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Wo sind bloß die Zeiten geblieben, als man sich auf Sommerblockbuster mit Will Smith noch verlassen konnte, mochten sie auch durch altbackenen Americana-Patriotismus zersetzt sein?
In den letzten Jahren fiel der Top-Star der US-Kinoszene mehr und mehr durch großproduzierte und hochbudgetierte Mittelmäßigkeit auf, die zwar immer noch recht unterhaltsam war, aber längst nicht mehr so strahlend daher kam. Der Star entdeckt seine softe, kontroverse Seite und plädiert für mehr Menschlichkeit – deswegen kam die Symbiose namens „Hancock“ auch wie eine schöne Hoffnung daher: ein sperriger Superheldenfilm mit reichlich Humor und Anti-Hero-Gags, sowie einer menschlichen Seite.

Smith ist der Superheld „Hancock“, der sich an seine Vergangenheit nicht erinnern kann und daher seine Fremdartigkeit in Alkohol ersäuft, weswegen seine Rettungseinsätze auch Großkatastrophen ähneln. Bis er einen PR-Berater rettet, der aus Dankbarkeit seinen Fall übernimmt, womit die Probleme anfangen, weil der ruppige Saufbold in der Frau des Helfers eine Widersacherin findet.

Man hätte es ahnen können: gerade mal knapp 90 Minuten läuft „Hancock“ und so kurze Blockbustervergnügungen riechen immer sehr stark nach Resteverwertung und viel zu selten nach komprimierter Brillianz. „Hancock“ jedoch ist keins von beiden richtig, sondern wirkt wie ein unfertiger Entwurf, den man notgedrungen abgefilmt hat, zumindest solange Ideen da waren.

Und das ist auch gar nicht so falsch, denn die ursprüngliche Skriptvorlage „Tonight he comes“ war wesentlich düsterer und fieser und so gar nicht auf den typischen Smith-Film zugeschnitten, der hier offenbar auf den gängigen Typus in aller Eile zurecht gezimmert wurde.
Dabei kommt ein Film heraus, der aus seinen Möglichkeiten so wenig macht, daß er praktisch nur das Offensichtliche abbildet, einfachste Situationskomik, die nicht selten an an Sitcommaterial erinnert, wenn die Zerstörungsorgien dafür nicht zu teuer wären.

Es fehlt schlicht und ergreifend an einer talentierten Hand, um den groben Skizze von Story mehr einzuhauchen als Spezialeffekte , die state of the art sind. Man wird in die Grundsituation hineingestoßen und dann macht man so gut wie gar nichts daraus. Das läppische Aufbautraining seines neuen Freundes (Jason Bateman in einer netten Rolle) hätte sogar jeder Nicht-Superheld auf die Schnelle geschmissen, die Methoden desselben sind albern, die paar Tage im Gefängnis kranken an akuter Einfallslosigkeit. Im Zeitraffer ist der Held geläutert (und ernüchtert, eine Tendenz, die man schlicht und ergreifend fallen läßt) und sein erster Heldeneinsatz maximal nett erheiternd. Und nach gut der Hälfte kommt dann die große Wendung und positioniert einen zweiten Superheld, um irgendwie die Existenz unseres Hancock zu erklären, was aber ebenso wenig befriedigt, wie der reizlose Showdown mit ein paar sich überschätzenden Kriminellen.
Im Gegenteil, zum Schluß wird auch noch das große Emotionspedal gedrückt, es wird regelrecht düster und der einzige Reiz kommt von den Effekten, die tatsächlich rund und gut geworden sind, aber das Vehikel Handlung erst recht erdrücken.

Smith kommt hier niemals und zu keiner Szene zu seinem Recht, aus ihm wird nie ein echter Charakter, hinter dessen Fassade man sehen möchte, vom brutalen Alki geht’s ruckzuck zum Saubermann und dann zum Herkunftsfinder, aber alles sieht so aus, als würde er es vertraglich gebunden abspielen, damit der Film nun endlich mal gedreht ist, die FX-Crew wird’s schon richten.
Auch Charlize Theron kann in ihren Szenen nicht wirklich glänzen, zu schnell eilt der Film zur nächsten Holzhammerszene, die das Problem in sich trägt, doch immer einigermaßen familienfreundlich bleiben zu müssen.
Der Kinokasse hat es nicht geschadet, die Rechnung ging trotzdem auf und das hohe Budget wurde gleich wieder eingespielt, aber es bleibt nicht mehr als ein ziemlich leerer, vordergründiger und irgendwie prätentiöser Film, der von Routinen und Offensichtlichem lebt, eckig, abgehackt und leicht grobschlächtig. Reicht zum 4.Juli in den Staaten, aber macht sonst keinen Staat. (5/10)

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