaft, zeigen sich gastfreundlich, bieten ihnen eine warme Mahlzeit an und kümmern sich um Navarro´s Wunde. Während die beiden Brüder Point (Jeffrey Pierce) und Lemmon (Jesse Plemons) speisen, erhofft sich Diego (Stephen Martines) derweil, bei einem der hübschen Mädels landen zu können, welches ihrerseits in der Hinsicht gar nicht mal so abgeneigt zu sein scheint. Ersterer indessen, ein von Natur aus eher skeptisch-vorsichtiger Zeitgenosse, traut dem harmonischen Frieden der Situation nicht wirklich – zu Recht, wie er schnell die Bestätigung seines Bauchgefühls erhält, indem er beim Nachsehen Navarro´s Leiche findet und unmittelbar im Anschluss daran nur knapp den Angriff einer höchst aggressiven Kreatur übersteht, die sich als ein von der kleinen Gemeinde seit der Einwanderung ihrer Vorfahren in dieser isolierten Bastion gehaltener Vampir herausstellt, welcher bislang immerzu davon absah, den Gebäudekomplex gen „Außenwelt“ zu verlassen, so lange man ihm regelmäßig menschliche Opfergaben zukommen ließ. Grausame Stunden stehen allen Anwesenden bevor…

Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie „the Sacrifice“ unter dem „Masters of Horror“-Banner ausgefallen wäre bzw ausgesehen hätte, denn Möglichkeiten für die Einbindung zusätzlicher oder ausschweifenderer Szenen mit Gore und nackter Haut sind an etlichen Stellen der Handlung problemlos auszumachen. Zwar vollziehen sich vorliegend bestimmte (gewalttätige) Dinge bewusst „off Screen“, doch wurden diese nichtsdestotrotz zum Teil ganz nett für die Zuschauer angedeutet sowie gelegentlich gar von direkt präsentierten Detailaufnahmen ergänzt (wie eine „Schattenspiel-Enthauptung“, verschiedene Wunden oder das Zunähen eines Mundes) – im Prinzip wirkt der Gesamteindruck nie so, als würde etwas fehlen, das man unbedingt hätte vordergründig aufzeigen müssen. Aufgrund der Restriktionen des „öffentlichen“ Sendplatzes mussten die Verantwortlichen unweigerlich mehr Nachdruck auf die jene Momente umhüllenden, eigentlich ja ohnehin viel wichtigeren Elemente legen – allen voran die Atmosphäre und dargebotene Story an sich. Ersterer Punkt wird allein schon seitens der gewählten Location(s) und dem stimmig angepassten Set-Design relativ gut abgedeckt, denn zum einen fanden die Dreharbeiten in einer trostlos-kühlen, von TV-Cinematographer Attila Szalay („Reaper“/„Touching Evil“) entsprechend optisch eingefangen Zeit des Jahres statt, zum anderen nutzte man diverse dem angestrebten „Authentizitätsgefühl“ hervorragend dienliche Räumlichkeiten und Impressionen des „Fort Edmonton Parks“ – seines Zeichens Kanada´s größtes „Living History Museum“ und zudem jenes Gelände, auf dem bereits (u.a.) Produktionen wie „Ginger Snaps Back“ oder „the Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford“ realisiert wurden. Auf dieser Ebene funktioniert die Episode nahezu ohne Anlass zur Klage.

Das Skript, welches der gewiss in erster Linie für seine diversen Stephen King Verfilmungen bekannte Mick Garris („Sleepwalkers“) verfasste, kombiniert eine Vielzahl unterschiedlicher Genre-Versatzstücke miteinander: Kriminelle auf der Flucht, die irgendwo Unterschlupf finden, dort aber in grausame Ereignisse verstrickt werden (vgl. „Malevolance“ oder Ittenbach´s „Chain Reaction“), Einsiedler mit einem dunklen Geheimnis, dessen Wahrung einem übergeordneten Zweck verschrieben ist (á la „the Village“), dazu dann noch ein blutrünstiges Geschöpf, das den Hauptprotagonisten nach dem Leben trachtet – fertig ist eine unkreative, dem ungeachtet jedoch potentiell unterhaltsame Geschichte, die sich auch gut in weniger als einer Stunde erzählen lässt. Obgleich beileibe nicht sonderlich innovativ oder originell, verhindern beständige kleinere Schlenker im Verlauf (erfreulicherweise) ein Erkeimen fataler Langeweile und/oder zu starker Vorhersehbarkeit. Den Ausklang dieser Folge haben die Verantwortlichen mit einem heutzutage ja geradezu obligatorischen, in meinen Augen recht okay daherkommenden Twist gesegnet, und insgesamt vermag die straffe Abfolge der Ereignisse manch kleinere Schwäche einigermaßen erfolgreich zu kaschieren. Dennoch sind vereinzelte banale Dialogzeilen und Klischees zweifellos vorhanden, die sich einfach nicht übergehen lassen – etwa dass man einem gebissenen Vampiropfer nicht „provisorisch“ vor seiner demnächst ja unabwendbar anstehenden Verwandlung einen Pflock durchs Herz treibt, diese „Pflichttat“ stattdessen (ungläubig) so lange hinausgezögert wird, bis sie sich letztlich (zwangsweise) um ein Vielfaches schwieriger gestaltet…

