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Will Smith spielt den Superhelden John Hancock, der mit übermenschlichen Kräften ausgestattet ist und selbst durch Pistolenkugeln nicht zu verletzen ist. Dumm nur, dass es sich bei dem Helden um einen faulen und ungehobelten chronischen Alkoholiker handelt, der mehr Chaos anrichtet, als er verhindert. Schließlich beschließt ein PR-Berater, gespielt von Jason Bateman, ihm zu helfen und sein Image zu verbessern. Dabei stellt Hancock fest, dass ihn und die Frau des PR-Beraters, gespielt von Charlize Theron, etwas verbindet.

Warum ist eigentlich noch niemand auf diese Idee um den saufenden Superhelden, der statt einem schicken Kostümchen mit Pyjama und Cape durch die Gegend fliegt und lediglich mit seinem Pöbeln und seinen schlechten Manieren auffällt, gekommen? Und das hohe Einspielergebnis, dass sich bereits ankündigt, lässt erahnen, dass wir in den nächsten Jahren noch mehrere solcher Action-Komödien zu sehen bekommen werden. Dabei bleibt zu hoffen, dass sich die Regisseure, die sich künftig mit der Materie beschäftigen werden nicht dieselben kapitalen Fehler wie Peter Berg machen, denn es wäre definitiv mehr als solide Unterhaltung drin gewesen.

Wie schon bei seinem letzten Werk "Operation Kingdom" filmt Peter Berg von Anfang bis Ende mit Handkamera und kann so durchaus ein schnelles Tempo erzeugen und den Zuschauer näher am Geschehen teilhaben lassen, dafür verliert er mit seinem hektischen Schnitt und der wackelnden Kamera vor allem bei den Action-Szenen den Überblick und so sieht man dem Film sein enorm hohes Budget von rund 150 Millionen Dollar leider nicht an. Darüber hinaus wirkt der Film so etwas gehetzt und macht einen enorm kurzweiligen Eindruck. Außerdem hätte dem Film ein bisschen mehr Action, oder zumindest ein furioses Finale wirklich gut getan, da er den Erwartungen so, zumindest in Bezug auf die Action, nicht gerecht wird.

Dabei beginnt "Hancock" wirklich viel versprechend. Allein schon der Anblick von Smith in seinen abgewrackten Klamotten und einer Flasche Jack Daniels (unglaublich auffällige Schleichwerbung übrigens) in der Hand sorgt für ein paar amüsante Momente und vermutlich hätten Pleiten, Pech und Pannen des pöbelnden Helden auch über zwei Stunden hervorragend unterhalten können. Die Kulisse von L.A. ist klasse in Szene gesetzt und darüber hinaus stimmen auch das Erzähltempo und die Filmmusik, die vor allem die Action-Szenen passend unterlegt. In der zweiten Hälfte greift dann leider zunehmend die immer abstruser und überkonstruierter werdende Story und "Hancock" geht mit der Zeit immer mehr die Puste aus. Statt den Handlungsstrang um den Superpenner, der sich immer mehr zum Superhelden entwickelt konsequent bis zum Ende durchzuziehen, baut man den Handlungsstrang um Charlize Theron ein und versucht nun, Dramatik und Tiefe zu heucheln. Natürlich geht dies auf Kosten des Unterhaltungswerts, zumal die Wendungen so unglaubwürdig und weit hergeholt sind, dass das Interesse am Film immer weiter schwindet, unter anderem, da nun kaum noch Gags gebracht werden. Berg hätte hier konsequent bleiben sollen, aber so merkt man die Unentschlossenheit zu deutlich und der Grat zwischen unterhaltsamer Action-Komödie und Superhelden-Drama wird definitiv nicht gemeistert und der Charakterkonstruktion ist der überflüssige Handlungsstrang auch nicht dienlich.

Die Besetzung der Hauptrolle mit Will Smith hat einen erheblichen Vorteil, aber einen ebenso erheblichen Nachteil. Will Smith spielt hervorragend und macht sich sowohl als heroischer Superheld, als auch als versoffener Penner sehr gut und ist wie gewohnt liebenswert, leicht überheblich und absolut überzeugend. Zudem dürfte es für die Filmemacher recht beruhigend gewesen sein, bei dem hohen Budget den Erfolgsgaranten Smith im Cast zu haben, der mit "I, Robot", "I Am Legend", "Men in Black", "Bad Boys" und "Independence Day" bereits dutzende Erfolge feiern konnte. Andererseits wäre es vor allem anfangs sehr wichtig gewesen, dass der Zuschauer den Superhelden, der Leute grundlos beleidigt und im Prinzip macht was er will, hasst, damit die Wandlung dramatisch besser aufgebaut wird, aber alle mögen Will Smith und so geht auch die gute Grundidee im Schatten von Smith unter. Charlize Theron kann voll und ganz überzeugen, genauso wie Jason Bateman, der schon in "Operation Kingdom" unter der Regie von Berg spielte.

Fazit:
"Hancock" startet mit Action und Humor vom Feinsten und unterhält in der ersten Hälfte perfekt, verliert in der zweiten Hälfte aber wegen der haarsträubenden Story an Fahrt und läuft zunehmend ins Leere. Was bleibt ist der gute Cast, die starke Grundidee und ein solider Blockbuster, der ordentlich unterhält, mehr aber auch nicht.

62%

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