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"Unsere Rache ist am leben zu bleiben."

Nachdem das Kontingent bekannter Helden erschöpft ist, widmet sich die Filmindustrie immer mehr Personen zu, die nicht gewürdigt oder in Vergessenheit geraten sind. Neben dem parallel im Vorfeld außerodentlich gut kritisierten "John Rabe" wurde "Defiance" kontrovers diskutiert. Und dies wohl zu recht.

Während des zweiten Weltkrieges werden die jüdischen Eltern der Brüder Tuvia (Daniel Craig), Zus (Liev Schreiber), Aron (George MacKay) und Asael Bielski (Jamie Bell) von den Nazis erschossen. In den Wäldern Weißrusslands finden sie Zuflucht, befinden sich aber nicht allein auf der Flucht vor Hitlers Soldaten. Immer mehr jüdische Flüchtlinge suchen Schutz in der Gruppierung, für die Tuvia widerwillig die Verantwortung. Neben der ständigen Gefahr der Entdeckung, dem nahenden Winter und der Unterversorgung an Nahrungsmitteln und Medikamenten, kämpft die Gruppe auch untereinander um einen Platz in der Hierarchie. Während Tuvia für die Probleme der Gruppe eine friedliche Lösungen herbeisehnt, fordert Zus immer wieder die Vereinigung mit russischen Partisanen, und teilt schließlich die Gruppe.

Edward Zwick ist bekannt für opulente und bildgewaltige Epen wie "Last Samurai" sowie gefühlsbeladenes Actionkino wie "Blood Diamond". Seinem Stil bleibt er bei "Defiance" treu. Kraftvolle Bilder, übermäßiger Einsatz von Weichzeichnern und Simplifizierung, soweit wie eben möglich. Da soll selbst schwere Kost dem unterhaltungs-geschwängerten Zuschauer bekömmlich werden. Für den Westlichen dieser Art ist dies bei "Defiance" sicher eher der Fall, als bei der mehr als hundert Jahren zurück liegenden Umwälzung der Samurai-Kaste. Zwick räumt die Geschichte um Tragik, Leid, Hoffnung, Antisemitismus und einem herausstechenden Brüderkonflikt allerdings so sehr auf, dass er alle Themen anschneidet, aber keine ernstlich vertieft.

Die Intensität geht bei dieser "Waschung" völligst verloren. Das eindimensional inszenierte Heldendenkmal klammert reale Ereignisse, wie Plünderung und Unterdrückung ganzer Landkreise sowie die gegenseitigen Komplikationen zwischen Partisanengruppen komplett aus. Das Feindbild bleibt auf diese Weise überschaubar, neben SS-Schergen und Wehrmachtssoldaten sind dies einheimische Helfer der Nazis.
Authentizität und Bezug zu den Figuren geht weiterhin verloren, da Charaktere einerseits durch Hochglanzoptik weniger schmutzig erscheinen als sie es durch die Umstände sein sollten. Andererseits werden massig Figuren vorgestellt, zu keiner allerdings genügend Bezugspunkte hergestellt um deren Beweggründe zu verstehen. Im Gegenteil, denn diese entscheiden willkürlich und gleichzeitig gegensätzlich zu selbst zuvor festgeschriebenen Regeln.
Die Probleme der Hungersnöte und der Kälte des Winters zählen gleichfalls zu angerissenen Themen, die ersichtlich sind, einmalig behoben aber nicht mehr vorkommen. Vieles an "Defiance" scheint beschönigt wodurch das Widerstandsdrama eher zu einem Kriegs- und Partisanenmärchen wird, denn auch Todesopfer bleiben weitestgehend aus.

Klischeebehaftet sind nicht nur die Charaktere sondern auch biblische Ausschweifungen. Die Flucht der Bielski-Partisanen wird mit dem Exodus Kapitel des alten Testaments gleichgestellt und viele der Dialoge strotzen vor hohlen, oberflächlichen und teils sogar abgegriffenen Aussagen.
Hier und da ist fehlgeleiteter Pathos am Werk, Anschlussfehler erwecken den Eindruck schludriger Recherche. Allgemein fehlt es "Defiance" an emotionsgeladenen Momenten. Diese sind zwar vorhanden, berühren aber nur selten. Da es häufig an sehenswerten Ereignissen mangelt oder diese sehr vorhersehbar sind, kann von Spannung oder einem Unterhaltungswert kaum die Rede sein.

Zumindest zum Schluss krachts nochmal ordentlich, denn da lässt Zwick den Ansatz seiner opulenten Massenschlachten durchblicken und präsentiert einen glaubwürdigen und atmosphärischen Kriegsschauplatz mit detaillierter Verspieltheit. Die sonstigen nur kurzen Actionszenen hinterlassen da eher den Eindruck inszenatorischer Notwendigkeit.

Neben den größtenteils unbekannten Gesichtern wie Jamie Bell ("King Kong") fallen Daniel Craig ("Ein Quantum Trost", "Invasion", "Der goldene Kompass") und Liev Schreiber ("Scream"-Reihe, "X-Men Origins: Wolverine") regelrecht auf. Leider vornehmlich im negativen Sinne, denn beide haben nicht das Profil verfolgter und verzweifelter Juden. Dafür erscheinen ihre Gesichter zu markant und ihr Körperbau zu bullig.

"Defiance" ist ein äußerst kraftloses Drama. Zu eingefahren sind die Klischees, zu vorhersehbar Handlungen und Feindbilder. Obwohl die Optik und das Finale stimmig sind, verbreitet das Widerstandsdrama im größeren Teil seiner Laufzeit gähnende Langeweile. Unverständlich, da Regisseur Edward Zwick mit "Glory" bereits ein emotional beeindruckendes Stück Zelluloid ablieferte. Aber vermutlich gestaltete sich das Drehbuch zu "Defiance" einfach zu sperrig.

3 / 10

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