Gerade frisch nach New Jersey gezogen, richtet sich Sandra Wilson (Terri Conn) in ihrer neuen Bude ein - der lebenslustigen Blondine, derzeit solo unterwegs, ist dabei vor allem ein schneller Internet-Zugang wichtig, da sie sich regelmäßig mit einigen Freunden online in einem Chatroom trifft, wie sie ihrer neugierigen Vermieterin Christine (Joanne Baron) erzählt. Die Teilnehmer (darunter eine Sportlerin, ein Uni-Professor, eine Asiatin, eine Sex-Hotline-Mitarbeiterin etc.) kennen sich zwar nicht persönlich, sind aber schon eine ganze zeitlang online miteinander verbunden und freuen sich auf das monatliche Ratespiel eines anderen Teilnehmers, eines jungen, offenbar beim Film arbeitenden Maskenspezialisten. Doch kaum hat dieser die Runde eröffnet, wird er hinterrücks ermordet, was die Mitspieler jedoch für einen Teil des Spiels halten. Doch bei diesem einen Mord bleibt es nicht - bald muß das nächste Mitglied der Runde dran glauben...
Die Low-Budget-Produktion iMurders, im Stile eines Fernseh-Krimis aufgezogen, stellt in gemächlichem Tempo seine Protagonisten vor und läßt den Zuschauer miträtseln, wer wohl der Täter sein könnte. Obwohl man sich durchaus Gedanken gemacht hat, die persönlichen Hintergründe der einzelnen Chat-Teilnehmer zu beleuchten, scheitert der Film gerade daran - denn obwohl es keine Unsympathen gibt, lädt leider auch kein Darsteller zum Mitfiebern ein.
Nicht nur, daß die geschilderten Lebensumstände zum Teil gähnend langweilig (wie die Asiatin beim Psychiater), oder schlicht unglaubwürdig (wie der Uni-Professor mit seiner rätselhaft-unbegründeten Anziehungskraft auf attraktive Studentinnen) ausfallen, ist auch deren Umsetzung dramaturgisch in keinster Weise gelungen: Die hübsche Sandra angelt sich den neuen Tür-Nachbarn, einen ex-Cop, mit dem sie auch schnell in die Kiste steigt, aber das Verhältnis zwischen den beiden bleibt so distanziert wie zwischen (bestenfalls) Arbeitskollegen; die Sportlerin (mit einem riesigen Pflaster auf der entstellenden Wangen-Verletzung) hat einen schwarzen Anwalt mit Schadensersatzforderungen an den Verursacher beauftragt (für den Plot absolut unwichtig); die Asiatin äußert beim scheintoten Psychiater kryptische Formeln über ihre verflossene lesbische Liebe (dessen familienfreundlich abgefilmte Umsetzung so ziemlich das Überflüssigste im ganzen Film ist) und der Uni-Professor (William Forsythe mit Pferdeschwanz, den man aus weiß Gott besseren Rollen kennt) glaubt allen Ernstes, seine beginnende Affäre (die er wie eine Rechnung für Büromaterial behandelt) vor seiner Frau verbergen zu können...
Zwischen diesen wenig spannenden und unbeholfen erzählten Mini-Dramen treffen sich die Teilnehmer dann immer mal wieder zum Chatten im Internet, bis der nächste Mord passiert. Die wenigen Kills, immerhin handgemacht, werden allerdings nur in homöopathischen Dosen gezeigt und spielen kaum eine Rolle. Der Name des Chatportals (Facespace - ein Kofferwort aus Facebook und MySpace), der Filmtitel mit dem vorangestellten "i" (eine offenbar verkaufsfördernd eingesetzte Reminiszenz an eine Handy-Marke) sowie überhaupt der Umstand, daß der anfangs abgefeierte Chat (mit Mini-Livecam über dem Textteil) - zum Entstehungszeitpunkt des Films technisch ein bereits längst überholter alter Hut -, weisen neben einigen anderen Umständen (wie dem Setting beispielsweise des Mietshauses, das eher an ein Stockwerk eines kleinen Hotels erinnert) auf das schmale Budget hin. Auch einige Altstars (Charles Durning oder Billy Dee Williams) in bedeutungslosen kurzen Nebenrollen sollen dem streckenweise zähen Treiben etwas Schwung verleihen, versanden aber genauso wirkungslos wie die erst in den allerletzten Szenen erfolgende Auflösung des Ganzen, die man entweder von Anfang an oder überhaupt nicht erahnen kann.
Selbst Tony Todd als bulliger Ermittler Agent Washington, dessentwegen ich mir diesen Streifen überhaupt angeschaut habe, hat so wenig Screentime, daß er dem zähen Geschehen keinen Impuls verleihen kann. Doch trotz all der geschilderten Unzulänglichkeiten entwickelt der altbackene iMurders, der übrigens zu keiner Zeit in Trash-Gefilde abrutscht und auch kaum unfreiwillig komische Szenen beinhaltet, einen gewissen Charme, der einen zumindest davon abhält, vorzeitig abzuschalten. Wohlwollende 3,51 Punkte.