Review

Sex Galaxy ist ein sogenanntes Green Movie. Ein Film nach dem Prinzip "aus alt mach neu". Mehr als vierzig alte Filmschnipsel aus der Public Domain-Schatzkiste wurden (angeblich) recycelt, um etwas Neues und Eigenständiges zu kreieren. Lustigerweise bedient sich Sex Galaxy auch großzügig bei einem Film, der selbst schon fremdes Material wiederverwertet hatte: Voyage to the Planet of Prehistoric Women (1968; Regie: Peter Bogdanovich), welcher auf Voyage to the Prehistoric Planet (1965; Regie: Curtis Harrington) basiert, welcher wiederum auf dem russischen Science-Fiction-Streifen Planeta Bur (1962; Regie: Pavel Klushantsev) basiert.

So wie der berüchtigte Dr. Frankenstein aus Leichenteilen einen Menschen bastelte, bastelte Mike Davis (Koproduzent und Drehbuchautor der Russ Meyer-Hommage Pervert!) aus Filmschnipseln einen Film. Und so finden sich in seinem Werk Teile aus Animationsfilmen und Nudie Stag Clips ebenso wie Szenen aus einem ultrakrassen Sex Hygiene-Movie (Stichwörter: Penis, Syphilis, Injektion), die schon beim bloßen Zuschauen weh tun und wo sich die Zehennägel vor Schreck aufrollen. Um das Ganze noch etwas aufzupeppen, wurde ein klein wenig neugedrehtes Material hinzugefügt, bevor der fertige Film dann schließlich komplett neu synchronisiert und mit einem frischen Score unterlegt wurde. Erstaunlicherweise funktioniert Sex Galaxy sogar ziemlich gut; besonders Camp-Liebhaber werden an diesem Stückwerk ihre Freude haben.

Die Geschichte spielt 100 Jahre in der Zukunft. Aufgrund massiver Überbevölkerung ist die Erderwärmung außer Kontrolle geraten. Um gegenzusteuern, wurde außerehelicher Sex verboten. Nachdem drei notgeile Astronauten einen Klempner-Job erledigt haben, lassen sie sich zu einem Abstecher auf einen nahegelegenen Planeten hinreißen, der von heißen, willigen, Telepathie-begabten, leichtbekleideten Amazonen bevölkert ist. Doch dort tummelt sich neben bizarrem Getier auch noch ein Roboter. Außerdem hat der Captain ständig Zoff mit seiner auf der Erde verbliebenen Frau. Oder so. So gut die Grundidee ist, so durchwachsen ist die Umsetzung. Die Handlung ist so hanebüchen wie sinnlos, aber angesichts der Produktionsumstände muß man ja schon fast froh sein, daß man überhaupt eine halbwegs nachvollziehbare Geschichte serviert bekommt. Die diversen Szenen fügen sich überraschend gut zusammen, selbst die drei Stag-Filmchen (Titten!) und das neugedrehte Material mit dem schwedischen Pornosternchen Puma Swede (Titten!!!) wurden passabel integriert. Die wippenden Brüste tun dem Streifen ebenso gut wie die gelegentlich auftauchenden Kreaturen und der klobige Roboter-Zuhälter.

Ob man mit Sex Galaxy - in dem Sex übrigens Mangelware ist - etwas anfangen kann, hängt vor allem davon ab, ob man mit der zotigen Synchronisation warm wird. Gefühlte achtzig Prozent der Gespräche drehen sich um Sex, und egal, in welcher Situation man(n) sich gerade befindet, für einen schlüpfrigen, pubertären Kommentar scheint immer Platz zu sein. "Are you ready to have your mind blown, Billy?" fragt etwa die Muschel-BH-bestückte Chefamazone, worauf Billy erwidert: "My mind isn't what I had in mind." Wer darüber lachen kann, ist bei Sex Galaxy genau richtig, wobei allerdings nicht verschwiegen werden sollte, daß obiger Dialog noch einer der besseren ist. Ich gebe gerne zu, daß mich das krampfhaft auf lustig getrimmte Gelaber einige Male zum Schmunzeln gebracht hat. Zu lautem Gelächter hat es jedoch nicht gereicht.

Einen gewissen Charme kann man dem Streifen nicht absprechen, aber so richtig will das Richtung Kult gebürstete Gemisch einfach nicht zünden. Am Ende bekommt man dann noch eine Botschaft auf's Auge gedrückt, was kein Wunder ist, schließlich wurde der Film von der The Faith In Christ Evangelical Church in Mojave, Kalifornien, finanziert. Sex Galaxy beweist, daß es äußerst schwierig ist, aus lahmem Ausgangsmaterial etwas zu machen, das nicht lahm ist. Fazit: Nett, aber unbefriedigend.

Details
Ähnliche Filme