Review

Ein Western wie ein Kammerspiel. Wo andere Regisseure seiner Zeit in ihren Western Action, Abenteuerromantik oder (amerikanischen) Pathos zelebrierten setzte Howard Hawks in Rio Bravo (und deutlicher noch im Quasi-Remake "Rio Lobo") den Gegenpool mit der ruhigen, dialoglastigen, dann aber auch wieder auf kleinste Gesten (grandios die stumme Darstellung des Konfliktauslösers in den ersten 4 Minuten 30 des Films) fokussierten, ruhigen Art den Western als Abgesang auf die Helden und als Annäherung an die Realität des Lebens erfahrbar zu machen.
So ist dieser Film Klischee (sowie auch Blaupause für unzählige Nachahmer) und die Vermeidung desselben in einem. Alle sind sie vorhanden die Prototypen des frühen Western: Der rauhbeinige, wortkarge Sheriff, sein schnell zielender Hilfssherrif, der böse Grossgrundbesitzer, Revolverhelden, schöne Frauen, Liebe, der junge,strahlende Revolverheld - alles!
Doch halt: Hawks Helden sind keine strahlenden, keine sicheren und oft auch keine dem Schönheitsbild entsprechenden. Es sind knorrige Typen die nur schwach werden wenn sie Sensibilität zeigen sollen, die zuviel trinken und die sich wie zu gross geratene, ratlose, lakonische Kinder durch den Film bewegen. Nur an der Waffe und in der Wahrnehmung ihrer Pflicht verwandeln sie sich in ein Abbild der althergebrachten Helden und strahlen die Sicherheit aus die sie im Alltag nie wirklich besessen haben. Und John Wayne erweist sich in Rio Bravo als ein Muster dieser Eigenschaften.
So entsteht eine Film zwischen Western, Tragik(komödie) und Drama der bei aller Lakonie und manchmal auch Flapsigkeit nie den Boden seines Ursprungs verlässt und diesen doch durchpflügt und neu definiert.
In dieser Blaupause von Rio Bravo keimt dann auch (um Jahre seiner Zeit voraus) die Saat die später in den Spätwestern der 80er und 90er Jahre keimen wird. Die Filme die konsequent das fortführen werden was Rio Bravo oft noch nur andeutet.
Auch die formalen Kriterien weisen dem Anspruch den Western als ruhiges Kammerspiel mit verunsicherten, ja beinahe gebrochenen Helden zu inzenieren ihre Referenz. Die musikalische Untermalung ist angemessen ruhig, die Tageswechsel werden durch wunderschöne Landschaftsaufnahmen begangen und die Kamera verweilt häufig scheinbar länger als nötig an einer Einstellung. Der Film nimmt sich die Zeit seine Geschichte zu erzählen und wird dabei trotz seiner Überlänge nie langweilig weil er sich voll und ganz auf die Qualitäten seiner Charaktäre und der Geschichte an sich verlässt.
Ein Western der Filmgeschichte schrieb weil er sein Genre neu definierte und wieder auf die Beine stellte.

Details
Ähnliche Filme