Review

Als das Internet Verbreitung fand und Chatrooms und soziale Netzwerke aus dem virtuellen Boden schossen, dachten pfiffige Autoren, dieses als Grundlage für einen Thriller mit einem Serienkiller zu verwursten, was schließlich einige Male geschah, meistens jedoch weniger erfolgreich. Zu dieser Reihe gehört auch das Debüt von Robbie Bryan, welches für die Verhältnisse des Produktionsjahres reichlich angestaubt wirkt.

Projektmanagerin Sandra bezieht ein neues Apartment und ist Teil eines Clubs bei „FaceSpace“. Gerade soll ein neues virtuelles Spiel unter den Chatteilnehmern stattfinden, als jemand aus der Gruppe ermordet wird. Sandras Nachbar Joe, ein ehemaliger Polizist, verfolgt die Ermittlungen der Cops und wird zusehends unsicherer, ob Sandra die Killerin oder das nächste Opfer sein mag…

Nicht gerade originell, Facebook und MySpace zu einen neuen Begriff zu formen, doch sonderlich kreativ gibt sich das Drehbuch von A bis Z ohnehin nicht.
Das Intro mit der vage angedeuteten Dreiecksgeschichte, welche für eine Person tödlich endet, liefert auch gleich das Motiv des Killers, was zunächst noch Lust aufs Mitraten macht.
Als die einzelnen Chatteilnehmer nach und nach im Privaten vorgestellt werden, lässt diese Motivation seitens des Zuschauers zusehends nach.

Da gibt es einen Uniprofessor (William Forsythe), der mit einer Studentin fremdgeht, eine junge Frau mit regelmäßigen Besuchen beim Therapeuten, eine an der Wange stark vernarbte Dame, die ihr Recht per Anwalt einzufordern versucht und eben Sandra, die sich auffallend für ihren schüchternen Nachbarn Joe interessiert.
Die Figurenzeichnungen sind jedoch ungünstig angelegt, mit keiner Person wird man so wirklich warm, denn zu sehr aus der Luft gegriffen sind die Episoden über die Chatteilnehmer aneinander gereiht, so dass einem prinzipiell jedes Schicksal unberührt lässt.

Die sich entwickelte Liaison zwischen Sandra und Joe wirkt ebenfalls recht befremdlich, da die Chemie zwischen den beiden rein gar nicht stimmt und die Dialoge zuweilen komplett unnatürlich rüberkommen (nicht nur in der größtenteils grottigen Synchro).
Auch die ermittelnden Cops (einer davon Tony Todd) gehen nicht sonderlich professionell vor, denn im Falle von Cyberkriminalität müsste man lediglich die jeweiligen Verbindungen prüfen, schon hätten sie den Killer.

Jener schlägt leider auffallend unblutig zu. Beim ersten Mord ist im hektischen Durcheinander noch eine Bohrmaschine zu sehen, doch explizit wird man hier nicht. Bei den weiteren Ableben gestalten sich die Bluteffekte noch harmloser, teilweise ist noch nicht einmal der Kill als solcher zu sehen, nur eine blutbefleckte Leiche erscheint kurz im Bild, wodurch selbst eine FSK16 fast schon übertrieben scheint und Gorehounds folgerichtig komplett in die Röhre schauen.

So bleibt letztlich nur noch das Ratespiel um die Identität des Killers, doch auch hier setzt sich das Drehbuch in die Nesseln, da man einerseits durch überdeutliche Ablenkungsmanöver früh drauf stoßen kann und andererseits mit einigen Logiklöchern konfrontiert wird, sobald die Identität gelüftet ist. So gelingt es selbst dem Showdown kaum, ordnungsgemäß an der Spannungsschraube zu drehen, denn das Finale wird erst durch nachgelieferte Flashbacks komplettiert, nachdem jemand erschossen wird und erst danach gezeigt wird, wie es dazu im Detail kam.

„iMurders“ liefert zwar eine passable Grundidee, bleibt in der Ausführung jedoch weit hinter seinem Potential. Selbst die etwas bekannteren Mimen wirken reichlich hölzern, der Score von Harry Manfredini liefert zwar ein grandioses Einleitungsthema, bleibt im Verlauf jedoch erschreckend unauffällig, während die Chose insgesamt zu dialoglastig ausfällt und spannende Momente, sowie mitreißende Kills deutliche Mangelware darstellen.
Dislike.
3 von 10

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