Review

1.2: Spooked - 4/10

„Spooked“, die (nach „the Sacrifice“) zweite Folge der „Fear Itself“-Reihe aus dem Hause „NBC“, wurde unter der kompetenten Führung Brad Andersons („the Machinist“) umgesetzt, basiert auf einem Skript aus der Feder von Matt Venne („White Noise 2“/„MoH: Pelts“) und wartet mit B-Movie Veteran Eric Roberts („Runaway Train“) in der Hauptrolle auf.

Im Rahmen der Einführungssequenz dieser Episode werden wir, die Zuschauer, Zeuge des harten (aber effektiven) Vorgehens eines engagierten Cops namens Harry Siegal (Roberts), welcher seinen Job getreu der persönlichen Leitlinie „Sometimes you´ve got to do a Wrong to make a Right“ ausübt – was gelegentlich auch heißt, Zeugen unter extremen Druck zu setzen und Verdächtige gar zu foltern, um auf jenem Wege an die gewünschten Informationen zu gelangen. Aktuell traktiert er gerade in einem verlassenen Gebäude einen gestellten Entführer (Jack Noseworthy) mit Fäusten, bevor er irgendwann, angesichts der immer knapper werdenden Zeit, dazu übergeht, den an einen Stuhl gefesselten Mann mit einem Messer schmerzhafte Schnitte zuzufügen, um ihm so den Ort zu entlocken, an welchem er den jungen Sohn eines Politikers versteckt hält. Im Zuge dessen verpasst Harry dem Inquirierten in seiner Rage jedoch (mehr oder minder unbeabsichtigt) eine fiese Wunde am Hals, worauf jener eine Menge Blut zu verlieren beginnt, endlich nachgibt und sein Schweigen bricht – leider erliegt der geständige Verschlepper allerdings kurz darauf genau dieser Verletzung, während der Entführte hingegen sicher gefunden und gerettet werden kann…

Vor dem obligatorischen Zeitsprung („15 Jahre später“) setzt nun aber erst einmal das „Fear Itself“-Intro ein, welches auf jeden Fall schwächer als der atmosphärisch dichte „Masters of Horror“-Vorspann daherkommt, was vorliegend weniger an den gebotenen Impressionen (flatternde Krähen plus verschiedene andere gängige Genre-Motive) liegt, sondern vielmehr an der gewählten Musik- und Gesangs-Untermalung (Serj Tankian´s „Lie, Lie, Lie“), welcher es einfach nicht gelingt, eine passend ausgeprägte Stimmung heraufzubeschwören. Ohne Ton ist die Wirkung gleich ganz anderes, also besser – und man erkennt schnell das entsprechend verschenkte Potential.

Wie auch immer: Da die anfangs gezeigte Aktion im Nachhinein dazu geführt hat, dass Harry seine Dienstmarke abgeben und seiner Pension „auf Wiedersehen“ sagen musste, verdient er sich sein Geld seither als Privatdetektiv, der sich darauf spezialisiert hat, „seitenspringende Ehepartner“ beweiskräftig zu überführen. Eines Tages wird er nun von einer verzweifelten Sozialarbeiterin (Cynthia Watros) darum gebeten, ihr Gewissheit bezüglich der vermuteten Untreue ihres Gatten zu verschaffen – und da jener ein sehr vorsichtiger, aufmerksamer Zeitgenosse ist, der einen länger vorm Haus geparkten Van schnell bemerken würde, schlägt sie ihm vor, sich doch in dem leerstehenden Gebäude auf der anderen Straßenseite zu positionieren, von wo aus man eine hervorragende Sicht auf ihr Grundstück besäße…

Natürlich nimmt Harry den Auftrag an und entscheidet sich schließlich für eine Kombination beider Möglichkeiten: Sein Partner, der recht unerfahrene James (Larry Gilliard Jr.), bezieht Stellung im Fahrzeug am Ende der Straße, er selbst quartiert sich in der u.a. mit schrägen Graffiti-Zeichnungen ausgiebig „verzierten“ Bruchbude ein. Gleich in der ersten Nacht beginnt er jedoch diverse merkwürdige (visuelle wie akustische) Dinge wahrzunehmen, die anscheinend irgendwie mit seiner eigenen Vergangenheit und dem Haus an sich verknüpft sind sowie von James offensichtlich nicht bemerkt werden (können) – unaufhaltsam wird er fortan in einen tiefen Strudel aus immer intensiver auf ihn einwirkenden Visionen und Empfindungen hineingesogen, welche ihn schon bald psychisch vollends zu verschlingen drohen…

