„Eater“, Genre-Veteran Stuart Gordon´s („Re-Animator“/„King of the Ants“) Beitrag zur „Fear Itself“-Reihe aus dem Hause „NBC“, basiert mal nicht auf einer Vorlage aus der Feder von Edgar Allen Poe oder H.P. Lovecraft, ihres Zeichens ja zwei der liebsten Autoren des Regisseurs, sondern in diesem Fall auf einem Skript des Gespanns Johnathon Schaech (der hauptberufliche Schauspieler) und Richard Chizmar, welche bereits bei „Road House 2“ und „MoH: the Washingtonians“ miteinander arbeiteten und vorliegend eine Geschichte des britischen Schriftstellers Peter Crowther Format-gerecht adaptierten. Um mit letzterem Punkt unweigerlich in Zusammenhang stehende Befürchtungen gleich im Vorfeld ein gutes Stück weit abzuschwächen, etwa hinsichtlich der einschränkenden amerikanischen „Network Television“-Vorgaben, möchte ich an dieser Stelle schonmal vermelden, dass es sich bei dieser Episode um eine der härteren und besseren der Serie handelt – und dass man das Material im Zuge einiger Drehbuch-Erweiterungen sowie veränderten Produktionsbedingungen durchaus ebenso in Gestalt eines für Fans mit Sicherheit nicht uninteressanten kleinen B-Movies hätte realisieren können…
Dani Bannerman (Elisabeth Moss) ist eine junge angehende Polizistin (auch „Rookie“ oder „Boot“ genannt), die ein Faible für Horror-Flicks besitzt und in einem abgelegenen Revier gerade ihre Nachtschicht antritt, welche sie dort gemeinsam mit den beiden alteingessenen Cops Mattingly (Pablo Schreiber) und Steinwitz (Stephen Lee) ableisten muss. Obwohl die Umstände für sie nicht unbedingt die einfachsten sind, in erster Linie weil sie zu einem permanenten Ziel der Schikanen und bösen Sprüche ihrer Kollegen geworden ist (u.a. aufgrund ihrer Anwesenheit als „Mädchen“, Film-Geek und/oder Anfängerin), ist sie gewillt, es in diesem Job zu etwas zu bringen – was ihr zumindest den Respekt ihres Sergeants (Russel Hornsby) erntet. Während draußen nun also der Schnee vom Himmel rieselt und sich drinnen im Prinzip eine ereignislos-öde Schicht wie die meisten anderen abzeichnet, ändert sich das alles jedoch schlagartig, als ein Gefangener (Stephen R. Hart) bei ihnen eingeliefert wird, der bis zu seiner Überführung in eine angemessenere Einrichtung am nächsten Morgen in einer der Zellen im oberen Stockwerk der Wache verbleiben soll. Nicht nur ist der sehr hoch gewachsene Mann per se ein arg unheimlicher Zeitgenosse – er ist ebenfalls ein brutaler kannibalistischer Serienkiller, der rund 32 (vorwiegend weibliche) Opfer getötet, zum Teil gegessen sowie im Anschluss gar bestimmte ihrer Körperteile weiterverarbeitet hat (Lampenschirme aus Haut, Schalen aus Schädeldecken etc). Erwartungsgemäß erweckt die bloße Anwesenheit eines „echten menschlichen Monsters“ Dani´s Interesse und regt zudem ihre Phantasie an – und sie ist es dann auch, der schon bald verschiedene ungewöhnliche Dinge in ihrer direkten Umgebung auffallen: Gemeint sind weniger die flackernden Lichter und merkwürdigen Geräusche, denn diese könnten ja Auswirkungen des schlechten Wetters draußen sein – nein, es ist eher das veränderte Verhalten von Mattingly und Steinwitz, sind grausame Dinge, die sie auf einmal zu sehen beginnt, sowie das sich stetig intensivierende Gefühl, dass da noch andere Kräfte mit im Spiel sind, welche deutlich über die Grenzen der Normalität hinausreichen…
