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In Virginia verschwinden mehrere Frauen, darunter eine FBI-Agentin und ein ehemaliger Geistlicher, gespielt von Billy Connolly, der wegen sexuellen Vergehen an ein paar Messdienern entlassen wurde, behauptet, er hätte Visionen und führt die Ermittler auf eine heiße Fährte. Die leitende Ermittlerin, gespielt von Amanda Peet, beschließt die beiden ehemaligen FBI-Ermittler für paranormale Ereignisse Fox Mulder und Dana Scully, gespielt von David Duchovny und Gillian Anderson, in den Fall zu involvieren.

Seit nunmehr 6 Jahren ist die Serie "Akte X" eingestellt und der letzte Film der beiden Ermittler liegt schon eine ganze Dekade zurück und dennoch entschloss man sich nun, dass seit 2001 geplante Projekt "Akte X - Jenseits der Wahrheit" doch noch zu realisieren. Während "Akte X - Der Film" noch eng an die Serie geknüpft war und zwei Staffeln miteinander verband, wurde dieser Film bewusst ohne größeren Zusammenhang mit der Serie gedreht, in dem Wissen, dass die Fans der Serie, die seit sechs Jahren nichts neues aus den X-Akten erfahren konnten, sowieso ins Kino strömen würden und mit der Chance vielleicht doch noch ein paar jüngere Zuschauer, die die Serie, so wie ich, nie oder selten gesehen haben, vielleicht doch noch für Fernsehserie zu begeistern. Sowohl die Regie, das Drehbuch, als auch die Produktion übernahm dabei Chris Carter, der schon bei der Serie mehrfach Regie geführt hatte, aber in seinem Leben keinen einzigen Kinofilm inszenierte. Alles in allem ist das lang geplante und erwartete Filmprojekt nicht so schlecht, wie man hätte befürchten können, aber leider auch nicht mehr als solide Kost aus dem Genre-Regal.

Die Szenerie wird mit ein paar düsteren Bildern und der eiskalten, schneebedeckten Kulisse von Vancouver eröffnet und mit der üblichen mysteriösen Filmmusik kann Chris Carter zunächst einmal mit Leichtigkeit eine bedrohliche Atmosphäre aufbauen. In der ersten halben Stunde wird die Handlung zunehmend unvorhersehbarer und mysteriöser und durch die guten Darsteller, einen Schuss Humor und die, nach wie vor angespannte Atmosphäre kann Carter weiterhin gut unterhalten.

Das war's dann aber leider auch schon. Im Mittelteil beginnt nämlich mehr und mehr die unterdurchschnittliche und alles in allem doch recht konventionelle und stereotype Story zu greifen und lenkt den Film mehr und mehr auf die altbekannten Laufbahnen des Genres. Der Kriminalfall, um den sich die Handlung im Wesentlichen dreht, befindet sich im großen und ganzen auf dem Niveau einer Tatort- oder CSI-Folge und hätte die Laufzeit wohl kaum füllen können. Also überlegt man sich einen Subplot um Dana Scully, die nun als Ärztin arbeitet und ein Kind mit einer gefährlichen Gehirnkrankheit behandelt. Die Nebenhandlung ist leider vollkommen überflüssig, trägt nicht einmal im Ansatz zu der Vertiefung der Charaktere bei und ist somit schlicht und einfach überflüssig und bremst den Film nur unnötig aus. Der mysteriöse Aspekt des Films um den durchgedrehten Geistlichen und seine Visionen löst sich im Mittelteil mehr oder weniger in Luft auf und läuft leider ins Leere. Was bleibt ist also ein durchschnittlicher Krimi, der als Serienfolge ganz brauchbar gewesen wäre, aber für die Leinwand definitiv zu schwach ist. Zudem stört, dass sich "Akte X - Jenseits der Wahrheit" bedauerlicherweise die ganze Zeit über im Rahmen des Möglichen bewegt und damit bei Weitem nicht so mysteriös wie die Serie oder andere Filme des Genres ist. Ein bisschen mehr Mystery hätte dann doch drin sein können.

Beim Drehbuch hat Carter also offensichtlich versagt, aber bei der Inszenierung kann er zumindest einen Teil der Schwächen kompensieren. Carter prescht die ganze Zeit über mit einem relativ schnellen Erzähltempo voran und erzeugt somit glücklicherweise wenig Leerlauf, wobei die dümmlichen und pseudo-vielschichtigen Dialoge zwischen Mulder und Scully nerven. Die düstere und trostlose Atmosphäre kann er mit gekonnten Aufnahmen seiner düsteren, eisigen und trostlosen, aber dennoch sehenswerten Kulisse halten und auch an der spannungsteigernden Filmmusik und deren Dosierung gibt es überhaupt nichts auszusetzen. Leider nutzt Carter diese dichte Atmosphäre nicht aus, um gezielte Schockmomente zu erzeugen und erschreckt leider viel zu selten. Zum Ende hin kann Carter die Spannung zunehmend steigern und mit der einen oder anderen blutigen Szene und dem zunehmenden Erzähltempo bekommt er einen soliden Spannungsbogen aufgebaut, der noch höher gewesen wäre, wenn er den Handlungsstrang um den gehirnkranken Jungen weggelassen hätte. Das Finale ist ganz gut gelungen, ist aber schnell wieder vorbei und auch die Fragen, die in den letzten Szenen aufgeworfen werden sind kaum eine tiefere Überlegung wert. Ein paar Schockmomente mehr und ein bisschen mehr Eigenironie hätten dem Film sicherlich gut getan.

Vermutlich war es nicht sonderlich schwer David Duchovny und Gillian Anderson für den Film zu begeistern, da beide nach ihrer Zeit bei "Akte X" kaum in größeren Produktionen zu sehen waren und in Hollywood nicht Fuß fassen konnten. David Duchovny spielt sein übliches Programm solide herunter, zeigt aber einfach zu wenige Gefühlsregungen, um sich weiterzuempfehlen. Gillian Anderson ist besser und kann sich vor allem in den gemeinsamen Szenen mit dem gehirnkranken Jungen mit einer starken und emotionalen Leistung empfehlen. Mit Amanda Peet und Billy Connolly konnten immerhin zwei etablierte Hollywood-Darsteller für den Film gewonnen werden. Amanda Peet, die man eher aus Komödien wie zuletzt "Dein Ex - Mein Alptraum" und "Mein Kind vom Mars" kennt, kommt mit ihrer Rolle der Ermittlerin in diesem Film ziemlich gut zu Recht. Billy Connolly liefert die definitiv beste Leistung des Films ab und ist als durchgedrehter Geistlicher einerseits unheimlich und undurchsichtig, andererseits aber auch sympathisch und stellt die anderen Darsteller mit einer hohen Leinwandpräsenz locker in den Schatten.

Fazit:
Mysteriös ist "Akte X - Jenseits der Wahrheit" leider kaum und richtig spannend wird er auch nicht, kann aber mit ordentlichen Darstellern, einer trostlosen und düsteren Atmosphäre und einem schnellen Erzähltempo solide unterhalten, auch wenn er stellenweise durch überflüssige Subplots ausgebremst wird.

58%

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