Review

1.7: Community - 4/10

„Community“, die von Regisseurin Mary Harron („American Psycho“) inszenierte siebte Folge der „Fear Itself“-Reihe aus dem Hause „NBC“, eröffnet in Gestalt einer nächtlichen Sequenz, in der ein junger Mann („Superman“ Brandon Routh) von einer Gruppe Hunde bei sich führender Männer durch einen verschneiten Wald gehetzt wird – bis ein blendend-weißes Licht ihn und seine direkte Umgebung plötzlich intensiv erhellt, (s)ein Schrei erklingt sowie eine Texttafel diese einleitenden Momente erst einmal konkret im zeitlichen Gesamtkontext verortet: Die eigentliche Haupthandlung, welche zu diesem Prolog hinführt und auf diesem Wege (durch die Vorwegnahme jener dramatischen Ereignisse) schon vorab unweigerlich mit einem unheilschwangeren Schatten versehen wurde, setzt nun im Anschluss daran fünf Monate zuvor ein…

Tracy (Shiri Appleby) und Bobby (Routh) bilden zusammen ein junges Ehepaar, das gern eine kleine Familie gründen möchte – allerdings nicht unbedingt in der lauten, dreckigen und ungemütlichen Großstadt, in welcher sie derzeitig wohnen. Besonders sie ist der Meinung, dass ihr (bislang bloß angedachtes) Kind auf jeden Fall in einer ruhigeren und angenehmeren (kurzum: besseren) Gegend aufwachsen soll. Eines Abends, im Rahmen eines Dinners mit ihren Freunden Meryl (Alex Fatovich) und Scott (Charlie Hofheimer), berichten ihnen diese von einer in sich geschlossenen kleinen Siedlung in der Vorstadt, genannt „the Commons“, deren Anwohner nach strengen Kriterien ausgewählt werden, um so ein möglichst ideales gemeinschaftliches Zusammenleben zu gewährleisten – „Picture-Perfect-Suburbia“ sozusagen, konzipiert und selektiert auf der Basis von Erfahrungswerten und demographischen Studien. Sie selbst wurden damals abgelehnt, worüber Scott inzwischen aber eigentlich recht froh ist – dennoch haben ihre grundsätzlichen Ausführungen (in Kombination mit der weniger ablehnenden Haltung Meryls) an dem Punkt bereits speziell Tracy´s Interesse derart stark geweckt, dass sie und Bobby die Wohnanlage schon bald darauf einfach mal (ganz unverbindlich) besichtigen fahren…

Die Einfamilienhäuser vor Ort stellen sich schnell als wunderschön heraus, die Anwohner treten sehr freundlich auf und die eigene kleine Infrastruktur wurde auffällig gut durchdacht – und sie scheinen zudem momentan sogar Glück zu haben, denn ein Pärchen mit Familienplänen würde sich aktuell geradezu optimal ins Konzept der Verantwortlichen einfügen, ein passendes (möbliertes) Eigenheim steht ebenfalls zum Verkauf frei, das zugehörige Finanzierungsmodell klingt verlockend sowie das im Gespräch von ihrer persönlichen Ansprechpartnerin (Barbara Tyson) allgemein Berichtete ohnehin. Bobby ist zwar leicht skeptisch – aber angesichts der herzlichen Begeisterung seiner Frau hält er sich absichtlich zurück. Nachdem sie dann tatsächlich den Zuschlag erhalten, dort einziehen und sich die ersten paar Wochen (für beide) als sehr wohltuend entpuppen, beginnen sich allerdings einige Merkwürdigkeiten zu häufen, welche insbesondere Bobby fortan zunehmend beschäftigen: Irgendwie scheint Tracy´s ausbleibende Schwangerschaft ein relativ verbreitetes Thema zu sein, alle Gebäude stellen sich als mit Kameras bestückt heraus, so dass man via TV-Gerät regelmäßig Zeuge werden kann, was in den anderen Haushalten so vor sich geht, und ihre direkten Nachbarn (John Billingsley & Bonita Friedericy) verhalten sich gelegentlich etwas seltsam – er zum Beispiel wirkt sporadisch verbittert, sie hingegen eher verängstigt. Als sich Bobby dann irgendwann auch endlich mal die Mühe macht, den gesamten anfänglich unterzeichneten Vertrag zu lesen, klären sich so einige Dinge schließlich schlagartig auf – nur nicht unbedingt beruhigend oder zum Guten...