„Eater“ eröffnet genau richtig – nämlich zügig und ohne Umschweife: Bereits im ersten Drittel erhält der Zuschauer alle nötigen Angaben und Gegebenheiten präsentiert, weshalb er sich fortan, dank der etablierten Charaktere und Rahmenbedingungen sowie dem übersichtlichen Setting, voll und ganz von den sich entfaltenden Geschehnissen unterhalten lassen kann. Über Officer Bannerman erfährt man (u.a.), dass sie als weiblicher Cop in jenem von Männern geprägten Umfeld einen äußerst schweren Stand hat, nichtsdestotrotz willenstark und zielstrebig ist, coole Tattoos unter ihrer Uniform verborgen hält sowie auf makabere Details und Genre-Ware steht (bspw. liest sie eine „Fangoria“-ähnliche Zeitschrift und kennt ihre (Horror-) Filmfakten dermaßen gut, dass sie derartige Diskussionen mit Leichtigkeit dominiert). Die sympathische Elisabeth Moss (TV´s „Mad Men“/„Girl, Interrupted“) spielt sie sehr natürlich, tritt (je nach Situation) mal verunsichert, tough, charmant oder selbst ein Tick naive auf, vermittelt die wechselnden Emotionen glaubwürdig und liefert eine absolut zufriedenstellende Performance ab. Die Ausführungen des Sergeants beim abendlichen Briefing versehen den „Eater“ mit einigen Background-Infos (z.B. bezüglich seiner Taten und Vorgehensweise), welche später durch verschiedene kulturelle und mythologische Anekdoten ergänzt werden, die primär mit seiner „Cajun“-Abstammung in Verbindung stehen – etwa dass sich Angehörige dieser vornehmlich in Louisiana ansässigen frankophonen Bevölkerungsgruppe gelegentlich recht anständig mit Voodoo auskennen oder (bestimmten Überlieferungen nach) der Geist eines Menschen absorbiert bzw übernommen werden kann, wenn man dessen noch schlagendes Herz verspeist. Entsprechend dauert es nicht lange, bis der Gefangene eine bei der Leibesvisitation übersehene Mini-Rassel aus seinem Ärmel zückt und in einer creepy-tiefen Tonlage Zeilen wie „Zoo zoo zoo zoo zee za“ zu skandieren anfängt – und das noch vorm Einsetzen des offiziellen Serien-Vorspanns. Verkörpert wird er von dem 2,11 Meter großen Kanadier Stephen R. Hart („Silent Hill“/„Resident Evil: Apocalypse“), der allein schon aufgrund seiner physischen Präsenz perfekt gecastet wurde, allerdings auch darüber hinaus eine ersprießliche Leistung an den Tag legt. Was nun jedenfalls an die Titelmelodie anknüpft, ist eine angenehm gradlinige Ereignis-Abfolge: Die angedeuteten „Shape-Shifter“-Eigenschaften kommen vordergründig zum Einsatz, seltsame Schwingungen und Vibrationen durchziehen das Gebäude, alle Ausgänge entpuppen sich als verriegelt, Schweiß beginnt zu strömen, Visionen vor Dani´s innerem Auge aufzublitzen sowie erste Leichen aufzutauchen – bis zur finalen Konfrontation und dem bitteren Ende dieses fiesen „Katz&Maus-Spielchens“…
Das Skript der beiden Schreiberlinge Schaech und Chizmar, welche sich aktuell übrigens an einer Adaption der Stephen King Novelle „From a Buick 8“ versuchen, würde ich (unterm Strich betrachtet) als „nichts Besonderes, insgesamt aber in Ordnung“ bezeichnen, denn es verfügt zwar über diverse nicht zu übersehende Schwachstellen, wartet jedoch im Gegenzug trotzdem mit genügend Inhalt auf, um eine knappe Dreiviertelstunde bündig auszufüllen, ohne Leerlauf oder gar langweilende Phasen entstehen zu lassen. Die Ausgangslage erinnert an das 2005er „Assault on Precinct 13“-Remake sowie die übernatürlichen Elemente an etliche im DTV-Bereich zu findende B-Movies – demgemäß dürfte das Gebotene in der Hinsicht wahrlich für keine Originalitätspreise nominiert werden, was ebenfalls für die Klischee-behafteten, allerdings von Pablo Schreiber (TV´s „the Wire“), Russel Hornsby („Stuck“) und Stephen Lee („the Negotiator“) immerhin solide dargestellten Nebenfiguren gilt. Filmfans können sich währenddessen an vereinzelten Anspielungen und Querverweisen erfreuen, wie auch an einer netten Portion morbid-schwarzen Humors, der ja seit jeher einen festen Bestandteil des Stils bzw der Handschrift Gordons markiert. Schade fand ich es hingegen, dass Bannerman ihr cineastisches Wissen in den betreffenden Situationen nie im nötigen Maße dienlich einzusetzen weiß. Wieso lässt sie sich beispielsweise von der mit einer Kette verschlossenen gläsernen Vordertür aufhalten, statt einfach die Scheiben zu zerschießen? Warum ein solch gefährlicher Killer überhaupt in einem derart kleinen sowie personell schwach besetzten Revier „einquartiert“ wird oder es nirgends den eigentlich obligatorischen Waffenschrank zu erspähen und plündern gibt – das sind noch zwei der weiteren Fragen, welche mir beim Ansehen irgendwann mal in den Sinn kamen. Wie bereits erwähnt: Innovativität und Einfallsreichtum sind keine der Stärken dieser weder unvorhersehbaren noch wirklich spannenden Episode – jene liegen vielmehr in ihrer handwerklichen Beschaffenheit und vorzuweisenden Atmosphäre.
Dank einer inspirierten Kameraarbeit, welche die sich innerhalb des adäquat gestalteten Set-Designs zutragenden Geschehnisse hervorragend eingefangen hat, fühlt man sich als Zuschauer sofort ins Zentrum der bizarren wie ungemütlichen Umstände hineinversetzt – kombiniert mit der optisch ansprechend ausgewählten Farbpalette (vorwiegend graue, grünliche und rötlich-orange Töne), klassischen Stilmitteln (wie einer flackernden Beleuchtung) sowie dem in den richtigen Momenten effektiv erklingenden Score, verbindet sich all das zu einem umfassend stimmigen Gesamteindruck. Im ersten Akt injiziert eine stark arrangierte Rückblende eine Prise „Torture Porn“ in die Story (das Herausschneiden einer Zunge, die im Anschluss daran in einer Pfanne zubereitet und gegessen wird), doch hat man diese Schiene sodann schnell wieder verlassen und sich fortan gänzlich der angespannten Situation in der isolierten wie räumlich begrenzten Örtlichkeit verschrieben – eine weise, wirkungsvolle Entscheidung, welche simultan auch vorteilhaft mit den psychologischen Komponenten sowie den nur zur Verfügung gestandenen limitierten Ressourcen harmoniert. Zum Glück wurde bloß selten auf digitale Zusätze zurückgegriffen, und nebenbei ist es Gordon zudem gelungen, in dieser TV-Version einige unappetitliche An- und Augenblicke (wie einen Ekel-erregenden Pizza-Belag) zu platzieren, die angesichts dieses speziellen Formats „nicht ohne“ sind – und die kommende DVD-Veröffentlichung soll gar noch zusätzliche Härten aufweisen, wie er jüngst in einem Interview bestätigt bzw angekündigt hat. Was mir an dieser Episode nicht so gefiel, das waren die zu früh gesäten Hinweise auf die „Shape-Shifter“-Fähigkeiten des Cajuns, ebenso wie das viel zu kurz, überstürzt und außerdem von der Idee her nicht gerade sonderlich vorteilhaft anmutende Finale, welches mich durchaus etwas enttäuscht zurückließ. Zumindest hielten sich die Ärgernisse bis dato erfreulich in Grenzen – was ganz klar Stuart Gordon´s Erfahrung, Fingerspitzengefühl und kompetenten Inszenierung zuzusprechen ist sowie „Eater“ sowohl zu einem Highlight der „Fear Itself“-Reihe als auch (für sich allein betrachtet) zu einer unterhaltsamen wie düster-kurzweiligen Angelegenheit macht …
„7 von 10“