„Spooked“ eröffnet wesentlich packender als seine Vorgänger-Episode und lässt sich insgesamt als die ruhigere, intelligentere und reichhaltigere einstufen – ist allerdings (zumindest in meinen Augen) unterm Strich betrachtet trotzdem die schwächere, weil weniger unterhaltsamere der beiden Mini-Movies. Das Hauptproblem markiert in erster Linie die simple Tatsache, dass einem die Abläufe dieser Art Geschichte über die Jahre hinweg ausnehmend geläufig geworden sind, so dass es umso schwieriger ist, echte Überraschungen zu erzeugen und diese im fertigen Produkt dann auch noch effektiv zu präsentieren. Der Titel und ein Blick auf das ansonsten in einer schönen Nachbarschaft gelegene Gebäude (in seinem verwahrlosten Zustand, inklusive der an die Wände gemalten Pentagramme und Botschaften á la „We will kill you!“) reichen bereits jeweils mehr als nur aus, um eins und eins zusammenzählen zu können – doch für den Fall der Fälle, dass jemand das dennoch nicht raffen bzw schaffen sollte, griffen die Verantwortlichen zusätzlich auf eine Gruppe Jugendlicher zurück, deren Mitglieder sich just in Harry´s ersten Nacht im Keller verstecken und ihn (als dieser sie entdeckt) schließlich darüber aufklären, dass es sich bei ihrer Aktion bloß um eine Mutprobe handelte, da es in jenen Räumlichkeiten angeblich spuken würde, seit sich dort vor einiger Zeit ein bizarrer Gewaltakt zugetragen hat...

Welche gängigen Klischees gibt´s noch? Eine alte Puppe, deren verbliebenes Auge sich ganz von allein bewegt, elektronische Interferenzen, die Harry´s Überwachungs-Equipment stören, flüsternde Laute sowie ein Radio, das eigenständig zu Leben erwacht – und noch etliche mehr. Darüber hinaus werden bestimmte Dinge auf unterschiedlichen Ebenen viel zu weit im Voraus angekündigt, so dass der gesamte Verlauf, trotz diverser Twists und Offenbarungen, im Prinzip ziemlich früh relativ vorhersehbar wird. Harry zum Beispiel vertritt eine strikt ablehnende Haltung bezüglich des Tragens sowie Nutzens von Feuerwaffen, was wiederholt thematisiert wird – James indessen ist verhältnismäßig frisch im Geschäft, schnell abgelenkt und findet seine brandneue 9mm einfach nur verdammt cool. Ob das wohl auf irgendetwas hinauslaufen, vielleicht sogar mit Harry´s innerer Last oder den letzten unheilschwangeren Worten des eingangs verbluteten Kriminellen in Zusammenhang stehen könnte? Tja, zum Glück gibt es am Ende eine längere Flashback-Sequenz, die Licht in alle dunklen Regionen dieser Angelegenheiten bringt…

Auch in dieser zweiten „Fear Itself“-Folge wird vom Zuschauer erwartet, einer Person gewisse Sympathien zuzusprechen, die sie im Grunde genommen gar nicht unbedingt verdient: Vorliegend handelt es sich zwar weder um einen Straftäter auf der Flucht noch um ein Menschenopfer darbringendes Immigranten-Mädel, wohl aber um einen Polizisten, der sich in speziellen Situationen bewusst über die allgemeingültigen Gesetze hinwegsetzt, um seinen eingeschlagenen Pfad ungehindert weiterverfolgen zu können – und selbst nach seiner Entlassung aus dem Staatsdienst hat Harry als Detektiv (ebenso) kein Problem damit, Auftraggeber zu erpressen, sofern er im Zuge seiner Recherchen und Ermittlungen auf belastende oder kompromittierende Infos aus ihrem Umfeld stößt. Klar erfahren wir im finalen Drittel, was ihn geprägt und auf diese Bahn gelenkt hat – nur nützt einem das hinsichtlich des bis dato gefestigten Gesamteindrucks recht wenig. Unabhängig dessen gehört zudem nicht gerade viel dazu, auf das Vorhandensein eines tief verwurzelten Traumas zu tippen, das vermutlich in der Kindheit ausgelöst wurde und bis heute sein Verhalten entscheidend beeinflusst. Klassisch trinkt er seinen Kaffee mit extrem viel Zucker und hat stets eine Flasche Whiskey in Griffweite – nein, als „originell“ lässt sich das wahrlich nicht bezeichnen. Zumindest ist Eric Roberts („the Specialist“/„the Dark Knight“), Julia´s Bruder und Emma´s Vater, einer dieser Akteure, denen man einen solchen Part ohne jeglichen Hauch eines Zweifels abnimmt. Seine Performance gefiel mir gut – besonders gen Ende, als es primär darum geht, Harry´s seelische Leiden und Zerrissenheit nach außen zu transportieren. Jack Noseworthy („Event Horizon“) agiert okay und (später) einigermaßen creepy, Cynthia Watros (TV´s „Lost“) vermochte mich dank ihres emotionalen Auftretens zu überzeugen – Larry Gilliard Jr. („Gangs of New York“) hingegen strapazierte zunehmend meine Geduld und Nerven, was aber fraglos ein gewichtiges Stück mit seiner hoffnungslos uninspiriert konzipierten Rolle in Verbindung stand.