„Community“ leidet sowohl merklich als auch hauptsächlich darunter, dass einem der generelle Aufbau und Ablauf einer Handlung wie der vorliegenden inzwischen beileibe nicht mehr unbekannt ist: Selbst wenn man auf die eingangs beschriebene Pre-Credits-Sequenz verzichtet hätte, sind einem eine Vielzahl der Motive und Elemente, welche Skript-Autor Kelly Kennemer („Music Within“) beim Verfassen seiner Vorlage in deren Ausgestaltung mit hat einfließen lassen, bereits in mehr oder minder ähnlicher Form aus diversen anderen (literarischen wie cineastischen) Werken vertraut – siehe nur mal Shirley Jackson´s 1948er Skandal-Story „the Lottery“, Ira Levin´s „the Stepford Wives“, „Population 436“ oder „the Wicker Man“, ganz zu schweigen von den vielen darüber hinaus reichenden (gängigen) „hinter der makellosen Fassade Suburbias lauert das Böse“-Geschichten. Nicht nur die prinzipielle inhaltliche Entwicklung, sondern selbst den eigentlichen Ausgang der Episode kann man sich demgemäß relativ rasch ausmalen bzw. erdenken – und Kennemer ist es leider in keiner Weise gelungen, dieser Gegebenheit effektiv entgegenzuwirken, etwa per Hinzugabe wahrhaft überraschender Wendungen oder herausragend clever ausgearbeiteter Set-Pieces…

Das vermeintlich erreichte Ziel eines sorglos-harmonischen Lebens in der Vorstadt, fernab der Gefahren, Einschränkungen und Belastungen der City, entpuppt sich nach und nach als ein wahrer Albtraum – jedenfalls sofern man nicht dazu bereit ist, die Augen vor bestimmten (vordiktierten und im Alltag auch aktiv durchgesetzten) Dingen zu verschließen, sich also mit ihnen abzufinden sowie sich fortan umfassend auf genau diese betreffenden (im Regelwerk der „Commons“ fest verankerten) Praktiken und Leitlinien einzulassen. Frühe Warnzeichen gab es einige – wie Scott´s spontanes Abraten, Bobby´s Bauchgefühl oder der perfekt ausgestattete Zustand des Hauses (der Vorbesitzer sei beruflich versetzt worden, wäre mit seiner Familie umgezogen und hätte den Großteil seiner Einrichtung zurücklassen müssen, heißt es dazu nur). Außerdem seien noch die zwischen den Zeilen herauszulesenden Informationen genannt, welche ihre Nachbarn preisgeben – seine Wortwahl und ihre Mimik verraten so einiges. Der schlimmste Fehler aber, den unsere beiden Leads begehen, ist zweifellos das Versäumen, den kompletten (im Rahmen des Kaufs aufgesetzten) Vertrag vorm Unterzeichnen vollständig zu lesen – ansonsten wären sie gewiss zügig über so manch eine Passage gestolpert, wie jene, die besagt, dass sie binnen sechs Monate ein Kind zeugen müssen, um nicht restlos alles zu verlieren. Warum ein nicht unintelligentes Pärchen (mit einem Anwalt als Kumpel) dies nicht getan hat – tja…

