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In Deutschland gab es bis Mitte der Zwanziger Geschworenengerichte, ähnlich derer, die heute in den USA die Jury bilden. Im Lauf der Jahrzehnte standen diese Geschworenen im Zentrum guter Streifen verschiedener Genre, wie „Die 12 Geschworenen“, „Die Jury“ oder „12“.
Innerhalb des Horrorgenres kommt es in diesem Zusammenhang eher zu Rachegeschichten, bei denen verurteilte Killer die vermeintlichen Verantwortlichen heimsuchen, wie im vorliegenden Fall.

Seitdem der verurteilte Schänder Karlsson wieder auf freiem Fuß ist, sucht er sämtliche Jury-Mitglieder seines Prozesses auf, um sie kurzerhand zur Strecke zu bringen. Auf seiner Liste stehen auch die befreundeten Kellnerinnen Vicki und Claire, welche noch nichts von dem Treiben des Tunichtguts ahnen…

Ein derart schlicht konzipierter Slasher, der hauptsächlich in einem amerikanischen Wüstenkaff spielt, benötigt drei wesentliche Komponenten, um effektiv zu funktionieren: Sauber charakterisierte, potentielle Opfer fürs Mitfiebern, ein fieser Killer mit etwas Profil und blutige Morde für die Fraktion der Gorefreunde.
Leider ist kaum etwas davon gegeben.

Der maskierte Killer (im Knast wurde ihm von schweren Jungs die Gesichtshaut abgezogen) erhält nur einen bruchstückhaften Hintergrund, spricht kein Wort und geht unerschrocken zur Sache, während die Kellnerinnen ein Abziehbild provinzieller schlichter Gemüter darstellen.
Hinzu kommen ein gelackter FBI-Mann, ein älterer Deputy, ein Wirt und ein Ex von Claire, der die Geschichte im Mittelteil eher aus dem Tritt bringt, als ihr einen roten Faden zu verleihen.

Zwar geht das Dahinsiechen bereits nach wenigen Minuten mit einem weggeschossenen Kopf los, doch es folgen lahme und teilweise im Off stattfindende Ableben, die keinerlei Splattereffekte beinhalten. Erst im Schlussakt wird eine Zunge abgeschnitten und eine Gesichtshaut abgezogen, während andere Opfer völlig von der Bildfläche verschwinden.
Ohnehin gestalten sich die Morde recht phantasielos und unspektakulär, während etwas Bewegung erst im letzten Drittel ins Spiel kommt.
Bis dahin sucht man nach Zusammenhängen verschwundener Personen, es gibt ein wenig Ärger in einer Kneipe, jemand wird von hinten überfahren und ein Junkie leistet bewaffneten Widerstand, was alles in allem nur leidlich unterhält.

Erst als sich Claire und Vicki dem Schlächter ausgeliefert sehen, kommt endlich Tempo ins Spiel und auch ein wenig Suspense wird geschürt, als man sich in der Höhle des Löwen befindet. Zwar gestaltet sich der Showdown weitgehend überraschungsfrei, doch er holt dramaturgisch ein wenig von dem nach, was er bis dato innerhalb des ereignisarmen Verlaufs versäumt hat.

Darstellerisch ist noch nicht einmal allzu viel zu bemängeln und auch handwerklich spielt vor allem die Kamera recht gut mit und der Score ist zumindest zweckdienlich.
Das Drehbuch versäumt es allerdings, die Figuren mit logischem Handeln auszustatten, so dass hin und wieder Kopfschütteln angesagt ist, wenn man in prekärer Situation genau die fatale aller Richtungen einschlägt.
Dazu passen einige Dialoge vom Reißbrett einer Seifenoper, die fast schon zum Schmunzeln anregen.

Was „XII“ am ehesten fehlt, ist ein wenig Abwechslung innerhalb der eher tristen Kulisse und des eindimensionalen Ablaufs. Alle Eckpunkte der Geschichte sind nach kurzer Zeit erahnbar, während die Protagonisten zu facettenlos daherkommen, um Interesse zu erwecken.
Zudem mangelt es an kreativen und blutigen Morden, zumal Suspense allenfalls zum Finale spürbar wird, - im Gesamtbild zu wenig, um Genrefreunde zu begeistern.
3,5 von 10

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