„In Sickness and in Health“, die vierte Episode der „Fear Itself“-Reihe aus dem Hause „NBC“, basiert auf einem Skript des Regisseurs und Drehbuchautors Victor Salva („Jeepers Creepers“), wartet mit zwei „Stars“ der TV-Serie „Psych“ in den Hauptrollen auf und wurde von John Landis („An American Werewolf in London“) inszeniert – also unter dem Kommando jenes Filmemachers, der in den späten 70ern sowie 80ern vornehmlich dank einer Reihe erfolgreicher Komödien (á la „Animal House“ oder „Coming to America“) Bekanntheit und Ansehen erlangte, seit knapp 20 Jahren allerdings fast ausschließlich nur noch Flops und Enttäuschungen abgeliefert hat, wie zum Beispiel „Oscar“, „Beverly Hills Cop 3“ oder „Blues Brothers 2000“. Nach den beiden „Masters of Horror“-Folgen „Deer Woman“ (2005) und „Family“ (2006), welche ich persönlich ja bestenfalls mäßig fand, ist er nun also im Rahmen dieser „inoffiziellen dritten Staffel“ ebenfalls wieder mit von der Partie – und bleibt dabei seiner (qualitativen) Linie leider weitestgehend treu…
Was wäre, wenn Dir am Tage Deiner Hochzeit ein anonymer Zettel mit der Botschaft „The Person you are marrying is a Serial Killer!“ zugespielt werden würde? Wie würdest Du reagieren, was wären wohl Deine nächsten Schritte? Handelt es sich nur um den schlechten Scherz eines Missgönners der Beziehung bzw Vermählung – oder steckt eventuell mehr dahinter? Ist die Nachricht möglicherweise tatsächlich als eine ernstgemeinte Warnung anzusehen? Exakt mit diesen Fragen, Vermutungen und Befürchtungen sieht sich gerade die zukünftige Braut Sam (Maggie Lawson) konfrontiert – zeitlich nur noch Minuten vom Beginn der Trauungszeremonie entfernt, im Zuge derer sie ihren „Traumprinzen“ Carlos (James Roday) zu ehelichen gedenkt, welchen sie zwar nur wenige Monate kennt, für den sie aber wirklich starke Gefühle empfindet. Viele ihrer Freunde betrachten ihren Schritt vor den Altar sehr skeptisch und lehnen ihn zum Teil gar vordergründig ab – die Ankunft ihres Bruders, seit dem Tod ihrer Eltern der einzige ihr noch nahe stehende Verwandte, lässt zum Beispiel weiterhin auf sich warten, was sie genau auf diesen unharmonischen Hintergrund zurückführt.
Das in einem Umschlag verschlossene Schriftstück war ihr jedenfalls von einer ihrer Brautjungfer (Sonja Bennet & Christie Laing) übergeben worden – und jener wiederum hatte es der örtliche Priester (William B. Davis) zuvor in die Hand gedrückt, nachdem es ihm eine mysteriöse Frau überreicht hatte, deren Gesicht ein roter Schleier verbarg. Als es Sam infolge dessen nicht auf Anhieb gelingt, die betreffende Dame ausfindig zu machen, reißt sie sich erst einmal zusammen, behält die Information strikt für sich und heiratet Carlos schließlich wie geplant. Während die anknüpfende Feier dann auf der anderen Straßenseite langsam in Fahrt kommt und sich Sam für diese noch etwas in einem Nebenraum der Kirche vorbereitet (das Kleid wechselt etc), kommen ihr die unheilvollen Gedanken jedoch erneut in den Sinn – und schnell überträgt sich diese Stimmung nun ebenfalls auf die Personen in ihrem Umfeld, welche zwar von dem Zettel wissen, nicht aber seinen Wortlaut kennen. Gerüchte beginnen sich zu verbreiten, worauf jede Verhaltensweise unterschiedlich gedeutet wird: Unter anderem glauben die Brautjungfer etwa, Carlos hätte eine Affäre oder so – jener wiederum ist total verunsichert und reagiert ziemlich verärgert auf derartige Anschuldigungen, da er genau weiß, dass viele ihre Entscheidung für überstürzt halten und ihn stets misstrauisch beäugt haben. Zügig schaukeln sich Emotionen, Zweifel, Verdächtigungen und Vorwürfe gegenseitig hoch. Seine aufsteigende Wut nährt indessen Sam´s Angst, weshalb sie die Angelegenheit unbedingt noch in dieser Nacht geklärt haben will, bevor es auf in die Flitterwochen geht – oder wohlmöglich ganz allgemein zu spät ist…