Entlang des Weges kommen einem (als Zuschauer) noch verschiedene ähnlich geartete Fragen in den Sinn – wie ob es wohl Zufall oder eine konkrete Intention der Gemeinschaft war, dass Tracy und Bobby erst nach mehreren Wochen herausfinden, dass alle Häuser (einschließlich Schlafzimmer) überwacht werden sowie das entsprechende Bildmaterial jedem in der Siedlung (via TV-Signal) zugänglich gemacht wird, oder warum sie nach dem Realisieren dieser Sachlage nicht augenblicklich ihre Koffer packen und verschwinden. Sollte jemand, unabhängig des Wissens, dass überall Kameras versteckt sind, dennoch einen Seitensprung wagen und dabei „in flagranti“ erwischt werden, darf der/die Betrogene seinem/ihrem untreuen Partner übrigens eine Strafe auferlegen – etwa dass sich diejenige Person (eine Schweinemaske tragend) auf den Markplatz stellen sowie von den Leuten mit Gemüse bewerfen lassen muss. Das „Kollektiv“ zählt, weshalb Privatsphäre klein geschrieben und möglichst viel öffentlich ausgebreitet wird – was den Zusammenhalt stärken soll. Aber unsere zwei Liebenden halten trotzdem tapfer weiter durch – ganz egal, dass dem Mann von nebenan (angetrunken) einige beunruhigende Worte rausrutschen und er danach etliche Tage lang verschwindet, nur um später „lobotomisiert anmutend“ wieder aufzutauchen. Erst als eine verängstigte Frau am helllichten Tage in ihrer Panik vor ein Auto läuft und alle Zeugen sofort von einem „offensichtlichen Selbstmord“ sprechen, fassen sie schließlich den Entschluss, mit Hilfe eines (Flucht-)Plans den „Ausstieg“ zu wagen bzw. diesen endlich auch aktiv anzugehen…

An jener Stelle erhält die Episode einen (schon länger notwendigen) Schub, da die „umgebende“ (jedoch bis dato überwiegend unterschwellig-verborgene) Gefahr dann auf einmal direkt an die Oberfläche tritt und zu einer konkreten Bedrohung wird: Da klar ist, dass man sie definitiv nicht so ohne weiteres ziehen lassen wird, bittet Bobby Maryl und Scott um Unterstützung, um so zumindest (der inzwischen schwangeren) Tracy einen sicheren Vorsprung zu verschaffen – leider ist seine Idee nicht ausnehmend gut durchdacht und mündet schließlich in einem Moment des Blutvergießens (die wohl beste Szene des gesamten Verlaufs) sowie in der eingangs ja (quasi als „Teaser“) vorweggenommenen Verfolgungsjagd, welche die Geschehnisse endlich mal mit solch förderlichen Eigenschaften wie Rasanz und Spannung anreichert. „Natürlich“ darf ein finaler, im vorliegenden Fall primär von zwei der beteiligten Protagonisten ausgehender Twist nicht ausbleiben, welcher allerdings (ebenso) nicht umfassend schlüssig ausgefallen ist, da einer der beiden plötzlich ganz neue Einstellungen und Charakterzüge an den Tag legt, die schlichtweg einer plausiblen Erklärung entbehren, während das Verhalten seiner Begleiterin immerhin halbwegs nachvollziehbar erscheint. In den Abspann entlassen wird man letztlich infolge eines „bitter-bösen“ Epilogs, welchen ich am Ende dieser Besprechung noch einmal kurz aufgreifen werde…

Brandon Routh („Lie to Me“) erweckte 2006 die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, als Byran Singer den im Vorfeld nahezu unbekannten Schauspieler für die Hauptrolle seiner überteuerten „Superman Returns“-Bruchlandung verpflichtete – seither hat man kaum mehr etwas von ihm gehört, was angesichts seiner eher hölzernen Darbietungskünste auch locker als „nicht weiter tragisch“ einzustufen ist. Hier tritt er (erneut) einigermaßen sympathisch, allerdings mit evidenten darstellerischen Schwächen behaftet auf – seine Dialogzeilen wirken vornehmlich leblos vorgetragen, ohne erkennbare Nuancen oder glaubwürdige Emotionen dahinter. Die anfangs nicht sonderlich ausgeprägte Chemie zwischen ihm und seiner liebenswerten Screen-Partnerin Shiri Appleby (TV´s „Roswell“/„Havoc“) verbessert sich zum Glück stetig – was ebenfalls auf ihre Performance zutrifft, denn je stärker sie gefordert wird, zum Beispiel hinsichtlich ihrer charakterlichen Ausprägungen (so einiges verändert sich, als sie tatsächlich schwanger wird), desto überzeugender agiert sie. Die Nebenrollen wurden u.a. mit Alex Fatovich („Screw Cupid“), Brooklyn Sudano („Alone in the Dark 2“), Barbara Tyson („Battle in Seattle“), John Billingsley (TV´s „Enterprise“) und Bonita Friedericy („Alien Raiders“) allesamt solide besetzt – speziell letztere drei (als „Commons“-Repräsentantin Candace sowie die nebenan wohnenden Phil und Debra) ragen aus jenen Reihen positiv erwähnbar heraus bzw. hervor.

