Akte unbekannt - Der unheimlich langweilige Zeitvertreib von Mulder und Scully.
Das FBI steht vor einem Rätsel. Agentin Dakota Whitney (Amanda Peet) befasst sich vergeblich mit einem Fall mit einer entführten Kollegin. Der pädophil veranlagte und einstige Pater Joseph Crissman (Billy Connolly) unterstützt diese auf Basis von übernatürlichen Visionen die er angeblich empfängt. Da eine Suche in einer verschneiten abgelegenen Gegend mit einem gefundenen abgetrennten Arm endet entscheiden sich Agentin Dakota und ihr Partner Mosley Drummy (Xzibit) Experten heran zu ziehen, die sich schon öfter mit übernatürlichen Fällen befasst haben. Sie nehmen Kontakt zur einstigen Agentin Dana Scully (Gillian Anderson), die sich als Ärztin in einem katholischen Krankenhaus etabliert, auf um an den ebenfalls einstigen Mitarbeiter und entschwundenen Fox Mulder (David Duchovny) heranzukommen.
Lange mussten Fans auf einen früh angekündigten und nach Absetzung der Serie schnell verworfenen zweiten Kinoausläufer von "Akte X" warten. Nach nunmehr 10 Jahren des ersten Kinofilms und knapp 6 Jahren nach Austrahlung der letzten Folge der erfolgreichen Mysteryserie ist es nun soweit, und man muss zugeben, die Pause hat weder den Schauspielern noch dem Regisseur Chris Carter gut getan.
"Akte X - Jenseits der Wahrheit" ist vor allem eines: Langeweile und Einfallslosigkeit pur. Schleppend und unmotiviert wandern die einst so geliebten Protagonisten Mulder und Scully von Ort zu Ort, sind sich uneins (was ja schon immer der Fall war), trennen sich und führen ihr Alltagsleben weiter (!) und finden nach Gewissenskonflikten doch wieder zueinander.
Verantwortlich hierfür ist ein schwaches, innovationsloses Drehbuch. Die Thematik einen Seher zu Ermittlungen hinzu zu ziehen gab es in ähnlicher Form schon in der Folge "Die Botschaft" der ersten Staffel, was nicht verwerflich anzusehen ist. Allerdings ist die Folge wesentlich spannender, abwechslungsreicher und vor allem emotionaler gestaltet. Im Film wird noch nicht einmal annähernd das Niveau dieser Folge erreicht.
Bis überhaupt etwas Spannung aufkommt vergehen allein zwei Drittel des Films. Dies hat der Film der Neueinführung der Charaktere zu verdanken, wobei allerdings jede Menge Anschluss- und Logikfehlerfehler im Hinblick zur Serie entstehen. Denn eigentlich war Mulder doch von der Regierung zur Jagd freigegeben, lässt sich aber dann mir nichts, dir nichts im FBI Gebäude blicken ohne sich vorher für sein Leib und Leben abzusichern, was dann aus unerfindlichen Gründen auch nicht mehr nötig ist. Zudem ist Scully plötzlich Ärztin in einem katholischen Krankenhaus. Für den Serienliebhaber sind diese Fakten nicht sonderlich anschlussfreundlich gestaltet.
Dazu muss man mir wohl noch die unterschwelligen Botschaften, die durch die Porträts der Präsidenten Bush und Roswell im FBI ausgelöst werden, erklären. Sind die beiden Aliens? Ich wusste es...
Wir erinnern uns: "Akte X - Die unheimlichen Fälle des FBI" war eine Serie welche die Faszination durch unerklärliche Phänomene bestimmte. Dies waren unter anderem Außerirdische, genetisch veränderte Menschen und Tiere, Viren und Monster, eigenständig handelnde künstliche Intelligenzen, Wahrsager, Seher, entbrannte natürliche Elemente, nicht nachvollziehbare religiöse Ereignisse, ... Der Inhalt war stets mysteriös, düster, unheimlich, spannend und hin und wieder sogar actionreich angereichert.
Der zweite thematisierte "Akte X"-Film hat hier nicht viel zu bieten. Mysteriös ist einzig und allein der seherisch veranlagte Pater Joseph Crissman. Von unheimlicher, düsterer Atmosphäre kann nicht die Rede sein, Action gibts so gut wie keine. "Akte X" typisch sind nur die beiden Hauptcharaktere, ihr ständiger Konflikt zwischen Wissenschaft und Paranormalem und der offene Schluss. Dies ist aber zu wenig um über 100 Minuten begeistern zu können.
Passend ist noch die stimmungsvolle Musik von Mark Snow, der als einziger das Serientypische Niveau bringt.
Die einstige Crew kann ihre Figuren noch nahebringen, dies betrifft David Duchovny, Gillian Anderson und der kurz auftretende Mitch Pileggi. Die restlichen Schauspieler sind zweckmäßig und verbleiben gewollt im Hintergrund.
Wäre die katastrophale Übersetzung des passenden Untertitels "I want to believe" in "Jenseits der Wahrheit" nicht schon schlimm genug, trübt die deutsche Synchronisation den Eindruck noch mehr. Eine gefühlte halbe Stunde musste ich mich an die neue Synchronstimme von David Duchovny gewöhnen, einige Sprecher wirken unmotiviert und die Schreie einiger Frauen wirken gar gruselig im übertragenen Sinne. So kann man natürlich auch für Gänsehaut sorgen.
Die Zeiten der Mysteryserien und Filme sind vorbei, dies sieht man nicht nur im Fernsehprogramm sondern auch in den Kinos. Die Nachfrage ist gering geworden. Und wenn man "Akte X - Jenseits der Wahrheit" sieht weiss man auch warum. Denn wenn selbst der einstige Stern des Mysteryprogramms durch eine schleppende Handlung und Innovationslosigkeit pure Langeweile ausstrahlt, lasse ich mich doch lieber dadurch in den Schlaf wiegen als gespannt vor der Flimmerkiste zu sitzen. Als einstiger "Akte X" Anhänger gibts unterdurchschnittliche...
4 / 10