„In Sickness and in Health“ verfügt über eine simple wie verheißungsvolle Prämisse, die man in verschiedene Richtungen hin hätte ausbauen oder sich entfalten lassen können: In erster Linie kommt einem in dieser Hinsicht unweigerlich das Thriller-Genre in den Sinn, denn die psychologischen Komponenten und Auswirkungen des Erhalts einer solchen Botschaft auf die betreffende Person sind natürlich evident und würden sich (quasi als Fundament) hervorragend zum Generieren von Suspense eignen – zumal der zeitliche Rahmen (zuerst vor der Trauung, dann der Abreise) mehr oder minder abgesteckt ist und die bis dato verbleibende Zeit jeweils kontinuierlich heruntertickt. Im Prinzip sind demnach eine Vielzahl inhaltlicher Zutaten und Voraussetzungen für eine kurzweilige wie ansprechende Episode gegeben – allerdings wird einem beim Sichten schon bald gewahr, dass das zentrale Problem letztlich eher in der handwerklichen Ausführung zu verorten ist, welcher es nur in den wenigsten Momenten gelingt, den für die gradlinige Materie eigentlich notwendigen Idealkurs zu halten. In Sachen Spannungserzeugung war Landis noch nie sonderlich kompetent, was im vorliegenden Fall (erneut) unverkennbar negativ zu Buche schlägt...
Geradezu unverhohlen ist die Absicht der Verantwortlichen auszumachen, dem Publikum in erster Linie eine Art (amüsant und clever zugleich wirkendes) Katz-und-Maus-Spiel zu präsentieren, das die mysteriöse Nachricht eingangs in Gang setzt und welches fortan von der gepaarten Paranoia der Frischvermählten angetrieben wird. Unter anderem gibt es ein sich unter den Gästen befindendes (merkwürdiges sowie sich eben solche Blicke austauschendes) Onkel-Zwillingspaar des Bräutigams, von denen einer zudem einen schleierhaften Job bei irgendeiner ominösen Regierungsbehörde ausübt, die geheimnisvolle Frau, welche das alles überhaupt auslöste und seither nicht mehr ausfindig zu machen ist, Sam´s Bruder, der weiterhin verschwunden bleibt, sowie verschiedene Fragen bezüglich der Vergangenheit des Zukünftigen, die sich nur schrittweise (im Zuge einiger „Spontan-Nachforschungen“) auftun – wie zum Beispiel, dass sich Carlos im Anschluss an den rätselhaften Tod seiner Eltern eine Weile in psychologischer Behandlung befand. Als jener dann ebenfalls von dem Zettel (aber nicht dessen Wortlaut) Wind bekommt und daraufhin selbst immer nervöser, misstrauischer und schließlich gar verärgerter wird, wittert er eine Art Verschwörung und versucht seinerseits, der Angelegenheit auf den Grund zu gehen – denn ja, er trägt tatsächlich ein dunkles Geheimnis in sich…
Leider griff man bei der Ausarbeitung und Umsetzung der (zuvor erwähnten) fundamentalen sowie eigentlich recht vielversprechenden Intention jedoch auf derart abgegriffene Klischees, falsche Fährten und viel zu mühelos ersichtliche Ablenkungsmanöver zurück, dass Freunde und (ganz besonders) Kenner des Genres beim besten Willen keine Schwierigkeiten damit haben dürften, die Hintergründe mitsamt des finalen Ausgangs relativ rasch zu durchschauen – was selbstverständlich fatal ist. Davon unabhängig und unbeeinträchtigt, verleiht Maggie Lawson („Cleaner“/„Pleasantville“) der weiblichen Hauptrolle die nötige Glaubwürdigkeit und meistert vor allem die dramatischeren Anforderungen überraschend gut – nur schade, dass ihre Figur im zunehmenden Verlauf immer stärker zu nerven beginnt, woran aber eindeutig das Skript die primäre Schuld trägt, nicht