Obgleich ich Matt Venne´s Teleplay als eine zentrale Schwachstelle dieser Episode ansehe, bot seine Vorlage Regisseur Brad Anderson nichtsdestotrotz auf inhaltlicher Ebene sowie vom angestrebten Basisgefühl her genau eine dieser Geschichten, mit denen sich der Filmemacher eigentlich hervorragend auskennt. Düstere Familiengeheimnisse, einen auf die Dinge in den finstersten Ecken und Winkel der menschlichen Seele geworfenen Blick, heraufbeschworen durch die Anwesenheit in einer belastend-unheimlichen Umgebung, sich manifestierende persönliche Ängste sowie an die Oberfläche zurückkehrende Schatten der Vergangenheit – ähnliche Themenbereiche ist Anderson (auch stilistisch) bereits in seinem 2001er Geheimtipp „Session 9“ äußerst wirkungsvoll angegangen. Der Mensch bzw die betreffende Person steht im Mittelpunkt, nicht die Genre-üblichen „Scare-Tactics“. Leider gelingt es ihm (ebenso wie bei seinem „Masters of Horror“-Beitrag „Sounds like“) erneut nicht umfassend, daraus ein wirklich zufriedenstellendes Ergebnis zu generieren – was die Vermutung nahe legt, dass er auf dem TV-Parkett irgendwie nicht richtig aufgehoben ist und sich lieber vorrangig seinen (bislang) wesentlich ersprießlicheren Indies widmen sollte. Zwar lieferte er handwerklich solide Arbeit ab, sorgte dank einiger netter Zusätze zwischenzeitig immer wieder für Abwechslung (z.B. in Form einer in Wärmebildkamera-Optik gehaltenen Szene) und konzentrierte sich in erster Linie auf die von ihm anvisierte Atmosphäre – nur erreicht diese meiner Meinung nach keinen genügend intensiven Ausprägungsgrad, weshalb ich den kompletten Verlauf letztlich weder als besonders gruselig noch spannend ansah. Gelungen indessen fand ich eine ungemütliche Sequenz, in der sich ein Mann die Zähne rausreißt und diese durch Patronen ersetzt, sowie die sich verändernden Motive an den Wänden (vier Gestalten, die sich an einer Stelle etwa selbst die Kehlen aufschneiden), was kreativ und erfreulich unaufdringlich realisiert wurde – nur schade, dass es den einzelnen herausragenden Momenten (sowohl von ihrer Quantität als auch Qualität her) alles in allem nicht gelingt, sich zu einer kompakten, den ansonsten eher mauen Gesamteindruck aufwertenden (homogenen) Einheit zu verbinden…

Fazit: „Spooked“ bemüht sich redlich, auf dem Fundament einer klassischen „Haunted House“-Story eine (potentiell) relativ interessante Horror-, Thriller- und Drama-Kombination zu präsentieren, bei der die psychologischen Aspekte der Handlung im Vordergrund stehen – allerdings verhindern (u.a.) das zu vorhersehbar und stereotyp geratene Skript sowie die an Suspense und Nachhaltigkeit mangelnde Inszenierung weitestgehend, dass diese „Fear Itself“-Folge ihrem eigenen (doch recht hoch angesetzten) Anspruch im nötigen Umfang gerecht wird … knappe „4 von 10“

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