„Ein Film über besondere Menschen“ wird „Finnischer Tango“ untertitelt, das läßt auf eine Auseinandersetzung mit ungewöhnlichen Figuren hoffen.
Möglicherweise sind die Behinderten in der WG gemeint, in der ein Hauptteil des Films spielt, möglicherweise auch der Hauptdarsteller, der ein Beispiel an Antriebslosigkeit, Ziellosigkeit und Perspektivlosigkeit, in Verbindung mit einem traumatischen Erlebnis sein soll.
Gerecht wird Buket Alakus Film aber leider niemandem von ihnen.
Das soll nicht heißen, daß es sich nicht streckenweise um einen sehr amüsanten Film handelt, er hat sogar einige hervorragende, beißend witzige Szenen, die auch länger im kollektiven Gedächtnis hängen bleiben und die nicht selten den Darstellern und ihren sehr natürlich gespielten Fähigkeiten geschuldet sind.
Oberster Kritikpunkt ist vielmehr das sehr ausgefranste Drehbuch, daß den Zuschauer erst mal eine ganze Weile im Unklaren läßt, wer denn hier nun eigentlich die Hauptperson sein soll, die scheinbar erwählte Figur über die Klinge springen läßt, um dann erst mal durch ein paar Bilder typischer Krisencomedy zu schwanken.
Wenn dann Protagonist Alex, ein typischer Schnorrer, über den Klau eines Behindertenausweises in einem Theaterprojekt für „Besondere“ landet, spürt man schon, in welche Richtung sich das hier entwickeln könnte, nämlich in Richtung Bekehrung und Wiedererweckung. Nur ist es diesmal eben nicht Til Schweiger, sondern Christoph Bach, der den in Geldnot Geratenen spielt (und damit natürlich auch besser), der entdeckt, daß die „Mitbehinderten“ eigentlich extrem aufbauende Leute sind.
Das Ziel des Films steht dabei in keiner Minute außer Frage, aber man muß positiv anführen, daß der Film die abgedroschensten Fußangeln überemotionalen Kinos vermeidet und auch die unvermeidbare Liebesgeschichte in soften Ansätzen abhandelt, stattdessen sich auf die Bekehrung Alex konzentriert.
Nur wirkt das dann auch nicht sonderlich innovativ, sondern eher extrem beliebig, jeder WG-Bewohner bekommt sozusagen sein eigenes Set-Piece mit Alex, doch die Puzzleheilung bleibt eben auf die Häppchenart begrenzt. Immer wieder läuft der Film leer, werden Handlungsstränge, die offenbar nur aus erzählerischem Potential angeschnitten wurden, nicht weiterverfolgt; kommen Füllszenen in denen Alex den titelgebenden Tango auf seinem Akkordeon schmettert, was nun überhaupt nicht zum Tenor des Films passen will.
Die finale Episode mit dem MS-kranken Rudolf kommt dann schon arg vorhersehbar daher.
Das alles ist in ruhige, nachdenkliche Bilder gefaßt, die aber sehr bemüht so wirken sollen und damit qualifiziert sich der Film eher fürs ZDF, speziell für das kleine Fernsehspiel, wo er als Erstling vermutlich ermutigende Qualität ausstrahlen würde, wenn auch noch eine gewisse Unfertigkeit, eine gestandene Regisseurin wie Alakus jedoch kommt dabei in die Nähe der Flickschusterei, ist der Film doch eher eine amüsante Patchworkdecke, die glücklicherweise die Behinderten ganz natürlich einfängt und nicht zum Fremdschämen einlädt. Für das Schicksal des Protagonisten jedoch, seine Depressionen, sein Trauma, hat man leider Gottes nie so richtig Zugang, zu beherrscht, zu unemotional, zu sehr auf leicht komödiantisch ist das ausgelegt, um das Drama der Figur deutlich zu machen. Alex bleibt ein Chiffre und der Zuschauer ist von so wenig Zielausrichtung leider irgendwann leicht strapaziert, weil das Ende scheinbar nie in Sicht kommt, um einen dann überraschend doch einzuholen. Ein schöner Versuch, aber leider nicht gelungen. (5/10)