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Offenbar werden immer noch einige Filmemacher von den gängigen asiatischen Plagegeistern inspiriert, zusammen mit klassischen Gruselzutaten wie einem finsteren Krankenhaus und plötzlich auftauchenden Gesichtern in Spiegeln, einen Film zu schustern, der am Ende sogar eine FSK12 erhält.
Das Debüt des Deutschen Robert Franke offenbart durchaus inszenatorische Stärken, doch die lahm aufgezogene Geschichte dürfte selbst bei unerfahrenen Betrachtern einschläfernd wirken.

Krankenschwester Sovia patzt bei einem Eingriff, woraufhin ihr die Schuld am Tod der jungen Patientin gegeben wird. Kurz darauf wird sie von einem Auto angefahren und erfährt im Koma so etwas wie eine Nahtod-Erfahrung mit Berührung der just Verstorbenen.
Danach entdeckt Sovia ein Hämatom an ihrer Schulter und auch einige Menschen in ihrem Umfeld weisen mit einem Mal unerklärliche Blutergüsse auf, bis ein ehemals befreundeter Arzt stirbt und die Polizei Sovia verdächtigt…

Aus der Geschichte hätte gewiss ein stimmungsvoller Gruselfilm werden können, denn an der Optik gibt es wenig auszusetzen. Ausgeblichene Farben, erhöhte Kontraste in trister Schwarzweiß-Umgebung, verstärkte Töne in Grau, Blau und Silber sorgen zumindest innerhalb des Hospitals für einige stimmungsvolle Momente.
Auch die Kamera liefert gestochen scharfe Bilder aus überlegten Blickwinkeln und selbst die teilweise unerfahrenen Mimen liefern durch die Bank passable Leistungen ab.

Doch nach dem gemächlichen Vorlauf, der etwas wortkarg und distanziert gegenüber seinen Figuren anmutet, weiß sich das Erzähltempo zu keiner Zeit zu steigern und selbst Szenen, die eigentlich Suspense schüren sollen, stranden nach einigen viel zu langen Szenen im Nichts. Erschwerend kommt hinzu, dass sämtliche Ableben ausgeklammert werden und selbst Leichen nur aus der Distanz eingefangen werden, von Anblicken in der Pathologie ganz zu schweigen.
An kleinen Schreckmomenten bleiben allenfalls unerklärliche Geräusche, das eine oder andere plötzlich auftauchende Gesicht der verstorbenen Patientin und flackerndes Licht in einigen Räumen: Nichts, was man nicht bereits hundertfach gesehen hat.

Leider bewahrheitet sich auch die Befürchtung, dass die Geschichte ohne sonderliche Pointe mittendrin enden könnte. Anstatt den unheimlichen Vorkommnissen auf den Grund zu gehen, wird kein Motiv für die Tötungen geliefert, plötzlich ist auch ein unbeteiligter Polizist betroffen und merkwürdigerweise sterben nicht alle, welche zuvor von Sovia berührt wurden.
Mal abgesehen von diesen Logiklöchern entsteht kein Mitfiebern, die Figuren sind einem größtenteils gleich und lediglich die fein abgestimmte Soundkulisse verhindert das vorzeitige Wegschlummern.

Auch wenn der Streifen im Gesamtbild nicht wie eine Amateurproduktion aussieht und handwerkliche Ambitionen auszumachen sind, so wirkt die Geschichte und seine dazugehörigen Zutaten doch reichlich unausgegoren und trocken umgesetzt.
Regisseur Franke sollte bei seinem nächsten Streifen berücksichtigen, dass lange Einstellungen nicht immer automatisch mehr Spannung erzeugen und dass kleine Gewalteinlagen für wenig Geld in Szene zu setzen sind, - mit einer FSK16 dürfte der reine Horrorfilmfan zumindest nicht mehr ganz so sehr abgeschreckt werden…
3,5 von 10

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