Im Sinne der konzeptionellen Beschaffenheit der beiden maßgeblichen Personengruppen hatte ich so ziemlich von Beginn an einige mehr oder minder gewichtig einzuschätzende Kritikpunkte anzumerken: Primär in Anbetracht der Gegebenheit, dass das „Sirenen-Trio“ das abgeschiedene Anwesen bislang noch nie verlassen hat, empfand ich die Mädels als einen Tick zu „modern“ auftretend, sowohl hinsichtlich ihres Verhaltens als auch ihrer (meist irritierend akzentfreien) Sprache bzw Wortwahl – wohingegen allein die Tatsache, dass es sich bei den männlichen Hauptprotagonisten um Straftäter handelt, das allgemeine Entstehen einer Verbindung zwischen ihnen und den Zuschauern ein gutes Stück weit erschwert. Immerhin gehen die schauspielerischen Leistungen meines Erachtens nach völlig in Ordnung: Reamonn Joshee („the Clinic“) und Stephen Martines (TV´s „General Hospital“) fallen zumindest nicht negativ auf, Jeffrey Price (TV´s „the Nine“/„Junior Pilot“) erinnerte mich irgendwie permanent an Matthew Fox und lieferte eine restlos solide Performance ab, der wie ein jüngerer Bruder Matt Damons ausschauende Jesse Plemons (TV´s „Friday Night Lights“/„Shrink“) verkörpert den naiven Lemmon ebenso anständig – „ihnen gegenüber“ sind die allesamt sehr hübschen, passabel talentierten sowie überzeugend agierenden Michelle Molineux („Decoys 2“/„the Manikin“), Mircea Monroe (TV´s „Drive“/„Fast Girl“) und Rachel Miner („Tooth & Nail“/„Penny Dreadful“) zu sehen. Den Part der Kreatur hat übrigens Make-up-Künstler Walter Phelan übernommen, welcher vor der Kamera u.a. schon als Engel („the Prophecy“), Alien (TV´s „the X-Files“), Zombie („House On Haunted Hill“), Blutsauger („from Dusk till Dawn“) oder gar „Dr.Satan“ himself („House of 1000 Corpses“) zu sehen war.

Regisseur Breck Eisner, der mit diesem (also seinem) ersten Vorstoß in Horror-Gefilde vermutlich etwas für seine angekündigten „Crazies“- und „the Creature from the Black Lagoon“-Remakes üben wollte Schrägstrich konnte, gab sich redlich Mühe, ein stimmig-unheilschwangeres Feeling zu erzeugen, ohne im Rahmen seiner Inszenierung auf „Holzhammer-Methoden“ zurückzugreifen: Das Setting, spezielle Details (wie ein Windspiel aus Nummernschildern), eine ausgewaschene Farben aufweisende Optik und ein inspirierter Einsatz des angepassten Scores sind zumindest allesamt ersprießliche Zutaten – bloß mundet einem das fertige Gericht nicht ganz so köstlich wie erhofft, da man einige entscheidende Eigenschaften oder wenigstens klar herausragende Nuancen sträflich vermisst. Hochspannung sucht man genauso vergebens wie ein echtes Gänsehaut-Gefühl, der konkrete Grusel-Faktor hält sich stark in Grenzen. Der Vampir sieht zwar keineswegs schlecht aus, ist aber weder faszinierend noch furchteinflößend genug, um einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen – zumal sich seine Anwesenheit auf einem arg wackeligen Fundament stützt: Ich hätte mir deutlich reichhaltigere Background-Infos (zu ihm, der Gemeinschaft, den Schwestern etc) gewünscht – was hält ihn eigentlich in dem Fort („Nahrung“ würde er draußen schließlich ebenso problemlos finden), warum haben die Bewohner ihm nicht bereits vor Jahren den Gar ausgemacht? Vielleicht lag das ja mit an der einschränkenden Zeitvorgabe, doch so wirkt die Angelegenheit jedenfalls bisweilen relativ oberflächlich und im finalen Akt außerdem viel zu überstürzt abgehandelt...

Mir ist bewusst, wie schwer es ist, die richtige Pilotepisode für eine neue Serie (insbesondere dieses Formats) auszuwählen, denn sie muss Neugier erwecken und darf die kommenden Folgen zugleich auch nicht qualitativ überschatten – spontan denke ich, dass dieser Spagat den Machern von „Fear Itself“ recht gut geglückt ist.

Fazit: Handwerklich kompetent umgesetzt, gelingt es „the Sacrifice“ (einer Reihe evidenter Schwächen zum Trotz) durchaus akzeptabel, einen annehmbaren Unterhaltungswert zu generieren: Die Story entfaltet sich zügig und ohne Längen, der Action-Gehalt wächst zum Schluss hin immer stärker an, die Darsteller machen ihre Sache ordentlich und atmosphärische Kulissen schmeicheln den Augen der geneigten Betrachter – nur war das Skript schlichtweg zu durchwachsen und die Geschichte an sich schon nicht selbstschöpferisch genug, um der Produktion die nötigen Voraussetzungen zu bieten, sich effektiv von der artverwandten (Genre-) Masse abheben zu können … knappe „6 von 10“

Details
Ähnliche Filme