etwa sie. Nichtsdestotrotz verwehrt ihr diese Gegebenheit dennoch eine Menge Sympathiepunkte, welche potentiell abzugreifen gewesen wären. Selbiges gilt übrigens auch für ihren Co-Star James Roday („Beerfest“/„Repli-Kate“) – bloß dass jener aufgrund seiner Rollenauslegung das Ziel öftermals verfehlt, da seine Darbietung zum Teil schlichtweg aufgesetzt anmutet. Entweder waren die Regie-Anweisungen in seinem Fall nicht differenziert genug – oder Roday war einfach nicht dazu in der Lage, den erforderlichen Nuancen des Parts gerecht zu werden. Ich persönlich tippe ja auf eine Kombination dieser zwei vermuteten Ursachen. Alle weiteren vor der Kamera versammelten Akteure erfüllen ihre schlichten Aufgaben ohne nennenswerte Beanstandungen: Sonja Bennet („Elegy“) und Christie Laing („Scary Movie 4“) treten als die „typischen Brautjungfer“ auf, den leicht schwerhörigen Priester mimt William B. Davis, welcher bekanntermaßen als „Cigarette Smoking Man“ in der „X-Files“-Franchise zu Kultstatus gelangte, und als schräges (eineiiges) Zwillingspaar bringt Marshall Bell („Total Recall“) seine Screen-Time solide über die Bühne, was einigermaßen vergnüglich anzusehen ist, unterm Strich allerdings nicht wirklich etwas zum Story-Kerngeschehen beiträgt.
Victor Salva´s Teleplay legt den Charakteren nicht gerade hochwertige Dialogzeilen in ihre Münder und bietet ihnen zudem nur sehr eingeschränkte Backgrounds und Entwicklungsmöglichkeiten, was angesichts des örtlichen wie zeitlichen Umfangs der Handlung (von nur wenigen Stunden an einem einzigen Schauplatz, also in und um der Kirche) aber zumindest im Ansatz durchaus nachvollziehbar und daher fast schon wieder (ausgleichend) zu entschuldigen ist. Obwohl mehrheitlich nicht umwerfend originell oder so, haben mir bestimmte hier und da eingestreute Zusätze beim Sichten fraglos einen gewissen Spaß bereitet – wie Sam´s Wunsch, die Passage „Bis dass der Tod uns scheidet“ kurzerhand aus dem Treueschwur zu streichen. Den positiven Eindrücken stehen allerdings stets irgendwelche „Unstimmigkeiten“ gegenüber, welche nicht so einfach zu übergehen sind und die Waage permanent (erneut) ausbalancieren – man nehme nur mal den Priester, der dank seiner Hörschwäche diverse Sätze seiner direkten Gesprächspartner nicht versteht, an anderer Stelle aber plötzlich entfernte Schritte und sonstige Geräusche in den alten Gemäuern zu vernehmen vermag. Was dem Werk sowie (entsprechend) der Gesamteinschätzung jedoch am meisten schadet, das sind die geballt eingesetzten „Red Herrings“: Sie dienen der Verschleierung der erst zum Schluss gelüfteten wahren Umstände, sollen den Zuschauer bis dato ablenken und seine Vermutungen in die Irre führen – nur leider ergeben die meisten dieser aus Gesprächsfetzen, Verhaltensweisen und ins Auge fallenden Details bestehenden Elemente nach dem Zurückziehen des Vorhangs bzw Preisgeben der Wahrheit am Ende kaum mehr einen Sinn…
„In Sickness and in Health“ ist ein Musterbeispiel dafür, wie man im Zuge der Präsentation eines an sich beileibe nicht unattraktiven Twists aufgrund einer falschen Vorbereitung und Annäherung alles Vorherige mit einem Mal frontal gegen die Wand fahren kann – allgemein hilft ja auch keine noch so gute Pointe, wenn der zu dieser hinführende Witz mies erzählt wird. Hier ist es ist nämlich so, dass die spezielle Wendung absolut kein Stück mit der restlichen Handlung harmoniert: Diverse Taten und Reaktionen entpuppen sich schlagartig als unlogisch, schlüssige Erklärungen bleiben fällig und simultan dazu werden ebenfalls verschiedene neue Fragen aufgeworfen. Richtig übel – und im Prinzip der Todesstoß einer ohnehin