Kelly Kennemer´s Teleplay mangelt es keinesfalls an interessanten Story-Ansätzen – wie etwa die vor dem Hintergrund heutiger Gesellschaftsausprägungen gestellte Frage danach, welchen individuellen Preis man zu zahlen bereit wäre, um in einer sicheren, geregelten und (seitens des Umfelds) angenehm gestalteten Umgebung leben zu können, fernab von Dingen wie Kriminalität, Anonymität oder diversen anderen negativen Einwirkungen – bloß reicht der (Format-bedingte) zur Verfügung stehende Rahmen (der Serie) einfach nicht aus, um genügend in die Tiefe der Materie vorzustoßen, ohne die Krimi/Thriller-Elemente der Handlung dabei nicht zu sehr an den Rand des Geschehens zu drängen. Es wird angeführt, dass die Gestaltung und Zusammensetzung der Siedlung auf akribischen Studien beruhen würde (man betrachtete dabei wohl die Erfahrungswerte verschiedenster Kulturen im Laufe der Weltgeschichte), um auf diesem Wege eine möglichst ideale Balance im täglichen Miteinander zu schaffen (Höhe des prozentualen Anteils von Single- und Familienhaushalten etc.) – wer aber nun konkret dafür verantwortlich ist oder wie sich der genaue Kontext (nicht nur in diesem Bereich) zusammensetzt, das erfahren wir leider nicht, ebenso wenig wie die Weite der involvierten Kreise (gerade über die Jahre hinweg) oder wie die „Kontrollinstanz“ denn überhaupt aufgebaut ist, welche ja „bei Bedarf“ bzw. „gesehener Notwendigkeit“ beileibe nicht zimperlich vorgeht (u.a. kommen Gehirnwäschen und Verstümmelungen offensichtlich regelmäßig zum Einsatz)…

Aufgrund einiger Zeitsprünge, welche zum Teil mehrere Wochen am Stück überbrücken, erhält die Episode zudem einen leicht fragmentarisch anmutenden Touch – im Prinzip wird einem der Inhalt in lauter dosierten Schüben präsentiert, weshalb sich sowohl die Beziehung der zwei Leads (entlang der aufgezeigten Bahnen) nicht wirklich fließend homogen zu entwickeln vermag als auch das allgemein erhoffte ungemütliche Feeling einer schleichenden (von den sie umringenden Umständen ausgehenden) Bedrohung zu keiner Zeit im ersehnten Umfang generiert werden kann. Auf Dauer erkeimt ein höchst oberflächlicher Eindruck des Gebotenen, da man dem Publikum schlichtweg zu viele Informationen verwehrt – selbst simple Fragen (wie nach Bobby´s Job) bleiben unbeantwortet. Technisch solide umgesetzt, obgleich mir persönlich die exquisite Aufnahmequalität der Überwachungskameras gegen den Strich ging, hätte ich mir insgesamt allerdings deutlich mehr von einer talentierten Filmemacherin wie Mary Harron („I shot Andy Warhol“/„the Notorious Bettie Page“) versprochen: Unterm Strich ist es ihr nicht ausreichend genug gelungen, ein effektives Maß an Suspense und Atmosphäre zu erzeugen – in Kombination mit der eher mäßigen Skript-Vorlage, welche ihr nur zur Verfügung stand, haben speziell diese Faktoren letztlich dazu geführt, dass „Fear Itself: Community“ nicht zu dem reizvollen Psycho-Thriller geworden ist, der er (rein von seinem Storyfundament ausgehend) durchaus hätte sein können. Die finale Einstellung ist übrigens die einzige, welche unweigerlich eine gewisse Reaktion beim Zuschauer auslöst – allerdings aus den absolut falschen Gründen heraus, denn jener kurze Epilog, welchen ich hier natürlich nicht im Detail preisgeben werde, erhält in erster Linie durch die Tatsache, dass „Superman“ Routh 2006 ja quasi zum Nachfolger des verunglückten Christopher Reeve wurde, einen unglaublich anstößigen Beigeschmack, der so beim besten Willen nicht hätte sein müssen…

knappe „4 von 10“

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