Seit dem Erfolg von „Tiger & Dragon“ sucht der mythologisch angehaute Schwertkampffilm immer öfter westliche Kinos und DVD-Auslagen auf, wobei „The Legend of Gingko“ ein recht früher Vertreter dieser Welle ist.
Mit Pflanzenkunde hat der Film trotz seines Titels allerdings wenig am Hut, stattdessen darf der Zuschauer dem Konflikt der Volcanos und der Hawks beiwohnen, zwei rivalisierende Clans, die sich am Fuße des heiligen Berges bekriegen. Die Volcanos sind das nette friedliebende Volk, die Hawks wollen die Rivalen hingegen ausmerzen und haben dafür auch ein übermächtiges Schwert in petto, wie man später erfährt.
Um das Wunderteil anzusetzen und aus dem Feindesclan Hackepeter zu machen, brauchen sie allerdings Vee, gezeugt von einem Volcano und einer Hawk. Der Herr Papa wurde jedoch getäuscht, dachte die Mutter seine ebenfalls eine Volcano, und geht dann mit dem Kind stiften, da er irgendwie nicht ganz einverstanden mit der Opferung ist. Radikaler Zeitsprung in Vees Jugendzeit und das in den ersten paar Minuten, da ist es nicht immer ganz angenehm hinterherzukommen und sich in den Film einzufühlen – eine der klaren Schwächen von „The Legend of Gingko“.
Doch es kommt die Zeit, in der die Hawks Vee während eines Schwarzen Mondes opfern wollen, und die Volcanos stärker attackieren. Doch Vees zwei Jugendfreunde, beide zu Männern gereift, stellen sich dem entgegen…
„The Legend of Gingko“ fährt das volle Programm auf, will gleichzeitig Fantasyfilm, Schwertkampfepos und Liebesdrama sein und setzt sich damit mal so richtig zwischen die Stühle, denn so richtig bedient wird dann leider keins der Genres. An sich schade, denn die Regie leistet Ordentliches und auch mit den Darstellern kann man durchaus zufrieden sein; allenfalls die etwas schwachen CGI-Effekte fallen negativ auf, aber dafür kann der Film auch auf kein Hollybudget bauen.
Leider ist das Script bisweilen etwas konfus, streut viele Infos erst zwischendurch oder im Nachhinein ein, zaubert öfters mal Zufälle oder nicht vorbereitete Rettungen aus dem Hute, was einen schalen Beigeschmack hinterlässt. Dabei ist die Geschichte durchaus interessant, findet allerdings erst im letzten Drittel zum richtigen Tempo, allerdings wird an der Stelle dann auch primär gekämpft, was eine geradlinige Erzählung nötig macht.
In den Kampfszenen geht gelegentlich auch mal die Übersicht verloren, meist kann man den Auseinandersetzungen aber sehr gut folgen. Die Choreo stimmt auch, sofern man sich mit dem übernatürlichen Element in den Wemmsereien anfreunden kann. Meist geht es Mann gegen Mann oder man kämpft in kleineren Gruppen, Massenschlachten Marke „Musa“ erwartet man besser nicht, doch trotzdem ist es vor allem die Action, die „The Legend of Gingko“ noch über den Durchschnitt hebt.
Ansonsten profitiert Park Je-hyeons Film vor allem von dem eingängigen Score, der diverse Szenen erst so richtig aufwertet wie z.B. jene Szene, in der sich mehrere Parteien durch den Wald hetzen. Auch die Gefühlswelt der Protagonisten wird häufig von der Musik transportiert und Gefühle spielen hier, wie in den meisten Epen, eine wichtige Rolle. Immer wieder siegt die Emotion über die Ratio, macht Personen zu Verrätern am eigenen Volk und lässt sie gegen die eigenen Leute vorgehen. Leider gleitet „The Legend of Gingko“ dann zwischendrin in klare Sympathie/Ablehungsschemata ab, wodurch dieser Aspekt nicht vollends genutzt wird (gerade sind die Rollen sehr klar verteilt), aber eine gewisse Tragik kann der Film hier definitiv aufbauen.
Der große Wurf ist es nicht, dafür fesselt die Geschichte zu wenig, dafür ist der Plot zu faserig. Schöne Bilder, ein eingängiger Soundtrack und nette Kampfszenen heben „The Legend of Gingko“ über den Durchschnitt, aber da kennt man Besseres.