arg mäßigen Episode. Dabei ist der reine Kniff wirklich nicht der schlechteste: Er wird sogar von einer echt gelungenen Offenbarung eingeleitet – aber das fehlende Feingefühl während der kompletten Laufzeit davor wird (unsanft) mitten ins Scheinwerferlicht gezerrt, worauf man plötzlich umso deutlicher merkt, wie hoffnungslos forciert die ganze Geschichte bislang doch war. Der „Kracher“ ist allerdings, dass jeder halbwegs clevere Betrachter die Auflösung bereits innerhalb der ersten fünf Minuten an zwei unterschiedlichen Stellen förmlich auf einem Silbertablett vorgesetzt bzw angekündigt erhält! Tja, demnach dürften ja eigentlich nur solche Leute am Ende überrascht werden, die beim Schauen nicht vernünftig zugehört haben und/oder bewusst zweideutig gehaltene Grammatik nicht aus dem Stehgreif heraus als „verdächtig“ einstufen sowie im nächsten Schritt dann hinterfragen – bloß schützt selbst diese „Unwissenheit“ sie nicht vor der verärgernden Beschaffenheit des gewählten Ausklangs, welchen man zuvor auf Teufel komm raus zu vernebeln versuchte…
Das Gebotene ist zu keiner Sekunde irgendwie gruselig, kommt frei von Blut oder psychologischen Verknüpfungen daher und entbehrt jeglicher Spannung – darüber hinaus wurden die Mystery-Komponenten erschreckend einfallslos in Szene gesetzt, so dass es ihnen sowohl an Reiz als auch Nachhaltigkeit mangelt. Die (wenigen) obligatorischen „Jump Scares“ laufen ineffektiv ins Leere – und erstaunlicherweise vermochte Landis selbst aus dem nächtlichen, vornehmlich innerhalb einer dieser stimmungsvollen alten Gotteshäuser angesiedelten Setting kaum Atmosphäre herauszukitzeln: Seine Herangehensweise mutet einfach zu plump an, wie im Falle der Trauung, bei welcher der Saal viel zu dunkel ausgeleuchtet wurde, was zusätzlich auf Kosten der Glaubwürdigkeit geht. Das ständige (vordergründige) ins Bild rücken irgendwelcher religiösen Symbole und Staturen, die ja überall in der Kirche zu finden sind, wirkt schon nach wenigen Minuten ausgereizt, geht aber bis zum (bitteren) Ende hin kontinuierlich so weiter – und ein ins Übernatürliche tendierende Moment, nämlich als Sam Carlos am Altar anschaut und sich dieser vor ihren Augen bzw in ihrem Kopf in ein (CGI-) Skelett verwandelt, ist gleich auf mehreren Ebenen misslungen. Wer darauf baut, sich zumindest auf den vom Regisseur gewohnten schwarzen Humor verlassen zu können, muss sich ebenfalls eines Besseren belehren lassen, denn die humoristischen Elemente sind zum einen recht spärlich gesät, zum anderen vermisst man bei ihnen sowohl Biss als auch eine inspirierte Einbettung in die Geschehnisse. Na ja – immerhin sind einige Momente ab und an unfreiwillig komisch…
Fazit: John Landis war bereits in seiner Position als Beteiligter an der „Masters of Horror“-Anthology (allein vom Titel ausgehend) relativ fehl am Platze – und in Gestalt seines vorliegenden Beitrags zu der „Fear Itself“-Reihe, welche ja an jene Serie anknüpfte, als diese in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr fortgeführt wurde, ist er auf diesem (eigentlich besser zu ihm passenden, weil jugendfreien) Parkett nun ebenfalls unschön gescheitert. Die Idee hinter „In Sickness and in Health“ barg durchaus eine Menge Potential in sich, keine Frage – bloß war weder die Skriptvorlage noch ihre Umsetzung letzten Endes dazu in der Lage, dieses in einem genügenden Maße anzuzapfen und umzusetzen, so dass unterm Strich schließlich nichts weiter als eine unbefriedigende wie unspannende Episode dabei herauskam, welche nach dem Preisgeben ihres „ach so großen Twists“ (besonders rückwirkend betrachtet) umso stärker verärgert … „3 von 10“