„Ain't much difference killin' gators or killin' coonies. Just a little messier, that's all.”
Der vierte Film der US-amerikanischen Low-Budget-Exploitationfilmer Beverly und Ferd Sebastian („Rocktober Blood – An der Schwelle zum Wahnsinn“) trägt den Titel „‘Gator Bait“, der deutsche Verleih machte „Hetzjagd im Sumpf“ daraus. Der Rape’n’Revenge-Streifen feierte im Jahre 1973 seine Premiere, also ein Jahr nach den artverwandten „The Last House on the Left“ und „Beim Sterben ist jeder der Erste“, aber noch deutlich vor „I Spit On Your Grave“ und „Die letzten Amerikaner“ – dabei wirkt er im Prinzip wie eine Art reduzierte Mischung aus den beiden letztgenannten.
Die junge Cajun Desiree (Claudia Jennings, „The Stepmother“) lebt in den Sümpfen Louisianas im Einklang mit der Natur. Während der Jagd mit dem Motorboot gerät sie an den Redneck-Nachwuchs Billyboy (Clyde Ventura, „Mir hat es immer Spaß gemacht“) – einem Deputy – und Ben (Ben Sebastian, „Rocktober Blood“), die ihr auflauern und sie so sehr belästigen, dass sie sich zur Wehr setzen muss. Als Billyboy daraufhin wild um sich schießt, trifft er versehentlich Ben tödlich. Der örtliche Sheriff (Bill Thurman, „Unheimliche Begegnung der dritten Art“) ist Billyboys Vater. Diesem berichtet er feige, Desiree habe Ben erschossen. Bens Vater sinnt daraufhin auf Rache und zieht mit seinen beiden Söhnen los, um Desiree zu Rechenschaft zur ziehen. Dabei treffen sie jedoch lediglich auf deren Schwester Julie (Janit Baldwin, „Columbo: Schwanengesang“) und den kleinen, stummen Bruder. Ihren Hass reagieren die Männer nun an der Schwester ab und ermorden sie grausam. Doch nun zieht Desiree in den Krieg und beweist mehr Härte und Geschick, als ihre Gegner für möglich gehalten hätten…
Das ehemalige Playmate Claudia Jennings ist die Hauptdarstellerin und -attraktion dieses kurzweiligen Films; in knappen Klamotten, barfuß und mit wallender roter Mähne erinnert sie ein wenig an Raquel Welsh in „Eine Million Jahre vor unserer Zeit“. Die Kamera zoomt häufig auf ihre für ein Leben als Halbwilde in den Sümpfen ungewöhnlich gepflegten Füße, ihre Brüste bleiben jedoch stets verhüllt. Zweite Hauptattraktion ist die grüne Sumpflandschaft, durch die sich ein Fluss schlängelt, auf und in dem sich ein nicht unbeträchtlicher Teil der Handlung abspielt.
Positiv konnotierte erwachsene, männliche Figuren sucht man vergeblich. Der Deputy und sein Kumpel werden von vornherein als Volldeppen gezeichnet und eine irritierende Auspeitschungsszene relativ zu Beginn macht klar, wozu auch die älteren frauenhassenden Kerle hier imstande sind. Die von Janit Baldwin gespielte Julie gibt sich sogar etwas freizügiger als Jennings, in einer Nacktbadeszene trällert sie betont naiv „lalala“ vor sich hin, als gäb’s keine Bosheit auf dieser Welt, bevor das Unglück über sie hereinbricht. Ihre Vergewaltigung wird indes lediglich angetäuscht, das degenerierte Pack erschießt sie lieber direkt. Den Kontrast zu diesen harschen Gewaltszenen bilden im direkten Anschluss wieder betont idyllische Szenen Desirees mit ihrem kleinen Bruder inmitten der malerischen Natur, in der sie bezeichnenderweise dennoch auf Dosen im Fluss ballern – typischem Redneck-Freizeitvergnügen also gar nicht so unähnlich. Möglich, dass den Sebastians diese Analogie gar nicht aufgefallen ist.
Den Rape’n’Revenge-Gesetzmäßigkeiten folgend dezimiert sexy Desiree die Mörder ihrer Schwester empfindlich, welche sich allerdings auch längst untereinander kräftig in den Haaren haben. Das hat man zwar alles schon mal spannender und spektakulärer gesehen, aber dieser aufs Wesentliche reduzierte, mit dem dicken Pinsel gezeichnete und sehr hübsch anzusehende Streifen bietet im Prinzip, was von ihm erwarten kann – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Hat Spaß gemacht – und dass ich in der von mir gesehenen Originalfassung nicht jedes Wort verstanden habe, schien weitestgehend nebensächlich.